Die Menschen haben es jetzt in der Beherrschung der Naturkräfte so weit gebracht, daß sie es mit deren Hilfe leicht haben, einander bis auf den letzten Mann auszurotten. Sie wissen das, daher ein gut Stück ihrer gegenwärtigen Unruhe, ihres Unglücks, ihrer Angststimmung. Und nun ist zu erwarten, daß die andere der beiden „himmlischen Mächte“, der ewige Eros, eine Anstrengung machen wird, um sich im Kampf mit seinem ebenso unsterblichen Gegner zu behaupten. Aber wer kann den Erfolg und Ausgang voraussehen?

Sigmund Freud

Gemeinsam

Trotz der zahlreichen gescheiterten Versuche, trotz der deutlich sich offenbarenden gegenteiligen Publikumsinteressen, trotz Geldmangels und kirchturmpolitischer Koordinationsschwierigkeiten: Fünf Städte wollen es wagen, gemeinsam ihren Bürgern die progressive Kunst konzentriert vorzustellen. „Urbs 71“ ist der Arbeitstitel eines Festivals, das im Juni 1971 zum erstenmal in Wuppertal stattfinden soll. Beteiligt sind außer Wuppertal die Städte Bochum, Köln, Krefeld und Oberhausen. Geplant sind an zwei verlängerten Wochenenden Veranstaltungen quer durch alle Künste: Musik, Chanson, Folklore, Multi-media-Veranstaltungen, bildende Kunst, literarische Gespräche, Theater, Kabarett, Film. Sinn der im Turnus von drei Jahren geplanten Festspiele, an denen sich später auch andere Städte beteiligen können, ist es, „den Stand der Künste im genannten Städteverbund an Rhein und Ruhr in einer zusammenfassenden Anstrengung der Bevölkerung nahezubringen“. Was doch zur Zeit wohl noch bedeutet, daß man eine ganze Menge von weither importieren muß.

Gorey, Sendak und Loriot

Als besonders preisenswert im Werk des soeben mit der Hans-Christian-Andersen-Medaille für das Kinderbuch ausgezeichneten Amerikaners Maurice Sendak erwähnten wir an dieser Stelle (ZEIT Nr. 14/70) sein Buch „Er war da und saß im Garten“ – das allerdings von Edward Gorey, dem nicht minder preiswürdigen amerikanischen Zeichner und Erzähler absurder Geschichten stammt. Die einerseits unverzeihliche Vermengung von Gorey und Sendak scheint andererseits so verständlich (die skurrile Phantastik des einen steht der skurrilen Poesie des anderen in nichts nach), daß es wiederum eines Kollegen der beiden bedurfte, um uns darauf aufmerksam zu machen: wir danken Loriot – Victor von Bülow – für seinen Hinweis.

Ohne Econ