Daß die europäische Agrarmarktordnung manche Ungereimtheit enthält, ist nicht eben neu. Daß man ihr jedoch immer wieder neue hinzufügt, muß wohl dann und wann angemerkt werden. Im Vorjahr klagte die EWG über hohe Weizenüberschüsse. Um sie abzubauen, verfiel Brüssel auf die Idee, den Weizenberg einfach zu verfüttern. Damit das klappte, gab es sogar eine Denaturierungsprämie von 75 Mark je Tonne. Allein in der Bundesrepublik wurde zehnmal mehr Weizen als im entsprechenden Vorjahr in die Viehtröge geleitet.

Der hochwertige Weizen ist mit Prämie schließlich billiger als das aus Amerika importierte Futtergetreide. Und in Brüssel argumentiert man, die Weizenverfütterung sei billiger als die Einlagerung der Überschüsse und der Futtermittelimport zusammengenommen. Für den Verbraucher ist das allerdings eine teure Angelegenheit. Denn die Aktion Weizen fürs Vieh führte zu einer Verknappung. und verhinderte damit auch, daß die von der Aufwertung zumindest erhoffte Mehlist.

Angesichts des langen Winters könnte es noch schlimmer werden. Die neue Ernte wird verspätet erwartet. Tatsächlich ist man hier und da bereits dazu übergegangen, Lagerweizen aus den ersten sechziger Jahren auszulagern. Freilich nicht zur Viehfütterung, sondern für die Mehlproduktion. Und der Lagerweizen ist ganz besonders gesund. Denn damit er sich hält, wurde er mit Insektenvertilgungsmitteln eingelagert. hff