Kiel

Das Jahrbuch des schleswig-holsteinischen Philologenverbandes vermerkt, das Staatliche Internatsgymnasium Schloß Plön wurde im Jahre 1704 gegründet. Seitdem sind Legionen von Kindern deutscher Herrschaftshäuser, des preußischen Adels, des gehobenen Bürgertums und neuerdings auch der politischen Prominenz der Bundesrepublik Deutschland durch diese Schule gegangen.

Nunmehr, 266 Jahre nach ihrer Gründung, überprüft ein Untersuchungsausschuß des Schleswig-Holsteinischen Landtages die "Zustände" in der Schloßschule mit Internat. Was da in diesen Wochen zu Tage kommt, Oberschüler, Eltern, Erzieher und Studienräte im Großen Konferenzsaal des Landeshauses an der Kieler Förde aussagen, ist eine Mischung von üblichen Internatsvorfallen und überkommenen Obrigkeitsstrukturen.

Zwei Dokumente sind es, welche die Plöner Erziehungsmethoden beleuchten. Da erhielten die Eltern einen Vordruck, auf dem die Erzieher entsprechendes auf einer Skala über das Verhalten im Internat zu unterstreichen hatten "sehr gut – gut – befriedigend – läßt zu wünschen übrig – undurchsichtig". Unter Punkt b bei "Sauberkeit" rangiert die Haarpflege mit den Bewertungen "gepflegt – nicht immer ordentlich – unordentlich".

Dann sind da in zehn Punkte gefaßt die Ordnungsbestimmungen, welche Eltern und Schüler in den letzten Sommerferien unterschreiben sollten, um weiteren Internatsverbleib zu ermöglichen. Der angesehene Germanist von der Kieler Universität, Professor Carl-Otto – Conrady las und gutachtete: "Nach Ausweis dieser Ordnungsbestimmungen kann ich darunter nur Einordnung, Unterordnung, Zwang, Disziplin um ihrer selbst willen verstehen, und das hat nichts mit moderner Pädagogik zu tun."

Der Ansicht war nach den Ferien auch die Schülermitverantwortung unter ihrem "Schloßpräsidenten", Svante Domizlaff, 20 Jahre alt, der in der vorzensierten Schulzeitung Der Scheinwerfer gegen diese Prinzipien zu Felde zog, aber auch Besserungsvorschläge machte. Allerdings, am 30. September bekam sein Vater in Hamburg-Großflottbek die Beurteilung seines Sohnes auf den Tisch. Svante sei in den letzten Monaten zu einer der treibenden Kräfte der zunehmenden Unruhe im Internat geworden, hieß es in dem Brief. Er trage marxistisches Gedankengut unter seine Kameraden und beeinflusse jüngere Mitschüler in dieser Richtung. Er zeige eine, "wenn auch recht kindlich-unreife, klassenkämpferische Begeisterung".

Elf Erzieher mit Dr. Schmidt an der Spitze teilten dem Vater Domizlaff mit, "das Ausscheiden aus dem Internat von Svante bedeutet auch! einen Schulwechsel". Das erörtert jetzt juristisch verzwickt der Untersuchungsausschuß. 15 Gymnasiasten, die gegen die Ordnungsregeln aufmuckten, fielen dieser Passage im letzten Jahr zum Opfer. Einige Eltern wehrten sich. Ihre Kinder wohnen nun privat auf "Bude" in Plön, durften aber in der Oberschule bleiben. Die Justitiare des Landtages und wohl auch des Kultusministeriums zu Kiel sind inzwischen der Auffassung, Internatsverweisung ist nicht Schuld Wechsel.