Mit großer Mühe haben die EWG-Länder ein Problem aus der Welt geschafft, das wenige Wochen nach dem Haager Gipfeltreffen zu einer neuen Krise der Gemeinschaft hätte führen können. Nach langem Pokerspiel ist die Europäische Weinmarktordnung unter Dach und Fach.

Daß sich die Bundesrepublik, Frankreich und Italien für ihre Winzer um Kontingente und Qualitätsbestimmungen rauften, war verständlich. Unverständlich und gefährlich aber blieb, daß sie lange nicht aus dem Gehege ihrer nationalen Interessen herausfinden wollten und ihre Meinungsverschiedenheiten zudem politisch hochspielten. Die Bundesrepublik brachte sich in eine schlechte Position, indem sie nach der ursprünglich schon erzielten Einigung neue Bedenken anmeldete. Frankreich und Italien steigerten ihre Einsätze in der Partie schließlich so sehr, daß das erweiterte Budgetrecht der Brüsseler Kommission und des Straßburger Europaparlaments, am Ende sogar der baldige Beginn der Beitrittsverhandlungen mit England und den anderen EWG-Kandidaten in Gefahr geraten wären.

In vino veritas? Für die Europäischen Regierungen schien dieses Wort nicht zu gelten. Wenngleich in letzter Minute noch ein Kompromiß zustande gekommen ist, so hat das Gerangel um Verschnitt, Säure- oder Zuckerzusätze zu Weinen gezeigt, welchen Anfechtungen der vielberufene Geist des Haager Gipfeltreffens ausgesetzt bleiben wird. C.-C. K.