Hamburg

Aufwind versprachen Hamburgs Christdemokraten seit nunmehr zwei Jahren ihrem hanseatischen Parteivolk – seit den letzten Bürgerschaftswahlen vom 22. März geriet die CDU-Crew jedoch in eine heftige Turbulenz.

Zuerst drängte der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Jürgen Echternach, den bisherigen blassen Fraktionsvorsitzenden Witten von seinem Sessel, danach räumte der CDU-Bildungsexperte und Echternach-Gegner Horst Schröder seinen Platz als Fraktionsgeschäftsführer im Hamburger Rathaus. Das Parteikarussell derart in Bewegung, sah zuletzt auch der konservative Flügel um den ehemaligen Landesvorsitzenden Erik Blumenfeld wieder Land in Sicht: Zum Landesparteitag präsentierten die "Oldtimer von der Elbchaussee ihren eigenen Kandidaten für den Posten des Landesvorsitzenden, den farblosen, in der Hansestadt kaum bekannten Schulmeister und Bundestagsabgeordneten Carl Damm.

Zwar rechnete Damm – "meine Chancen sind nicht schlecht" – mit einem Erfolg über den bisherigen Unionschef Dietrich ("Didi") Rollmann doch die Lagebeurteilung des CDU-Wehrexperten war falsch.

"Didi" Rollmann beschwor vor den Unions-Delegierten den "langen Marsch nach vom", nannte sich einen Realisten und bekannte: "Ich glaube an das Wunder, daß eines Tages in dieser Stadt die Zukunft einer großen christlich-demokratischen Union gehören wird."

Die Rechnung des wundergläubigen Rollmann ging auf. Damms Start zum christdemokratischen Höhenflug endete mit einer Bruchlandung: Die Junge Union und die Sozialausschüsse votierten als stärkste CDU-Gruppierungen mit 136 zu 66 Stimmen erneut für den geschickten Taktiker Rollmann, den seine christ-konservativen Intimfeinde als "links" verteufeln oder als "ziellosen Gschaftlhuber" abtun. Jetzt überdenkt "Didi" die künftige Parteilinie zu Hause, wo ihm Kiesinger aus einem Silberrahmen aufmunternd entgegenlächelt. S. B.