Auch der Magen des „Verwalters einer wissenschaftlichen Assistentenstelle“ an der Technischen Universität Hannover knurrt um zwölf Uhr mittags. Der Assistent durcheilt hastig lange Korridore und reiht sich in eine Schlange ein. Nach geraumer Zeit ist er am Schalter, reicht eine Mark durch das Fenster und bekommt dafür eine Essenmarke. Nach Abriß des perforierten Abschnittes der Essenmarke und nach abermaligem Anstehen in der Mensa kann er die Marke gegen ein Essen eintauschen Gestärkt von dem Mahl eilt er mit dem Abriß in sein Zimmer, öffnet die linke Schublade seines Schreibtisches. Einem seiner Bürokratie-Ordner entnimmt er einen „Antrag auf Gewährung eines Zuschusses für Mittagsverpflegung“. Danach öffnet er die rechte Schublade, holt aus ihr eine eigens für diesen Zweck aus Hochschulmitteln beschaffte Tube Alleskleber und klebt den Abriß in ein vorgeschriebenes Feld.

Am Monatsende mahnt ihn seine Sekretärin. Sie bittet ihn um den ausgefüllten Antrag, den sie auf dem Dienstwege an die Verwaltung der Technischen Universität sendet. Ein Verwaltungsangestellter quittiert mit „sachlich richtig und festgestellt“, und ein Oberinspektor spricht schließlich die Bewilligung des Essenszuschusses (sechzig Pfennig pro Essen) aus. Jetzt läuft der bearbeitete und genehmigte Antrag den Dienstweg zurück zum Verwalter der Aussenstelle. Der eilt tags darauf wieder durch die langen Korridore und ersteht am Schalter erneut ein Billet mit Abriß.

Sein dienstälterer Kollege jedoch entschied nach einem kurzen, aber heftigen Gewissenskonflikt, dem Staat Geld zu sparen. Er erstand am Schalter für Studenten eine Essenkarte für eine Mark zwanzig. Er bekommt dafür zwar eine materiell gleichwertige, aber aus einem anderen Staatstopf bezuschußte Mittagsverpflegung.

Werner Heise, Dirk Windelberg,

TU Hannover