Präsident Richard Nixon will bis zum Mai des nächsten Jahres weitere 150 000 amerikanische Soldaten aus Vietnam abziehen lassen. In einer Fernsehansprache (siehe auch Dokumente der ZEIT) kündigte er außerdem an, daß sich diese Zahl erhöhen könnte, „wenn wir an der Verhandlungsfront einen Fortschritt erzielen“. Derzeit befinden sich noch 428 000 US-Soldaten in Vietnam.

Nixon führte als Begründung für seinen Abzugsplan an, daß Ausbildung und Ausrüstung der südvietnamesischen Truppen sich über die Erwartungen hinaus verbessert hätten und auch „sehr bedeutsame Fortschritte“ bei der Befriedung des Landes gemacht worden seien. Die Ankündigung der Truppenreduzierung ist von führenden Vertretern beider Parteien im Kongreß begrüßt worden. In Militärkreisen in Saigon ist der Plan Nixons dahingehend kommentiert worden, daß der Präsident im Gegensatz zu früher keinen kurzfristigen Zeitplan aufgestellt habe. Damit sei offenbar den Warnungen der Frontkommandeure vor einem überstürzten Abzug Rechnung getragen worden.

Auf die Lage in Laos und die „offene Aggression“ der Kommunisten gegen Kambodscha ging der Präsident nur kurz ein.

Über das amerikanische Engagement in Laos war es Anfang der Woche in Washington zu einer aufsehenerregenden Veröffentlichung gekommen. Der für Sicherheitsangelegenheiten im Ausland zuständige Senatsunterausschuß gab den Inhalt eines geheimen Hearings bekannt, bei dem unter anderem führende Mitglieder des US-Geheimdienstes CIA gehört worden waren. In dem Protokoll des Hearings wird festgestellt, daß zwischen 1962 und 1969 bei Kämpfen in Laos mindestens 200 Amerikaner gefallen sind und mindestens ebenso viele vermißt werden oder in Gefangenschaft geraten sind. Das Weiße Haus hatte bisher die Zahl der in Laos Gefallenen mit 50 angegeben.

Weiter wurde bekannt, daß dem Botschafter der USA in Vientiane mehr als 1000 amerikanische Militärberater unterstellt sind und daß er maßgeblichen Einfluß auf die Einsätze und Ziele der US-Bomber hat, die in Laos Luftangriffe fliegen.