Rom, im April

Ist der Vatikan dabei, seine Haltung zur Oder-Neiße-Grenze zu revidieren? Den Anlaß zu dieser Frage lieferte eine Meldung der französischen Nachrichtenagentur Agence France Presse, die in vatikanischen Angelegenheiten als gut unterrichtet gilt. Danach wird Monsignore Sergio Pignedoli, der Sekretär der Kongregation de Propaganda Fide, des Ministeriums für die gesamte katholische Missionsarbeit, und seit vielen Jahren einer der engsten Vertrauten des Papstes, zu der außerordentlichen polnischen Bischofskonferenz nach Breslau fahren. Sie wird am 3. Mai, anläßlich des 25. Jahrestages der polnischen Besetzung Schlesien; und der anderen deutschen Gebiete östlich der Oder, beginnen. Diese Meldung wurde jedoch vom Sprecher des Vatikans dementiert: Pignedoli werde dieser Tage in Breslau lediglich ein Gespräch mit der polnischen Bischofskommission für die Missionsarbeit führen.

In Rom hätzte man es als eine schwere Kompromittierung des vatikanischen Rechtsstandpunktes angesehen, wenn ein hoher Prälat der Kurie und dazu noch ein Intimus Pauls VI. an der Eröffnungsfeier der polnischen Bischofskonferenz teilgenommen hätte. Denn dort würden, so heißt es, die Reden der polnischen Bischöfe unvermeidlich starke nationale Töne enthalten; sie werden von einem urpolnischen Land sprechen, das von österreichischen Kaisern und später von Preußen annektiert worden sei. Demgegenüber hält der Vatikan nach wie vor daran fest, daß die Gebiete jenseits der Demarkationslinie bis zu einem Friedensvertrag als deutsche Diözesen gelten. Die polnischen Bischöfe sind daher auch nur als apostolische Administratoren eingesetzt. A.d.F.