Aus einer Rede von Horst Sindermann, einem Mitglied des Politbüros der SED, auf dem 10. Arbeiterjugendkongreß in Erfurt:

"Die Arbeiterjugend aus Westdeutschland und Westberlin, die die Zukunft verkörpert, ist uns in Erfurt tausendmal lieber als ein Bonner Politiker, der die Vergangenheit und die Gegenwart des deutschen Imperialismus verteidigt...

Wir schaffen in der Deutschen – Demokratischen Republik soviel Sozialismus wie möglich, damit die Reaktion nie wieder eine Chance hat...

Für uns ist der Sozialismus keine Floskel, mit der man Menschen zu täuschen versucht...

Vor allen Dingen sollten diese Position jene kennen, die in einer dummen Deutschtümelei versuchen, Klassengrenzen, zu verwischen und Klassengegensätze zu überspielen. Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat, der nicht durch nationalistische Phrasen und nicht durch bürgerlichen Nationalismus hinweggeredet werden kann...

Bekanntlich haben wir alle Anstrengungen unternommen, damit sich die Beziehungen dieser beiden Staaten, der sozialistischen Deutschen Demokratischen Republik und der monopolkapitalistischen Bundesrepublik, im Sinne der Beziehungen der friedlichen Koexistenz regeln. Viele Menschen – sowohl in der Bundesrepublik als auch bei uns – haben Hoffnungen gehabt, daß mit der neuen Regierung unter Kanzler Brandt eine größere Vernunft in die Politik einzieht und die Realitäten als Realitäten eingeschätzt werden ...

Herr Brandt brachte die diplomatische Redewendung zustande, daß Westdeutschland ja keine Weltmacht sei, die den USA Vorschriften machen könne in der Politik. Man braucht keine Weltmacht zu sein, um auf seiten des Fortschritts und der Gerechtigkeit in der Welt zu stehen... Wenn es um den internationalen Kampf um die Gerechtigkeit und gegen den schmutzigen Krieg geht, dann fängt er an zu säuseln, als könnte er überhaupt nicht den Mund aufmachen...