Von Rosemarie Hirsch

Vier von fünf ausländischen Touristen besuchen Norwegen im eigenen Wagen. Dieses (der Fläche nach) fünftgrößte Land Europas wird von Auto-Touristen bevorzugt – der Geographie zum Trotz. Norwegen ist verkehrsfeindlich; ein langgestrecktes Land mit tief eingeschnittenen Fjorden und Flußtälern und schroffen Gebirgen. Straßen lassen sich hier nicht mit dem Lineal planen. Reisepläne mit 400-Kilometer-Tagesetappen lassen sich hier nicht verwirklichen ...

800 Kilometer lang ist die Autotour durch More og Romsdal; das ist die Landschaft der nördlichsten der Westlandfjorde (der „Gipfel der Fjorde“): am bekanntesten ist der Geiranger Fjord. – Sieben Tage, eine volle Woche, sollte man sich für diese Route Zeit nehmen; Abstecher machen, wandern, angeln (Angelkarten auf den Postämtern), am frühen Nachmittag Quartier suchen (der Bezirk ist nicht hotelarm, aber auch, wieder nicht so reich an Unterkünften, daß es jederzeit und überall freie Zimmer gibt).

Ausgangspunkt der Tour ist Dombås im nördlichen Gudbrandstal, an der Europastraße 6.

Dombås-Oppdal: 81 km Moschusochsen linker Hand...

Die Europastraße 6 folgt hier im wesentlichen der alten Königsstraße von Oslo zur Domstadt Trondheim; sie verläuft oberhalb von Dombäs in rund tausend Meter Höhe kilometerweit fast eben, unter den Gipfeln des Dovre-Gebirges. Nicht weit von Hjerkinn, am höchsten Punkt der Straße (1026 m), erinnert eine im vorigen Sommer eingeweihte kleine Kirche an den König Eystein, der vor achthundert Jahren hier die erste Schutzhütte für Reisende bauen ließ. Ein ausgedehntes Pflanzen- und Vogelschutzgebiet ist hier eingerichtet worden; bisweilen wechseln wilde Rentiere über die Straße, und mit viel Glück bekommt man einen der vor Jahren hier ausgesetzten Moschusochsen zu sehen. Vom Westen leuchtet der schneebedeckte Gipfel von Norwegens zweithöchstem Berg, Snöhetta (2286 m), von dessen Höhen die Driva kommt, ein ungestümes Wasser mit reißenden Stromschnellen und tiefen Strudeltöpfen.

Oppdal liegt – ähnlich wie Dombås – in einer Mulde. In Oppdal kann man mit Pferden des Reitervereins ausreiten, auch an den vom Verein veranstalteten acht- bis zehntägigen Reittouren teilnehmen. Botaniker aus Europa und Amerika nehmen den ganzen Sommer über in der Stadt Quartier: an geschützten Stellen in der Umgebung haben einige Pflanzenarten die letzte Eiszeit überlebt; es gibt sie nur noch hier.