Das spektakulärste Flugzeug der deutschen Luftfahrtindustrie wird eingemottet. Die Deutsche Luftfahrtschau Hannover (24. April bis 3. Mai) ist um ein Ausstellungsstück ärmer. Der Grund für das Nichterscheinen des ersten „strahlgestützten“ (Hubtriebwerke), senkrechtstartenden Transportflugzeuges DO 31: Dornier hat kein Geld für die Schau.

Dabei hätte das Münchener Unternehmen allen Grund, stolz zu sein. Erst am 17. April beendeten Ingenieure der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA ein umfangreiches Testprogramm. Sie untersuchten die Möglichkeiten und Bedingungen für den Einsatz von Senkrechtstartern im Verkehr von Stadtzentrum zu Stadtzentrum. Die DO 31 als erstes einsatzfähiges Transportflugzeug (20 Tonnen Tragfähigkeit) wurde als Testobjekt ausgewählt.

Der Kommentar der Amerikaner über das Flugzeug war sehr knapp, da sie als Beamte nach München kamen und dem offiziellen Bericht der NASA nicht vorgreifen dürfen. Doch die Münchner werteten das „breite Lächeln“ der Tester als Zufriedenheit.

Vier Jahre lang experimentierten die Ingenieure des renommierten Unternehmens, bevor sie 1963 den Transporter DO 31 vorstellen konnten. Freilich wurde dieses kostspielige Projekt auch vom Staat unterstützt. Die Militärexperten hatten erkannt, daß große Start- und Landeplätze im Ernstfall nicht allzulange überleben würden. Insgesamt wurde das Projekt mit über 200 Millionen Mark Steuergeldern unterstützt.

Der erste Senkrechtstarter kam indes nicht von Dornier. Der „Entwicklungsring Süd“, eine inzwischen eingegangene Arbeitsgemeinschaft mehrerer deutscher Flugzeugfirmen, hatte mit dem Projekt VJ 101 die ersten Lorbeeren für Deutschlands Flugzeugingenieure erworben.

Natürlich bedauern die Leute von Dornier, daß ihr Prachtkind in Hannover nicht dabei sein kann, aber allzu groß ist ihre Trauer nicht. Sie hatten Anfang April vielversprechende Post aus Bonn erhalten.

Dort hatte eine Kommission fünf Monate lang deutsche Senkrechtstarterprojekte für den zivilen Bedarf der achtziger Jahre genau unter die Lupe genommen. Die Kommission, nach dem flugtechnischen Berater des Bundeswirtschaftsministeriums Professor Karl Thalau auch Thalau-Kommission genannt, hatte im Auftrag der Bundesregierung zu untersuchen, welches der deutschen Senkrechtstarterprojekte weitere finanzielle Unterstützung verdient.