Die nordrhein-westfälischen Studienräte, die seit Montag nach Vorschrift arbeiten und keine Überstunden mehr geben, hätten kaum wirksamer auf ihre Verdrossenheit aufmerksam machen können. Denn wenn es bei dem derzeitigen Lehrermangel überhaupt noch angeht, von einem „ordnungsgemäßen Unterrichtsbetrieb“ an den Gymnasien zu sprechen, dann hauptsächlich wegen des sogenannten „nebenamtlichen Unterrichts“, den die Studienräte zusätzlich zu ihrer Pflichtstundenzahl erteilen.

Daß ihre Kampfmaßnahme ins Schwarze trifft, weil sie den verzweifelten Bemühungen der Schulbehörden, die Unterrichtslücken in den Stundenplänen zu stopfen, die Kooperationsbasis entzieht, wird sich schnell erweisen: Für die Schüler wird noch mehr Unterricht ausfallen, lehrerlose Klassen, die bisher „mit durchgezogen“ wurden, können nun gleich zu Hause bleiben, und die Eltern werden sich noch ratloser als bisher schon fragen, ob eine derart amputierte Unterrichtsanstalt den Anspruch aufrecht erhalten kann, ihren Kindern höhere Bildung zu vermitteln.

Es wäre allerdings gefährlich für die Studienräte, wenn sie nur das Ausmaß der Katastrophe augenfällig demonstrierten, ohne der Öffentlichkeit gleichzeitig verständlich machen zu können, was sie wollen. Eben das aber scheint nicht die Stärke der Philologen zu sein. Es geht ihnen um Besoldungsfragen, aber keineswegs einfach um mehr Geld. Vielmehr verlangen sie, nachdem die Gehälter der Grund- und Hauptschullehrer in Nordrhein-Westfalen stark angehoben wurden, eine Zulage, die den alten Abstand zwischen ihnen und den Volksschullehrern wieder deutlich macht und sie als Beamte des Höheren Dienstes den Richtern und Staatsanwälten gleichstellt. Diese Argumentation lädt die Öffentlichkeit geradezu ein, ihre Forderungen als vorsorgliche Maßnahme gegen den präsumtiven Gesamtschullehrer zu werten und damit als reine Standespolitik.

Daß es den Studienräten um mehr Gerechtigkeit geht, um mehr Geld, weil sie eine längere und teurere Ausbildung als jeder andere Lehrertyp hatten, um ein angemessenes Gehalt auch deswegen, weil der Nachwuchs sonst auf den Gedanken kommen könnte, gleich Real- oder Hauptschullehrer zu werden, weil er damit bei geringerem Aufwand schneller das gleiche Geld bekommen würde wie ein Studienrat – das deutlich zu machen, ist den Philologen bisher nicht gelungen. Vielmehr scheinen sie in der Öffentlichkeit noch zu dem Eindruck beizutragen, daß sie um nichts anderes Eindruck als um den Titel eines „Bundesferienmeisters“.

Nina Grunenberg