Als „zu streng“ hat der Präsident des vatikanischen Sekretariats für die christliche Einheit, Jan Kardinal Willebrands, die Kritik der deutschen Presse an dem päpstlichen Dekret für konfessionelle Mischehen bezeichnet. Willebrands selbst interpretierte in einer Pressekonferenz im Vatikan das neue Mischehengesetz als einen positiven Schritt in Richtung einer Verständigung zwischen den christlichen Kirchen.

In dem von Papst Paul VI. bekanntgegebenen Dekret wird die Gesetzgebung der römisch-katholischen Kirche für Eheschließungen von Katholiken mit Nichtkatholiken teilweise gelockert, gleichzeitig wird aber die grundsätzliche Gegnerschaft der Kirche gegen solche Mischehen und der Anspruch auf Erziehung der Kinder aus konfessionellen Mischehen im katholischen Glauben bekräftigt. In einem motu propio (Erlaß aus eigenem Antrieb) gibt der Papst den örtlichen Bischöfen größere Vollmachten bei der Genehmigung von Mischehen zwischen Katholiken und Nichtkatholiken und stellt ihnen unter anderem anheim, bei „ernsten Schwierigkeiten“ einem katholischen Gläubigen die Dispens zu einer Trauung mit einem Nichtkatholiken in Abwesenheit eines katholischen Priesters zu erteilen. Die bisher dem nichtkatholischen Partner einer Mischehe auferlegte Verpflichtung, der katholischen Kindererziehung keine Hindernisse in den Weg zu legen, entfällt. Dafür soll dem katholischen Ehepartner das Versprechen abverlangt werden, „alles in seiner Kraft Stehende“ zu tun, damit die Kinder aus der Ehe im katholischen Glauben aufwachsen.