Politik

+ Weitere Artikel anzeigen

DIE ZEIT

Besserwisser

Am vergangenen Freitag stand in der Berliner Morgenpost folgendes zu lesen: "Der Bonner US-Botschafter Rush hat, wie gestern bekannt wurde, vor amerikanischen Journalisten erklärt, nach dem Treffen von Bundeskanzler Brandt mit Präsident Nixon habe sich das deutsch-amerikanische Verhältnis spürbar abgekühlt.

Kleiner Test

Für einen Abend schenkten die Bonner dem nördlichsten Bundesland ihre volle Aufmerksamkeit. Sie musterten die Kieler Wahlkurven und zeigten sich zufrieden: Die schleswig-holsteinischen Kommunalwahlen brachten den Sozialdemokraten, die in Kiel die Oppositionsbänke drücken, gegenüber der Vergleichswahl von 1966 (39,8 Prozent) einen Zuwachs auf 43,5 Prozent; die Christlichen Demokraten bauten ihre Position von 45,1 auf 45,9 Prozent aus; die Freien Demokraten büßten zwar gegenüber 1966 (9,8 Prozent) ein, doch im Vergleich zur Bundestagswahl, bei der sie 5,2 Prozent der Stimmen erreichten, stiegen sie auf 5,7 Prozent an.

Maos Stern am Himmel

Der Mao-Trabant mit seiner in den Äther ausgestrahlten Melodie vom "roten Osten" kam zwar für die Lenin-Gedenkfeiern um einige Tage zu spät, aber noch rechtzeitig zu der im amerikanischen Kongreß bevorstehenden Debatte über eine Erweiterung des Abfang-Raketensystems "Safeguard".

Generals-Schub

Wenn 22 Generäle und Admiräle auf einen Streich in den Ruhestand versetzt werden, wie dies zum Herbst geschehen soll, dann muß mehr als nur ein Motiv im Spiele sein.

Der Wahlkampf ist ausgebrochen

In Bonn ist wieder einmal der Wahlkampf ausgebrochen. Eröffnet wurde er von der Union, die offenbar in den bevorstehenden Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und an der Saar eine Chance sieht, die Koalition zu zerbrechen.

ZEITSPIEGEL

Thor Heyerdahl, norwegischer Forscher und Ethnologe, gibt nicht auf. Nach einem Abendessen beim marokkanischen Pascha von Safi will er mit seinem neuen Papyrusboot "RA II" erneut von Nordafrika aus nach Mittelamerika segeln.

"Diese Halle ist die Hölle"

Es war ein Spiel wie jedes andere. Dabei war es das erste Mal, daß in der Bundesrepublik zwei deutsche Mannschaften aus zwei deutschen Staaten in einem Finale gegeneinander antraten.

Stimmungswechsel in Warschau

Eine Hürde, vielleicht die schwierigste, aber gewiß nicht die letzte sei überwunden worden – so war von den Gesprächsteilnehmern beider Seiten fast einstimmig zu hören, als am dritten Tage die dritte Runde in den Sondierungsgesprächen zwischen Polen und der Bundesrepublik zu Ende gegangen war und Staatssekretär Duckwitz, ermüdet und erleichtert zugleich, das polnische Außenministerium verließ.

Aufwind für Europa

Am Dienstag dieser Woche jährte sich der Tag, an dem Charles de Gaulle, Frankreichs ungekrönter Monarch, den Elysee-Palast verlassen hat.

Lenin machte es möglich

Die Sensation hieß Willy und ließ lange auf sich warten. Seine Exzellenz Semjon Konstantinowitsch Zarapkin trat inzwischen von einem Fuß auf den anderen und mißtraute allmählich der ihm zugeflüsterten Information: der geladene Bonner Regierungschef werde ganz sicher kurz nach neunzehn Uhr die Dorfstraßen zwischen Palais Schaumburg und der Sowjetbotschaft am Rheinufer von Rolandseck passiert haben.

Bürgerkrieg oder Invasion?

Das Weiße Haus hat die Parole ausgegeben, Kambodscha sei das Opfer einer ausländischen Invasion geworden. Es hat auch gleich eine verbindliche Zahl über die Stärke der gleich soren präsentiert: 40 000 Soldaten aus Nordvietnamoder reguläre Vietcong sollen in das friedliche Land eingefallen sein.

Rätselraten um Luigi Longo

Ausgerechnet an seinem 70. Geburtstag kam es heraus: Luigi Longo, Führer der größten kommunistischen Partei außerhalb des Ostblocks (acht Millionen Mitglieder), hat während der Zeit Stalins versucht, seinen Vorgänger, den international angesehenen Altkommunisten Palmiro Togliatti, auszubooten.

Ende der Extremisten

Der Ausgang der Wahlen zum südafrikanischen Parlament, dem Kapstädter "Volksraad", entbehrt nicht der Überraschungen. Zwar war vorauszusehen, daß die große Mehrheit der allein wahlberechtigten weißen Bevölkerung ernennt die regierende Nation Party in ihrem strikten Apartheidskurs unterstützen würde, doch die totale Niederlage der rechtsextremistischen Herstigte Nasionale Party und der Stimmenzuwachs der oppositionellen United Party deuten auf einen leichten Ruck nach links hin.

Mit einem Bein in Afrika

In der ersten Fragestunde, die das französische Parlament in seiner Geschichte erlebte, stand auf der Wunschliste der Abgeordneten auch eine Frage nach der militärischen Intervention Frankreichs im Tschad (Westafrika).

Die Schüsse von Kassel: Der Partei ergeben

Als der rechtsradikale Wahlkämpfer Adolf von Thadden am 16. September vergangenen Jahres nach Kassel kam, erwarteten ihn Hunderte von Demonstranten, flogen Farbbeutel und Knallkörper.

Keine Grünkreuzler: Trinkfeste Polizisten

Schuld daran ist der Münchner Merkur. Er bereitete dem sittenlosen Treiben der bösen Sieben ein Ende, indem er in mehreren moralinsauren Artikeln die "Hobbys" der fröhlichen Polizisten anprangerte: "Bei der Münchner Polizei erfüllen viele Männer korrekt und gewissenhaft ihre Aufgaben.

Die Lederpeitsche aus La Paz

Auch Rosemary, die New Yorker Summer-Queen 1970, brachte, als sie an einem Wintertag in Tempelhof das Flugzeug verließ, keinen Temperaturanstieg, sondern ein Zinngefäß: Von Lindsay für Schütz.

Gestrandetes Narrenschiff

Zum Dürer-Jahr 1971 stellt die Stadt Nürnberg den langhaarigen Meister der Vier Apostel in aufwendigen Anzeigen als "Hippie" vor.

Adolf Metzner 60

Der Mann, der den Sportteil der ZEIT betreut, befindet sich aus gutem Grund in kurzem Urlaub. Er ist sechzig geworden und hat einen Haken um den üblichen Glückwunsch-Tumult geschlagen; und das gibt uns die Chance, seine Seite für etwas zu nutzen, was er selbst als Mißbrauch empfinden mag: über ihn, den Dr.

Keine Schonzeit für den Präsidenten

Es hatte Fisch gegeben, und Mief hing über den Häuptern der Delegierten. Doch ähnlich, wie einem das Aroma des Knoblauchs im Atem des Mitmenschen entgehen kann, wenn man nur selbst davon gekostet hat, erwies sich die Mehrzahl der Abgeordneten als immun gegen tatsächlichen und symbolischen Hautgout.

Den Pokal gewann der "VfL Schmidt"

Der bislang stolzeste Tag in der noch jungen Geschichte des VfL Gummersbach ist der 28. April 1967 gewesen. Damals holte sich dieses Team exzellenter Handballspieler mit einem 17:13-Endspielsieg über Dukla Prag (als vierte deutsche Mannschaft nach Frischauf Göppingen, 1960 und 1962, und dem DDR-Meister DHfK Leipzig, 1966) den Europapokal.

Rudertag

Der Dank eines jungen Vereinsvorsitzenden in solch prätentiöser Form an den Präsidenten des Deutschen Ruder-Verbandes, den 36jährigen Dr.

Meister im Basketball

Glück war im Spiel, als am vergangenen Wochenende in Dillingen der TuS 04 Leverkusen gegen den MTV 48 Gießen mit 76:73 Deutscher Meister im Basketball wurde.

Heilige Untertanenpflicht

In der Diskussion über das Verhältnis von katholischer Kirche und Nationalsozialismus in Deutschland wurde immer wieder behauptet, eine Darstellung des Problems sei erst dann möglich, wenn alle Akten benutzt werden könnten.

Der Titel bringt nichts ein

Franz Heinrich Ulrich, der Sprecher der Deutschen Bank, gab bekannt: "Um die Ausbildung noch stärker und auch zentraler zu fördern als bisher, haben wir uns aus Anlaß unseres hundertjährigen Jubiläums entschlossen, etwas Neues zu tun.

Der Bildungsrat legt seinen Strukturplan vor: Fünfzig-Milliarden-Reform

Opas Schulreform ist tot. Man wirft keine Steine auf die Gräber jener zahllosen Vorschläge und Gutachten, die in den fünfziger Jahren entstanden sind, wenn man feststellt, daß sie sich zu dem Strukturplan für das Bildungswesen, den der Bildungsrat jetzt vorgelegt hat, verhalten wie Handwerkerstuben zu durchrationalisierten Großbetrieben.

,,Der gute Mensch von Sezuan" an der Ostberliner Volksbühne: Bertolt Brechts dritte Welt

In vielen Stücken Brechts geht es weniger, wie gern angenommen wird, um die Fragen von Gut und Böse (wobei gut arm und schlecht reich wäre), sondern darum, welche Verhältnisse in einer Welt herrschen, in der man für eine warme Mahlzeit die Anstrengungen und Gemeinheiten aufbringen muß, mit denen man normalerweise Reiche erobern, Weltbilder außer Kraft setzen könnte.

Kontroversen um das Berliner Wissenschaftszentrum: Schwipp-Universität

Als hätte es eine geschickte Regie darauf angelegt, ist das Projekt eines Wissenschaftszentrums in Berlin innerhalb von knapp vier Wochen zum Mittelpunkt einer Kontroverse geworden, bei der nicht einmal die Tomaten aus der Requisitenkammer der studentischen Linken fehlten.

Zum Tode von John Knittel: Indikator früherer Sehnsüchte

Wenn es richtig ist, daß sich auf dem Umweg über die geheimen Wunschträume und sentimentalen Vorstellungen mehr vom Geist einer Zeit offenbart, als die Verächter der Bestseller-Literatur wahrhaben wollen, dann ist John Knittels "Via Mala", jene dräuende, von Blut und Familienhaß durchdampfte Bergtragödie, sicher einer der besten Indikatoren für das, wonach sich die Leser vor zwanzig, dreißig Jahren sehnten.

Fernsehen: Sehr, sehr langweilig

Daß er Bäume und die Dialektik und die Ruderer schätzte, muß man wissen, und daß er gern im Horaz las, und, als er älter wurde, das Wort Freundlichkeit zu lieben begann.

Autoritär

Es ist mißlich, einen Witz zu erklären. Der Witz unter den Zeichnungen auf Seite 26 scheint uns dennoch erklärungsbedürftig.

Harald Szeemann

HARALD SZEEMANN, den der Aufsichtsrat der documenta GmbH zum Generalsekretär der documenta V berufen hat, wurde 1933 in Bern geboren, studierte an den Universitäten Bern und Paris Kunstgeschichte, Archäologie und Zeitungswissenschaften und promovierte mit einer Arbeit über "Die Anfänge der modernen Buchillustration".

Ein Schauspieler, eine Rolle (VII): Valerios Anarchie

Wenn der Prinz in Büchners "Leonce und Lena" sich seinem Weltschmerz hingibt, sitzt der Valerio auf dem Tisch, gießt Wein ein, daß die Gläser überlaufen, leckt sich das Maul, beißt in ein Hühnerbein, säuft mit Inbrunst, läßt sich aus der Flasche Kühlung über den Kopf gluckern – und als sein Stichwort kommt, sagt er breit und freundlich: "Ergo bibamus.

Schmutz der sauberen Leute

Die Putzfrauen können den Rest erledigen und aus der Welt schaffen, was vom Kunstvorgang der Aktion übriggeblieben sein sollte.

Für fünf Jahre auf Dauer geliehen

Freude herrschte in Darmstadts Kunsthallen. Laut sang man das Lied vom braven Sammler, und er selber, der Sammler und Mäzen, der im März seinen 80.

Kunstkalender

Konrad Fischer ist der findigste Galerist in Düsseldorf. Innerhalb kürzester Frist hat er es – vorbei an all den "alten Hasen" – bis zur Spitzenposition gebracht und zu einem guten Ruf als Progressiver bis tief hinein in die USA.

FILMTIPS

Im Fernsehen: "Partner" (1968), von Bernardo Bertolucci, erreicht uns exakt zwei Jahre nach den Ereignissen, aus denen er entsprungen ist.

Reform in der Pubertätskrise

Mit den Geburtswehen von Universitäten ist die Öffentlichkeit in Deutschland zur Genüge vertraut. Das Spektrum der Erscheinungen reicht von der Sturzgeburt (Bochum) bis zur Scheinschwangerschaft (Bremen).

+ Weitere Artikel anzeigen