Politik

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DIE ZEIT

Dumpfe Pauke

Pfingsten war in den zurückliegenden Jahren stets auch das Fest der Vertriebenen: An diesem Feiertags-Wochenende schlugen sie kräftig auf die Pauke.

Ein verplanter Staat?

Auf den ersten Blick war der SPD-Parteitag in Saarbrücken alles andere als ein großes politisches Ereignis. Regen und schlechte Organisation drückten auf die Stimmung, ein Mammutprogramm degradierte den Parteitag zur Abstimmungsmaschine, am hitzigsten und am giftigsten wurde über die Geschäftsordnung gestritten.

Gipfel Nr. 2

Bis zum letzten Augenblick war der zweite deutsche "Gipfel" in Kassel nicht wirklich gesichert. Die Blitzreise von Ulbricht, Stoph und Honecker nach Moskau sowie die Beschimpfungskanonade, die Ostberlin seit Wochen auf Bonn abfeuert, verstärkte die Zweifel an der Bereitschaft der DDR-Regierung, den zweiten zaghaften Schritt auf dem langen Weg des innerdeutschen Ausgleichs zu tun.

Billige Bildung

Der Bund der Steuerzahler schlägt Alarm, weil die Bundesregierung zum Gedenken an die Reichsgründung vor hundert Jahren anderthalb Millionen Mark ausgeben will.

Entlarvt

Die Snobs haben den underground entdeckt. Verzückt starren sie in Kneipen, in denen Deutschlands Linke sich trifft, naschen am Hasch, stürzen sich auf Altbier und die Schmalzstulle für dreißig Pfennig.

Nixons Dreckschaufel

Wenige Tage nach dem Zwischenfall an der Staatsuniversität von Kent in Ohio, bei dem vier der gegen das Unternehmen Kambodscha demonstrierenden Studenten von der Nationalgarde erschossen worden waren, räumte Vizepräsident Spiro Agnew in einem Interview für die David Frost-Show (benannt nach dem britischen Journalisten, der für das amerikanische Fernsehen tätig ist) ein: Die Schützen könnten sich des Mordes schuldig gemacht haben, wenn auch nicht aus Vorsatz.

Mit Perücken und Pistolen

In Westberlin wurde am Freitag vor Pfingsten der größte Banküberfall seit Kriegsende verübt. Drei bewaffnete und maskierte Täter raubten rund zweihunderttausend Mark.

ZEITSPIEGEL

Gegen die Umweltvergiftung wandte sich jetzt UN-Generalsekretär U Thant. Vor der Universität von Texas in Austin bezeichnete er die Luftfahrt als die Hauptquelle der Luftverseuchung.

Blitzbesuch an der Seine

Zwischen dem deutschen Gespräch in Kassel und dem traditionellen Mai-Treffen des NATO-Ministerrates will Bundesaußenminister Scheel am kommenden Montag seinen französischen Kollegen Maurice Schumann besuchen.

Wilsons Wahlrennen

Die Schlacht von Waterloo begann am 18. Juni 1815 gegen halb zwölf Uhr mittags und war nach neun Stunden beendet. Etwas länger werden die britischen Wähler am 18.

Kirche auf neuem Kurs

Die Formel von der "normativen Kraft des Faktischen" wird in kirchlichen Kreisen nicht gern gehört. Auf der Synodaltagung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Stuttgart – der letzten formell noch ,,regionalen" Tagung – hat sie sich jedoch wiederum als wirkungskräftig erwiesen.

Sir Karl Popper / Ludwig Marcuse (X): Reform oder Weigerung?

Die Philosophie in Deutschland könnte von zwei deutschsprachigen Ausländern verändert werden, deren öffentliches Renomee sich umgekehrt proprotional verhält zur allgemeinen Kenntnis ihrer theoretischen Hauptwerke: von Herbert Marcuse und von Karl Raimund Popper.

,,Ich glaube an Wunder"

Aufwind versprachen Hamburgs Christdemokraten seit nunmehr zwei Jahren ihrem hanseatischen Parteivolk – seit den letzten Bürgerschaftswahlen vom 22.

Kunst in Monschau: Akzente setzen

Gastwirt H., Inhaber des renommierten Cafés am Markt handelte. Er warf einen Blick auf die gelben Tonnen im Fluß und die blaubesprühten Bäume am Ufer, tauchte den Fettpinsel in die Rostschutzfarbe und schrieb mit vor Erregung zitternder Hand auf ein Stück Pappe an seinem schmiedeeisernen Gitter: "Das ist Monschauer Kunst.

Gebeine auf dem Müll

Schweifwedelnd apportierte der Hund seinem Herrchen, einem Bamberger Arzt, auf einem Sonntagsspaziergang durch die fränkische Gemeinde Stegaurach einen Knochen.

Frauenpartei ’70: Die Natur siegt

Die resolute Dame in den Vierzigern, ansonsten von sorgfältiger Selbstsicherheit, nestelte nervös an ihrem Kleid. Sie versuchte zu verhindern, daß ein abgesprungener Knopf ihr ohnehin großzügiges Dekolleté noch tiefer ansetze.

"I like Mergentheim"

Wie weiland Wilhelm Teil schießen die Musterländler Badens und Württembergs mit ihrem Landsmann Friedrich Schiller seit Wochen gegen alles, was in Stuttgart ausgedacht wird.

Malende Gastarbeiterin

Neuneinhalb Stunden jeden Tag justiert die Jugoslawin Marija Matina-Imbriovcan mit einem Schraubenzieher Drehstromzähler in einer Fabrik.

Irrtum mit Tendenz

Von einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts ist zu berichten, das "zwar nicht wunderbar ist, aber Verwunderung erregt" (der Bochumer Assistent Schwerdtner über den Zustand der deutschen Arbeitsrechtswissenschaft).

Berlin:: Gewaltakt in Dahlem

Fünf Tage nach der gewaltsamen Befreiung des 27 Jahre alten Frankfurter Kaufhaus-Brandstifters Andreas Baader hatte die Polizei von ihm noch keine Spur gefunden.

Dokumente der ZEIT

"Die Arbeiterjugend aus Westdeutschland und Westberlin, die die Zukunft verkörpert, ist uns in Erfurt tausendmal lieber als ein Bonner Politiker, der die Vergangenheit und die Gegenwart des deutschen Imperialismus verteidigt.

Der Krieg erfaßt ganz Kambodscha

Nach offizieller amerikanischer Lesart ist der Feldzug in Kambodscha zeitlich und räumlich begrenzt: Die US-Truppen dürfen nicht tiefer als 30 Kilometer in das Land vorstoßen und müssen, bis Ende Juni in ihre Stützpunkte zurückgekehrt sein.

Die Schlacht am Kanal

Der Suezkanal war um Pfingsten Schauplatz schwerer Luftkämpfe und Artillerieduelle. Allein an drei Tagen wollen die Israelis sieben ägyptische MIG-Jäger abgeschossen haben.

Vertriebene contra Brandt

"Widerstand mit friedlichen Mitteln" wollen die Vertriebenenverbände in der Bundesrepublik, leisten, falls die Bundesregierung die Oder-Neiße-Grenze anerkennen sollte.

SPD-Vorstand:: Links zu sein genügte nicht

Von den Jungsozialisten erhielt keiner mehr als ein Viertel der Stimmen. Nur links zu sein genügte nicht. Die neuen Kandidaten mußten sich als tüchtige Praktiker ausweisen wie Vera Rüdiger, die "Jeanne d’Arc aus Südhessen", Entwicklungsminister Erhard Eppler, Carl Heinz Evers, ehemaliger Schulsenator in Berlin, Diether Posser, ein Jurist aus der Schule Heinemanns, der Münchner Oberbürgermeister Vogel oder auch die "Senkrechtstarter" im Parlament; Hans Apel und Holger Börner.

Vor Kassel:: Kraftproben und Kanonaden

Am Vorabend des geplanten Gesprächs zwischen Bundeskanzler Brandt und dem Vorsitzenden des DDR-Ministerrats, Stoph, schwoll die Propaganda-Kanonade aus Ostberlin gegen die Bundesregierung fast zur Stärke eines Sperrfeuers an.

In der Politik ein Konservativer

Am Tage vor der Stuttgarter Premiere von Rolf Hochhuths neuem Theaterstück, sagte der christlich-demokratische Bundestagsabgeordnete Olaf von Wrangel – und er meinte; was er sagte –, wir seien es der Führungsmacht der Nato schuldig, sie in guten und schlechten Zeiten zu unterstützen.

Wenn ein Symbol der Jugend langsam älter wird: Zum Beispiel Elvis

Auf einem erleuchteten Quadrat, einem Boxring nicht unähnlich, von aufgereihten Zuschauern angestarrt, kämpft ein Mann. Er kämpft allein, bewaffnet mit einer Gitarre; der Gegner ist nicht sichtbar, aber er ist anwesend und heißt: am Ende sein, erledigt sein, überholt sein, überführt sein.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Die Spirale dreht sich immer enger: Die Spieltechnischen Anforderungen der Neuen Musik schrauben sich höher und höher, die strukturellen Zusammenhänge werden von Stück zu Stück undurchsichtiger, die Zahl der diesen Ansprüchen gerechten Interpreten sinkt.

Fernsehen: Propaganda von gestern

Da hat nun die Kommunikationsforschung die Möglichkeiten und Grenzen der Propaganda mit Hilfe von präzisen Versuchen beschrieben, hat die Massenpsychologie die Seelen- und Klassenlage der Verführbaren analysiert, haben Faschismus-Theorien die ökonomische Basis, des Dritten Reiches kapitalistische Mitgift, nachgewiesen, wurden die lingua tertii imperii, ihre ideologischen Stereotypen und vorgebildeten Muster ins Bewußtsein gerückt.

Musik ist Nebensache

Pop-Musik-Festivals gleichen den Reden der Politiker vor anstehenden Wahlen: Hier wie dort wird zunächst viel versprochen, aber die Versprechungen werden kaum oder überhaupt nicht eingelöst.

Ein Schauspieler, eine Rolle (VIII): Vier warten auf Godot

Diese vier "Godot"-Spieler haben, abgesehen von der Qualität ihrer Leistung, eine große Leichtigkeit und Genauigkeit des Spielens gemeinsam, die wohl der Stilwille des Regisseurs Bauer geprägt hat und die vor allem auf die Vorgänge und ihren Ablauf zielt und erst dadurch auf gewisse Bedeutungen anspielt.

ZEITMOSAIK

Bejubelt wurden Kortners "Clavigo" und Peter Steins "Tasso": Goethe siegte in Berlin. Die Wiener Aufführung von Wolfgang Bauers "Change dagegen und die Stuttgarter Palitzsch-Inszenierung von "Diese Geschichte von Ihnen" drohten in einem Buh-Konzert unterzugehen.

Kunstkalender

Walter Giers, 1937 geboren in der Pfalz, lebt in Schwäbisch Gmünd, studierte an der dortigen Werkkunstschule, stellte im Landesgewerbeamt in Stuttgart und in der Galerie Reckermann in Köln aus.

Wenn Deutschen die Lust kommt

Jeden Morgen, wenn ich meine Zeitungen kaufen gehe, stelle ich fest: Das Bild meines Zeitungs-Bazars verändert sich rapide von Monat zu Monat.

In den Wohnungen des Todes

Der Dichter und Publizist Olof Lagercrantz, 1911 geboren, ist seit 1960 Chefredakteur der Stockholmer Tageszeitung "Dagens Nyheter".

Mauriacs Spätspätwerk

"Man spricht in Wahrheit nur von sich selber", sagt er in jenem Gespräch. "Ich habe getan, als beobachtete ich die Ereignisse und die Menschen.

Familien als Krankheitserreger

charakteristisch. Ihre Gegner nennen sie "Psychiatrisierung", und sie meinen: Hier werden soziale Mißstände, deren ganz unmedizinische Ursachen zu beseitigen wären, zu einem Phänomen deklariert, dessen pathologische Begleiterscheinungen es zu "heilen" gälte.

KRITIK IN KÜRZE

"Die Aufzeichnungen und Gedichte des André Walter" von André Gide. Dieser Erstling – 1890 erschienen – ist schon ganz Gide, wenngleich nicht der ganze Gide.

Alles aus zweiter Hand

Denn seinem Verfasser, dem 1932 geborenen Rolf Schneider, fehlt es nicht an Intelligenz und Begabung, Witz und Beredsamkeit; und wir verdanken ihm den auf dem Hintergrund der DDR-Literatur höchst beachtlichen Erzählungsband "Brücken und Gitter" (1965) sowie das preisgekrönte Hörspiel "Zwielicht" (1966).

Deutscher Beitrag in Cannes: Lilienthals "Malatesta"

Auf dem Universitätsgelände von Kent, Ohio und Jackson, Mississippi, werden von Nationalgarde und Polizei sechs Studenten erschossen, weil ihre Kommilitonen gegen den Überfall ihres Landes auf Kambodscha protestierten.

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