Düsseldorf Bis 10. Juni, Galerie Denise Rene/Hans Mayer: "Walter Giers, electronikels – Kunstmarkt für Grafik und Objekte"

Walter Giers, 1937 geboren in der Pfalz, lebt in Schwäbisch Gmünd, studierte an der dortigen Werkkunstschule, stellte im Landesgewerbeamt in Stuttgart und in der Galerie Reckermann in Köln aus. Ansonsten ist er ziemlich neu auf dem "Jahrmarkt der Kunsteitelkeit". Für seine electronikels hat Giers die Störung zum Stilprinzip erhoben. Ausgangsbasis ist das Radio. Die Struktur von Radio-Innereien ist freigelegt, anfaßbar, in fast allen der hier vorliegenden 18 Fälle auch noch vom Betrachter schaltbar. Der wahre Knall- beziehungsweise Knattereffekt liegt dann darin, daß das, was ansonsten bei der Wahl eines Senders im Radio eiligst weggedreht wird, die Störung in Form von Quietschen, Jaulen, Zirpen und Pfeifen, hier im Mittelpunkt des Interesses steht. Jeder Besucher kann sie, soviel und solange er will, zu seinem Ergötzen anstellen. Verursacht werden die mechanischen Vorgänge von eigens eingesetzten Batterien. Aber es gibt auch zum Skelett ihrer selbst dekouvrierte "richtige" Radios. Und Apparate mit Mini-Tonbändern und Lautsprechern, die immerzu ihren eigenen Titel aufsagen: "Tonbandbild." Oder ein "Schießgewehr" mit Coke-Büchse und Knopf zum Anknipsen. Aber akustisch fallen keine Schüsse. Es kommt nur vernehmlich: "Mäh." Die anerzogene Ehrfurcht vor dem Elektronischen vergeht einem vor diesen Objekten ganz schnell. Es bleiben: Lärm und Vergnügen. Klaus U. Reinke

Frankfurt Bis zum 21. Juni, Kunstverein: "Vincent van Gogh"

Es sei an der Zeit, das Bild von Vincent, dem tragischen Genie, dem Ekstatiker, aber auch die Rezeption seines Werks zu versachlichen. Nicht mehr bloß "schwärmerisches Entzücken, in dem zu schwelgen das Publikum sich gewöhnt hat, seitdem eine hymnische, dem alten Klischee verhaftete Literatur ihm dabei Vorschub leistete". 65 Zeichnungen also, auch weniger bekannte Blätter aus verstreutem Besitz (ohne die Sammlung Kröller-Müller und die Stiftung Vincent Wilhelm van Gogh), und diese sehr gute, mühsam zusammengebrachte Auswahl der Arbeiten von 1881 bis 1890 soll "unter dem Gesichtspunkt der präzisen Arbeit" gesehen werden. So kann man die frühen Blätter sehen, die nichts von genialischem Ungestüm, aber auch nicht die Unbeholfenheit oder Unsicherheit eines mühsamen Anfangs verraten, Studien am Modell, die Frau am Fenster, Sterkman-Fabrik, so nüchtern und detailliert wie die Arbeit eines professionellen Industriemalers, prägnant beobachtete Landschaften, der Strand von Scheveningen mit virtuos gesetzten Weißhöhungen. Studien nach der Natur und den zeitgenössischen Meistern. Von Millet übernimmt er das düstere Pathos und die große Gebärde der Landarbeiter, von Seurat die Technik des Pointillismus. Die Zeit der präzisen Arbeit endet spätestens in Arles. "Ich möchte dahin kommen, daß ich eigenwilliger, übertriebener zeichne" (Brief an Theo, viele Zeichnungen sind für Theo bestimmt, um ihm eine Vorstellung von den Bildern zu geben, keine Vorstudien für die Gemälde, sondern Schwarzweißreproduktionen der Bilder). Die linearen Strukturen beschreiben keine Gegenstände, sie bilden psychische Ornamente, und wenn man das zeichnerische Oeuvre überschaut, dann ist es allein diese späte, die eigenwillige und übertreibende Phase, in der van Gogh sich artikuliert, auf die es ankommt, und nur vom Ende her ist das Vorangehende sehenswert. Für diese einzig wichtigen späten Zeichnungen ist der sachliche Aspekt präziser Arbei nicht mehr ausreichend.

Hamburg Am 4. und 5. Juni, Dr. Ernst Hauswedell: "Moderne Kunst"

1335 Objekte werden auf der Frühjahrsauktion versteigert. Vorwiegend klassische Moderne, Klee, mit einem späten Hauptwerk, dem Gemälde "Milderung" von 1938 (Schätzpreis 160 000 Mark), und mehreren Aquarellen, einem frühen, impressionistischen Mondrian (12 000 Mark), einer Macke-Kollektion, 11 Arbeiten von Jawlensky. Bilder von Nolde ("Disteln im Korn", um 1907, 80 000 Mark), ein wundervoller Ben Nicholson ("Valley Maggia", Öl und Bleistift, 1964, 40 000 Mark), Kollagen und Zeichnungen von Max Ernst. Dazu eine Reihe Namen, die selten angeboten werden: Albert Gleizes ("New York", 1915, 38 000 Mark), Kupka, Marcoussis, Bram van Velde. Ein paar Beiträge aus der aktuellen Kunst: David Hockney (Radierungen) und, zum erstenmal auf einer deutschen Auktion, ein Stilleben des Kolumbianers Botero. Gottfried Sello

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