"Società Cameristica Italiana" – Musik für Streichquartett von Dieter Schnebel, Christian Wolff, Franco Donatoni, Luciano Berta; Wergo 60 053, 25,– DM.

Die Spirale dreht sich immer enger: Die Spieltechnischen Anforderungen der Neuen Musik schrauben sich höher und höher, die strukturellen Zusammenhänge werden von Stück zu Stück undurchsichtiger, die Zahl der diesen Ansprüchen gerechten Interpreten sinkt.

Die sich so gerade eben über die Finanzrunden rettende Wergo GmbH macht immer wieder einmal einen Anlauf, dem Plattenkäufer den Zugang zur Neuen Musik zu erleichtern, indem sie ein breitgestreutes Programm eines dieser spezialisierten Interpreten vorstellt. Mit dem Vergleich der Stücke bietet sich so eine Möglichkeit an, die unterschiedlichen Techniken und Strukturen kennenzulernen, sich einzuhören in das Neue und vielleicht so sich einzugewöhnen.

Die Florentiner "Società Cameristica Italiana" hat sich in zehn Jahren gemeinsamer Praxis zu einem der führenden Streichquartette für Neue Musik entwickelt. Sie zeigt an fünf nicht einmal eine Minute langen Stücken von Schnebel, wie subtil punktuelle Musik klingen kann, wenn sie so präzise wie hier artikuliert wird; an ,,Sincronie" von Luciano Berio und "Zrcadlo" von Franco Donatoni, wie vielfarbig ein Quartett aus vier Streichern erscheinen kann; an "Summer" von Christian Wolff aber auch, daß selbst die schönsten Theorien nicht unbedingt ein gutes Stück ergeben, nicht einmal, wenn Musiker sie umzusetzen haben, die über soviel Spontaneität verfügen wie die "Società": Improvisation in gegebenen Grenzen ("Spiele X, wenn du Y hörst, oder spiele bis zum nächsten Ton, der einsetzt") führt leicht zur Reproduktion vorhandener und erinnerter Muster, und die sind im Falle Wolff doch zu spärlich, als daß sie über ein punktuelles Zupf-und-Schabe-Konglomerat hinausleiteten.

Eine Platte für jene, die viel Geduld beim Zuhören aufbringen, um dann allerdings eine gebührende Menge über neues Streichquartettspiel zu erfahren. Heinz Josef Herbort