Neun Jahre lang leidet Oberammergau unter dem Ruf Wallfahrts-, nicht Kurort zu sein. Die Hoteliers und Pensionsbesitzer klagen über Gästemangel, während umliegende Dörfer voll ausgebucht sind. In diesem Jahr freilich wird es nur zufriedene Gesichter geben: Das Gelübde, das vor 337 Jahren die Pestilenz aus dem Dorf hielt, wird dieses Jahr wieder ein Wunder vollbringen: die Kassen der Händler, Hoteliers, Souvenir- und Eisverkäufer reichlich füllen.

Fünf Monate lang, genau vom 18. Mai bis 30. September, spielen einfache Bürger des Dorfes – sie müssen mindestens 20 Jahre in Oberammergau gewohnt haben, um der Ehre teilhaftig werden zu können – für Touristen aus aller Welt die Passion nach dem Text des Dorfpfarrers Alois Daisenberger.

Allein die Hälfte aller Besucher werden aus dem Ausland erwartet. Nur ein Drittel der Kartenwünsche kann erfüllt werden. 1700 Darsteller dienen der Gemeinde als Laienspieler; 30 Millionen Mark gaben die Besucher 1960 aus. Das sind die beeindruckenden Zahlen, und das Ergebnis des alten Gelübdes.

Wer in diesem Sommer die Passionsspiele ansehen möchte, ist auf einige wenige Reiseveranstalter angewiesen. Insgesamt können die Oberammergauer für die rund hundert Vorstellungen (nur!) 550 000 Karten verkaufen; die Bestellungen lauteten aber schon vor einem Vierteljahr auf das Doppelte. Im Ausland, insbesondere in England und in den USA, wo die Nachfrage am stärksten ist, sind alle Karten ausverkauft. In Deutschland ist das Angebot, jetzt, wenige Wochen vor dem Beginn der Passionsspiele, sehr beschränkt: So veranstaltet beispielsweise das Jugendferienwerk Saarbrücken, Bahnhofstraße 105, Drei-Tages-Fahrten nach Oberammergau; Preis 158 Mark, eingeschlossen sind Vollpension und Eintrittskarten. Von einigen Zielorten in Bayern arrangiert Touropa Tagesfahrten zum Donnerstag-Spiel ab 69 Mark oder ab 109 Mark für das Sonntagsspiel (Übernachtung und Verpflegung in „besseren“ Bürgerhäusern eingeschlossen). E–dt