Wie der Verband deutscher Schriftsteller VS scheint nun auch der Club der Poeten, Essayisten und Novellisten PEN entschlossen, endgültig aus der Aura des Altherren-Vereins auszubrechen:

Die Schriftsteller tun sich zusammen. Die Erkenntnis hat sich durchgesetzt, daß der einzelne heute, vom Schreibtisch her Pfeile schleudernd oder meinetwegen auch Bonbons werfend, wenig vermag. Nicht einmal gegen Raubdrucke der Schulbuchverlage oder gegen unverständige Finanzämter, die ihn als Unternehmer und Besitzer von Produktionsmitteln mißhandeln, kann er etwas ausrichten. Ein Postbeamter oder ein Zöllner genügt, den Kontakt zu Kollegen in anderen Ländern zu unterbrechen.

Solche Erfahrungen und Überlegungen haben schließlich auch notorische Einzelgänger veranlaßt, ihre gemeinsamen Interessen gemeinsam zu vertreten.

In der letzten Woche konnten wir das Erstarken des Verbandes deutscher Schriftsteller, klug geleitet von dem umsichtigen und unermüdlichen Dieter Lattmann, melden und kommentieren.

In dieser Woche hat der westdeutsche PEN-Club wichtige Weichen gestellt: vor allem, indem er die Politik der Selbstverjüngung konsequent fortsetzte, indem er seine Aufgaben klar definierte und indem er den für diese Aufgaben richtigen Präsidenten wählte.

Da für die internen Angelegenheiten der Schriftsteller der VS zu funktionieren anfängt, liegt das Betätigungsfeld des deutschen PEN-Clubs vor allem jenseits der Grenzen – wozu er ja, als Teil eines internationalen Verbandes, auch die besten Voraussetzungen hat.

Unter solchen Umständen ist es, schon taktisch, richtig, den in anderen Ländern bekanntesten deutschen Schriftsteller zum Präsidenten zu wählen. Wir sind Heinrich Böll zu Dank verpflichtet, daß er sich dieser Wahl nicht entzogen hat – obwohl er sicher nie ein „Präsident“ werden wollte.