Von Karl-Heinz Sömisch

Die Autobahn Nürnberg–Bayreuth führt durch die Hersbrucker Schweiz und am Ostrand der Fränkischen Schweiz entlang. Dennoch bietet diese Strecke nur wenig Ausblicke auf die Schönheit der Fränkischen Alb, zu der diese Gebiete gehören. Man muß sich also ab Nürnberg links oder rechts der Autobahn halten, um diese durch echte Romantik bestimmte Landschaft im Herzen des Frankenlandes kennenzulernen.

Wem es nur darauf ankommt, die Autobahn zu meiden und auf der Fahrt über Bayreuth nach Hof so bedeutende Städte wie Erlangen und Bamberg zu besuchen, kann seinen Weg über die Bundesstraße 4 und später über die B 22 nehmen. Er bekommt dann hinter Bamberg einen kleinen Eindruck vom nördlichen Teil der Fränkischen Schweiz. Aber wir meinen: Das ist zuwenig. Man sollte schon ein bißchen tiefer in das Land der Burgen, Höhlen und Mühlen eindringen.

Das kann man am besten von der ehemals fürstbischöflichen Residenz Forchheim aus. Die malerische alte Stadt, an der Mündung der Wiesent in die Regnitz gelegen, gilt als westliches Eingangstor zur Fränkischen Schweiz. Machen Sie einen kurzen Bummel durch die Stadt, die im Mittelalter Sitz mehrerer Reichstage war: zum Marktplatz mit dem gotischen Rathaus und den schönen Fachwerkhäusern, zur nahegelegenen Pfarrkirche St. Martin und zur Kaiserpfalz.

Nun fahren Sie auf der B 470 an der Wiesent entlang mitten hinein in die Fränkische Schweiz. Kurz vor Ebermannstadt kann man dem kleinen Pfarrdorf Pretzfeld (hübsches Schloß!), wo das romantische Trubachtal mündet, einen Besuch abstatten. Wen es schon hier reizt, in der Stille und Abgeschiedenheit der Täler und Wälder ein wenig auszuspannen, der soll hinauf nach Egloffstein, Wolfsberg oder Obertrubach fahren. Dort findet er herrliche verschwiegene Plätzchen zum Rasten. Wir fahren weiter nach Ebermannstadt. Wer Freude auch an kleinen Dingen der Romantik hat, wird sich an dem Wasserschöpfrad aus dem Jahre 1606 erfreuen, das an der kleinen Wiesentbrücke noch in Betrieb ist. Dann kommen wir nach Streitberg, nur ein kleiner Ort, aber bekannt durch die Ruine der Streitburg, die nahe Ruine Neideck und die Binghöhle. Auf der Streitburg, die schon 1109 urkundlich erwähnt wurde, saßen einst die Ritter von Streitberg, und die Burg Neideck war damals eine der größten Burganlagen Deutschlands.

Diese Landschaft ist nicht erst durch die moderne Fremdenverkehrswerbung für den Tourismus erschlossen worden. Schon der Dichter Victor von Scheffel hat durch seine Verse einiges dazu beigetragen. Die Binghöhle, auch Streitberger Höhle genannt, nimmt für sich die Bezeichnung „größte Tropfstein-Galeriehöhle Deutschlands“ in Anspruch. Ein Besuch der 400 Meter langen Höhlengänge und der an Formen reichen Grotten ist nicht nur für Freunde der Romantik ein besonderes Erlebnis.

Hier in Streitberg sollten Sie sich auch eines nicht entgehen lassen. Kehren Sie ein im historischen Gasthof „Schütz-Schwarzer Adler“. Das Haus stammt aus dem Jahre 1682 und zählt durch seine erstklassigen Speisen und Getränke zu den bekanntesten Gasthöfen im Frankenland; Forellen sind seine Spezialität. Auf die im Hause gebrannten vorzüglichen Schnäpse, die man in der Höhlenklause probieren kann, sollten Sie sich nur einlassen, wenn es Ihnen nichts ausmacht, dann über Nacht zu bleiben; das Haus liegt so ruhig, daß man herrlich schlafen kann.