München

Ein entthronter Heiliger entfacht in München Bilderstreit. Um Christophorus, auch ohne kanonische Würden Schutzpatron der Reisenden, gibt es Künstlerfehden. Anlaß dazu war ein Bildhauerwettbewerb, in dem ein Christophorus als Kraftfahrersymbol der siebziger Jahre kreiert werden sollte.

Mit drei Entwürfen beschäftigte sich der Wettbewerbsveranstalter, die Allgemeine Rechtsschutz-Versicherungs-AG (DAS). Die Gesellschaft hat ihren Sitz in München gegenüber dem Haus der Kunst. Als Platz für die Plastik bietet sich ein Steinsockel vor dem Haupteingang des Versicherungsgebäudes an, der seit fünfzehn Jahren leersteht.

Im Wettstreit siegte der 66jährige Münchner Bildhauer Alexander Fischer. Seine Idee eines trutzigen Riesen imponierte. Er entwarf den viereinhalb Meter hohen „Kerl“ in aufsteigender Haltung und stellte, den Wünschen der Auftraggeber gemäß, „nicht das Christliche in den Vordergrund“. „Ich wollte einen Mann im Dienste eines Gedankens schaffen“, interpretiert Fischer, „einen Lastenträger, der das Ufer mit letzter Kraft gewinnt.“

Als er Mitte Januar 1969 eine Christophorus-Papp-Attrappe an Ort und Stelle präsentierte, einigten sich die Versicherung und Fischer über kleine Korrekturen. Gleichzeitig erhielt er das Plazet zur Ausführung des 40 OOO-Mark-Objekts (Fischers Honorarforderung ohne die Kosten für den Bronzeguß). Dies bezeugt ein bekannter Kollege Fischers, Professor Georg Brenninger. Er war dabei: „In meiner Gegenwart bekam er den mündlichen Auftrag. Die Worte, ‚er möchte mit der Arbeit anfangen‘, sind unzweideutig.“

Schriftlich erhielt Fischer, gut zwei Monate später, von der Versicherung die Idee, „den ‚Ideenwettbewerb‘ noch einmal zu eröffnen“, um, wie es hieß, „eine optimale Lösung zu finden“. Es wurde versichert, daß er „nach wie vor an diesem Wettbewerb teilnehme“. Es ist wahrscheinlich, daß Fischers christophorales „Bollwerk“ der Rechtsschutzversicherung nicht mehr in die Landschaft paßte. Ein uriger Koloß, der Tor einer kühl-funktionellen Fassade das Fürchten lehrt? Prokurist Schuler: „Der Wettbewerb war ergebnislos verlaufen. Fischer hat nie einen Auftrag bekommen.“

Aber er bekam auch nicht Gelegenheit, sich am neu eröffneten „Ideenwettbewerb“ zu beteiligen. Nach einer Juninacht letzten Jahres fiel die Entscheidung: Damals projizierte Fischers „Konkurrent“, der heute 72jährige emeritierte Akademiepräsident Josef Henselmann, Spezialist für Kirchenkunst, mit Hilfe eines Epidiaskops einen Kraftfahrerpatron an die Mauern des Versicherungsgebäudes.