Konkurrenz ist da

Anatomie eines Senders

Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

Kleinbauern und Händler haben in Südfrankreich die Straßen versperrt“, sagt Jean Gorini, Leiter des Nachrichtendienstes von „Europa 1“, gerade ins Mikrophon. Da fällt ihm eine zarte, weibliche Stimme ins Wort: „Unsere Strumpfhosen sind die besten.“ Ein Bariton ergänzt: „Hahaha, Männer lieben diese saftige Frische.“

Jean Gorini sitzt mit mehreren seiner Redakteure am runden Tisch vor einem Mikrophon im Studio an der Rue François I in Paris. Er bringt im Plauderton die neuesten Nachrichten und läßt aktuelle Ereignisse vom jeweils fachkundigen Redakteur erläutern. Obgleich rotes Licht „Sendung“ anzeigt, ist die Atmosphäre im Studio gelockert. Die Redakteure kommen und gehen. Wer gesprochen hat, geht oder setzt sich flüsternd zu einem Kollegen ein paar Meter weit weg vom Mikrophon. Auch Zuschauer sind anwesend. Es werden Getränke herumgereicht.

Die Werbetöne mit der zarten und der harten Stimme kamen aus demselben Studio. Sie waren „life“ wie immer bei Europa 1 zwischen 19 und 20 Uhr. Nicht weit vom runden Tisch der Nachrichtenredakteure im Europa 1 (E 1)-Funkhaus steht ein zweiter Tisch mit zwei Stühlen und zwei Mikrophonen. Immer wenn zehn Minuten herum sind, schalten sich die beiden Werbesprecher ein und singen, summen, rasseln oder säuseln ihre Spots in die Sendung hinein.

Wenn Jean Gorini daran denkt, daß die zehn Minuten herum und die Spots fällig sind, macht er eine Pause und gibt ein Zeichen zum Werbetisch. Denkt er im Eifer der Sendung nicht daran, läßt der Werbesprecher ihn manchmal noch seinen Gedanken zu Ende führen. Wird er aber gar zu weitschweifig, so wird er hart unterbrochen – mit freundlichen Warenanpreisungen.