München

Uschi Obermeiers Busen sorgte dafür, daß die Nachricht rasche Verbreitung fand: „Tupamaros erpreßten die schöne Kommunardin“, meldete die Münchner Abendzeitung in dicken Schlagzeilen.

„Entweder du zahlst, oder wir schlagen hier alles kurz und klein, und deine Uschi nehmen wir uns auch vor“, soll ein Rollkommando der ehemaligen „Südfront“ und „Tupamaros“ dem Pop-Kommunarden Rainer Langhans gedroht haben. Ex-Genosse Langhans, der mit der Kommune „High Fish“ gerade in Landshut ein ehemaliges Jagdschlößchen gemietet hat, zog es daraufhin angeblich vor, die geforderten 500 Mark zu zahlen, um den Schlägertrupp wieder loszuwerden.

Machen die militanten „Tupamaros“ nun auch München unsicher?

Tupamaros, den Decknamen der anarchistischen Stadtguerilla-Gruppen in Uruguay, hatten zuerst Bombenleger benutzt, die Berlin in den letzten Monaten durch eine Reihe von Anschlägen terrorisierten.

Doch inzwischen scheinen einige Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Erpresser-Story aufgetaucht zu sein. „Die Tupamaros rennen uns die Bude mit Gegendarstellungen ein“, gibt man in der Redaktion der Abendzeitung zu. Und auch die Münchner Kriminalpolizei ist plötzlich mit Auskünften sehr zurückhaltend. „Wir können gar nichts sagen“, meint Kriminaldirektor Hermann Häring. „Auf Grund sehr vager Informationen und Presseberichten haben; wir zunächst ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Eine Anzeige haben die Kommunarden bisher nicht erstattet. Das ist auch nicht zu erwarten, da diese linksextremen Gruppen der Polizei gegenüber bekanntlich sehr zugeknöpft sind. Dadurch werden unsere Ermittlungen natürlich sehr erschwert, denn selbst Ex-Kommunarden sagen nicht gern gegen frühere Genossen aus.“

Besonders, wenn gar kein Straftatbestand vorliegt. Dr. Fritz Schopohl, Mitglied der High-Fish-Kommune: „Die Kripo stieß im Laufe einer Razzia, bei der zehn Münchner Kommunen nach Bombenmaterial gefilzt wurden, auf einen Vertrag zwischen unserem Kollektiv und der ‚Südfront‘. Darin hatten wir uns im Rahmen der Lehrlings-Aktion der ‚Südfront’ verpflichtet, Kaution und Miete für zwei Monate sowie 500 Mark Bargeld als Überbrückungshilfe für die geplanten Lehrlings-Kollektive zu spenden. Natürlich haben wir heftig diskutiert, ob wir den relativ hohen Betrag von 2500 Mark für die Resozialisierung von Fürsorgezöglingen aufbringen sollten, aber von Erpressung konnte gar keine Rede sein. Wir waren alle der Meinung, mit diesem Geld sinnvolle politische Arbeit zu leisten.“