Angkor unerreichbar

Von Eka von Merveldt

Die Japaner sagen es zwar überdeutlich: Nihon banpaku – diese Weltausstellung gehört Nippon. „Japan World Exposition“ – so wurde es sogar groß auf die Flugzeuge der Japai Air Lines gepinselt. Aber alle umliegenden Linder hoffen wenigstens einen kleinen Sonnenstrahl der Expo abzubekommen. Ein paar neugierige Touristen könnten doch auf der Südroute der Luftlinien von Japan nach Indien und Europa einige Zwischenaufenthalte ohne viel Mehrkosten auf dem Hin- oder Rückflug einplanen. Dafür werben die Koreaner, Taiwanesen, Filipinos, Nepalesen, dafür wirbt Hongkong, darum bitten nicht zuletzt die Thailänder, Burmesen, Indonesier, Malayen und die Leute von Singapore.

Die asiatischen Hostessen in ihren farbenprächtigen, exotischen Phantasiekostümen scheinen zu versprechen, daß es noch viel mehr hübsche Mädchen in den Ländern südlich von Tokio gibt. Toru, mein Begleiter auf der Expo, schwor, er würde auf den Philippinen anhalten, wenn er könnte, der Mädchen wegen. Durch ihn erfuhr ich, daß unter den vielen Aspekten, diese Weltausstellung zu betrachten, auch der Hang zu schönen jungen Ausländerinnen eine treibende Kraft sein kann. Die Ballettgruppen jener Völker, die weniger Industriepotential als Lebensfreude und Anmut zusammen mit kleinen Häufchen Reis und Bohnen auf der Expo zu zeigen haben, tanzen vor den Pavillons und auf den Bühnen der Luxushotels in Tokio und Osaka, und mit dieser farbigen Folklore, der orientalischen Glitzerpracht der Kostüme, Fächer und Schirme, mit der Glut der Bewegungen und dem fröhlichen Aufgebot talentierter Mädchen und nackter Männer scheint wiederum eine Einladung in ihr Land zu einem Besuch voller Lustbarkeiten verbunden zu sein. Aus Indonesien kamen sogar fünf mystische Männer, die auf ihren Köpfen Eier braten und sich mit scharfen Messern traktieren können, Gaukler mit geheimen Kräften.

Taiwan

Im Pavillon von Taiwan lief ich. einem chinesischen Botschaftsrat in die Arme. Während wir uns eine Wendeltreppe über mehrere Etagen hinunterschraubten geradewegs auf die Insel zu – denn auf dem Grunde des Turmes lief auf einer Riesenfläche ein Superfilm über „Formosa die Wunderschöne“ –, schrieen wir uns gegenseitig an im vergeblichen Bemühen, uns in dem Krach zu verständigen. Von den vielen, vielen Pavillons in Osaka, die alle alten Neuigkeiten aus Montreal kopieren mit elektronischen Geräuschen, psychedelischem Licht, autovisuellen Tricks, Multi- und Superleinwandfilmen, ist Taiwans einer der lautesten. „Wir sind so laut, weil die Japaner das lieben“, schrie der Botschaftsrat, undurchsichtig diplomatisch lächelnd. Ich hätte gewarnt sein müssen.

Taipeh ist eine Großstadt, uferlos, zerfließend wie japanische Städte. Sie ist von Japanern angelegt, und ihre Phonstärke ist auch beträchtlich. Es gibt auch in den Häusern kaum akustischen Schutz, es lärmt und kracht und scheppert schon beim Frühstück. Eine Ausnahme ist das außerhalb Taipehs gelegene Grand Hotel im chinesischen Palaststil mit schwingenden Dächern. Es ist erstklassig geführt und gehört zu den schönsten Hotels der Welt, aber zur Zeit wird ein zwölfstöckiges Nebenhaus gebaut, und damit wird der ganze Charme vielleicht dahin sein,