Die Snobs haben den underground entdeckt. Verzückt starren sie in Kneipen, in denen Deutschlands Linke sich trifft, naschen am Hasch, stürzen sich auf Altbier und die Schmalzstulle für dreißig Pfennig. Bietet ihnen die Musikbox außerdem noch "Der Osten ist rot", so klatschen sie verzückt in die Hände und glauben sich ganz "in". Dürfen sie dann ein paar Brocken zum Thema Revolution in die Diskussion einwerfen, fühlen sie sich schon als die großen Weltveränderer. Kritiklos feiern sie die Aktionen der Neo-Anarchisten – ein Bömbchen für den Staatsanwalt, einen Pflasterstein ins Amerika-Haus, einen Zündsatz in die Spielwarenabteilung des Kaufhauses.

Vielleicht vergeht ihnen nach der Berliner Baader-Meinhof-Befreiungsaktion die Lust am Beifall und an der Heroisierung. Auch als der Schaden noch minimal war und kein Schwerverletzter auf der Strecke blieb, war jener Bereich längst verlassen, in dem politischer Idealismus die trotzige Aktion entschuldigen mochte. Jetzt aber, da in Berlin mit Gaspistolen und schalldämpfender Beretta der Weg zur Revolution freigeschossen wurde, sollte auch dem letzten Salon-Anarchisten aufgegangen sein, daß die "Propagandisten der Tat" sich als Kriminelle entlarvt haben. Ihr Weg muß zwangsläufig hinter Gittern enden. v. K.