Der Bund der Steuerzahler schlägt Alarm, weil die Bundesregierung zum Gedenken an die Reichsgründung vor hundert Jahren anderthalb Millionen Mark ausgeben will. Dieses Geld, meinen die Steuerzahler, solle Bundesinnenminister Genscher, der den Fonds verwaltet, doch lieber dem Bildungsetat überweisen.

Wären die Mittel dazu bestimmt, schwarzweiß-rote Bismarck-Feiern und "Heim-ins-Reich"-Spruchbänder zu finanzieren, müßte man kräftig mit ins Horn blasen. Aber Bonn versichert, es wolle eben das tun, was auch die Steuerzahler wünschen: der Volksbildung aufhelfen.

Seit drei Jahren bereitet im Auftrage der Bundesregierung ein Professoren-Gremium eine Jubiläums-Ausstellung vor. Sie soll mit allen Mitteln moderner Darstellungstechnik demonstrieren, welche Wege oder Irrwege zur Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles geführt haben – also beileibe kein borussianisches Schlachtengemälde, sondern ein Deutschland-Panorama des 19. Jahrhunderts mit seinen Bruderkriegen, Rechtsbrüchen, Revolutionen, Zollvereinen und Dampfmaschinen, mit Bismarck und Bebel, mit Moltke und Marx. Ausgebreitet wird dieser Bilderbogen in den Hallen des Berliner Reichstagsgebäudes, eine Schau kleineren Formats in der Paulskirche.

Wer beklagt, daß unsere Jugend ohne Beziehung zur Vergangenheit aufwachse, wer bedauert, daß ganze Generationen unseres Volkes ihr Wissen aus deutschnationalen Geschichtsbüchern gesogen haben, dem sollte dieser notwendige Anschauungsunterricht schon eine Million wert sein – nebenbei bemerkt, nur ein winziger Bruchteil dessen, was ansonsten unter dem Deckmantel "politischer Bildung" an Steuergeldern in Parteikassen versickert. K.H.J.