Geboren wurde die Idee im „PzArtBatl 335“ Luttmersen. Ihr höherer Zweck: die „Aktion Silberfisch“. Mittel zu diesem Zweck: das kaserneneigene Musical „Outside“.

Das „PzArtBatl 335“ ist das in Luttmersen stationierte . 335. Panzerartilleriebataillon. Die „Aktion Silberfisch“ soll alten Leuten zugute kommen. Aber das Musical „Outside“ hat es auf eine Kommune abgesehen.

Da die Wohltätigkeit die Mittel heiligt, mag man über die Art der Darbietung nicht so recht die Nase rümpfen. „Outside“ hatte in dieser Hinsicht den Charme eines zu allem entschlossenen Laienspiels: rotes Licht für schummrige Songs, fröhliches Tralala-Gehopse quer über die Bühne, sobald einer etwas „Flottes“ sang. Walter Möller, Leutnant der Reserve und Komponist, schrieb eine Musik, der sich die deutsche Schlagerindustrie nicht schämen würde – aber worüber schämt die sich auch schon.

Daß einer der Texter Reimer heißt (er ist Stabsarzt der Reserve), ist ein schöner Zufall.

Weniger zufällig will mir scheinen, daß die Panzerkanoniere, die am letzten Samstag in Hamburg gastierten und sich dabei in einem schütter besetzten Saal wenigstens über die Anwesenheit ihres wohlwollenden Verteidigungsministers freuen konnten, immer wieder betonten, sie hätten das alles ganz und gär „unpolitisch“ gemeint.

Wenn aber in einer Kommune, die nach dem abschreckenden Bilderbuchprinzip des Suppenkaspars gezeichnet ist, die Promiskuität wütet und der Haschkonsum, wenn Nichtstuer lange Haare haben, ihre Freundinnen mindestens lesbisch sind und Sappho heißen, wenn diese jungen Leute sich entschließen, das Publikum durch ein Kunstwerk zu verarschen, weil man heute nur mit so etwas Erfolg hat, wenn sie schließlich ihre ganze Protesthaltung nur dazu benutzen, um mittels Protestierkunst schnell mal eben reich zu werden – ist dergleichen wirklich unpolitisch?

Es ist wahr, die furchtbar auf Haut-den-Lukas-Züge reduzierten Pappkameraden, die uns den blauen Haschdunst einer Kommune vorzaubern wollen, bekommen ab und zu, durch der Panzergrenadiere unerforschlichen Ratschluß, auch Munition geliefert, mit der sie gegen Schein-Christentum und bürgerliches Entsetzen ballern, obwohl doch auf sie selber geschossen werden soll.

Wenn aber als Beispiel für die skrupellos „entartete“ Kunst vorgeführt wird, wie diese ruchlosen Kommunarden vor einer eingeäscherten Erde warnen – auf welcher Seite stehen dann die singenden, hopsenden, reimenden Panzergrenadiere? Mit dem Silberfischblick allein wird aus einer politischen Wirkung keine unpolitische Aktion. Hellmuth Karasek