Nach offizieller amerikanischer Lesart ist der Feldzug in Kambodscha zeitlich und räumlich begrenzt: Die US-Truppen dürfen nicht tiefer als 30 Kilometer in das Land vorstoßen und müssen, bis Ende Juni in ihre Stützpunkte zurückgekehrt sein. So hat es Präsident Nixon seinem Volk, dessen Mehrheit immer noch hinter ihm steht, versprochen. Praktisch aber haben die USA den Krieg auf ganz Kambodscha ausgeweitet und ihn in den Tagen um Pfingsten weiter eskaliert, denn

  • unterstützt durch die US-Luftwaffe sind südvietnamesische Marineeinheiten auf dem Mekong bis zur drittgrößten Stadt Kompong Cham vorgestoßen, wo sie nun gemeinsam mit kambodschanischen Regierungstruppen gegen ihre Gegner (Anhänger Sihanouks, Vietcongs, Nordvietnamesen) kämpfen;
  • unterstützt von 200 US-Militärberatern sind 10 000 südvietnamesische Soldaten in die Südprovinzen Kambodschas eingefallen und weit über 60 Kilometer vorgedrungen;
  • südvietnamesische und amerikanische Kriegsschiffe haben eine Seeblockade über die kambodschanische Küste verhängt
  • die US-Luftwaffe wird auch nach dem Abzug der US-Landtruppen "falls nötig", Einsätze über Kambodscha fliegen (ähnlich wie in Laos);
  • US-Militärberater dürfen südvietnamesische Einheiten auch bei Einfällen auf laotisches Gebiet begleiten, sofern es sich um "vorsorgliche Reaktionen" handelt;
  • südvietnamesische Söldner, die von den "Green Berets" ausgebildet und geführt werden und auch von den USA entlohnt werden, dürfen als Spähtrupps in Laos eingesetzt werden.

Die Südvietnamesen denken auch vorerst nicht an Abzug, sondern wollen "so lange als nötig" (Thieu) in Kambodscha operieren, zumindest noch einige Monate. Sie sind freilich auf den Nachschub der Amerikaner und auf deren Luftwaffe angewiesen.

Bis Pfingsten hatten die Alliierten in Kambodscha nach eigenen Angaben folgende Verluste: Amerikaner: 155 Gefallene, 632 Verwundete – Südvietname-

Die Streikführer an den amerikanischen Universitäten und Hochschulen haben zu einem "Sommer des Widerstands und der Befreiung" aufgerufen. Am Wochenende wurde immer noch an mehr als 250 Hochschulen gestreikt – aus Protest gegen Nixons Indochina-Politik und gegen das brutale Vorgehen der Nationalgarde und der Polizei.

Kaum vierzehn Tage nach der Tötung von vier Studenten an der Unisen: 564 Gefallene, 1937 Verwundete. Mehr als 14 000 Waffen, 163 Lkws und 1400 Tonnen Munition waren den Alliierten in die Hände gefallen – doch vermutet man, daß veit größere Mengen bisher überhaupt nicht gefunden wurden. Die Menschenverluste des Gegners werden von den Alliierten auf über 8000 Tote geschätzt, doch ist ungewiß, wieviel Zivilisten und Kambodschaner darunter waren.

Prinz Sihanouk, der in Peking eine Exilregierung aufgemacht hat, ließ indes verkünden, seine "Nationale Befreiungsarmee" habe mehrere Provinzstädte erobert und in allen Landesteilen "große Siege" errungen. Moskau hat seine Regierung zunächst nicht offiziell anerkannt, ihr jedoch Unterstützung angeboten.