Alle Jugendreisebüros machen Jahr für Jahr eine merkwürdige Erfahrung: Sie garnieren ihre Programme mit allerlei „Schmankerln“ – abenteuerlichen Wanderungen durch Lappland, Segelkursen, Höhlentouren oder Reiterferien in der Puszta – aber ihr. jugendliches Publikum greift mehr oder weniger immer wieder zum „Urlaub von der Stange“, es steigt ins Flugzeug oder in den Liegewagen-Sonderzug und versucht so schnell wie möglich an die südlichen Sonnenküsten zu gelangen. „Die interessanten und ausgefallenen Reiseziele nehmen wir nur für die Journalisten ins Programm, dann haben die etwas zum Schreiben“, sagte mir kürzlich der Chefreiseleiter eines großen Jugendreisebüros.

Nun, ganz so schlimm ist es wohl nicht, aber die Deutsche Gesellschaft für internationalen Jugendaustausch, zum Beispiel, hat; offenbar Schwierigkeiten, eine, attraktive, einwöchige Segelkreuzfahrt auf einer Luxusjacht rund um die Balearen, die mit einem der üblichen Mallorcaflüge verbunden werden kann, an den Mann zu bringen. (Flug ab Frankfurt, zwei Wochen Vollpension im Hotel auf Cala Figuera, eine Woche Kreuzfahrt 786 Mark.)

Im übrigen hält sich das Programm der Deutschen Gesellschaft freilich an die konventionellen Wünsche der Teilnehmer: Liegewagenfahrten in deutsche, schweizerische, österreichische, französische, spanische, jugoslawische und skandinavische Ferienorte und Flugreisen in den Süden, nach England, Irland, Bulgarien, Rumänien und in die Sowjetunion.

„Fahr mit“, wie sich die Gesellschaft in ihren Prospekten auch nennt, beteiligt sich außerdem an verschiedenen Kreuzfahrten im Mittelmeer und an Fernreisen nach den USA, nach Indien, ja sogar an einer Weltreise für 2980 Mark. Die Sportprogramme des deutsch-französischen Jugendwerks kann man bei „Fahr mit“ buchen, die „Europäischen Jugendwochen“ in den neun gesellschaftseigenen Häusern in der Bundesrepublik bestechen durch ihren niedrigen Preis (zwei Wochen für 240 bis 395 Mark) und durch die verschiedenen Hobby-Möglichkeiten: Bergsteigen, Segeln, Segelfliegen und Reiten in internationaler Gesellschaft.

Die Deutschen Jugend-Reisen (DJR), zu deren Gesellschaftern seit einiger Zeit auch das Jugendreisebüro Saarbrücken und der Feriendienst Hannover gehören, verzeichneten in diesem Frühjahr eine Steigerung der Buchungen um 60 Prozent, gegenüber den vergleichbaren Vorjahrsmonaten. Außer dem bereits erwähnten Club-Programm (siehe ZEIT Nr. 15) offerieren DJR internationale Begegnungen in Moskau, Leningrad, Sotschi, Warschau, in der ČSSR, in Jugoslawien und England. Minitrips haben London, Moskau, Paris, Rom und Prag zum Ziel und für unternehmungslustige junge Leute gibt es eine „Bärenkreiswanderung“ durch Lappland, Segelcamping in Dänemark, eine Zigeunerfahrt durch Irland und Reiterferien in der Puszta.

Beim Feriendienst Hannover kann man nicht nur die DJR-Reisen buchen, jungen Leuten aus Hannover und Niedersachsen stehen außerdem die fünf Ferienhäuser der Organisation in Heiligenhafen/Ostsee, Rantum/Sylt, Innsbruck, Cesenatico/Adria und Limone/Gardasee zur Verfügung. (14 Tage Limone ab Hannover 348 Mark.)

Mit dem Deutschen Studenten-Reisedienst (DSR) verreisen neben den Jung-Akademikern vor allem Schüler. Entsprechend den individuelleren Ansprüchen der Teilnehmer, bietet DSR für einige Reisegebiete „Baukastenreisen“ an, die sich jeder nach Lust und Laune „zusammenbasteln“ kann. Der Mittelmeerbaukasten enthält die Fahrpläne zahlreicher Liniendampfer und Kreuzfahrtschiffe, für Tramper gibt es eine Übersicht über Frachterreisen und für die USA wird ein ganzes Baukastensystem von billigen Atlantikflügen und preiswerten Transportmöglichkeiten und Unterkünften angeboten.