"Widerstand mit friedlichen Mitteln" wollen die Vertriebenenverbände in der Bundesrepublik, leisten, falls die Bundesregierung die Oder-Neiße-Grenze anerkennen sollte. BdV-Präsident Czaja erklärte anläßlich der traditionellen Pfingsttreffen, 48,3 Prozent der Wählerstimmen gäben der Bonner Koalition nicht das Recht, die Außenpolitik völlig zu verändern.

Bundeskanzler Brandt verteidigte – bei einem Heimattreffen der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl – seine Ostpolitik, die eine Aussöhnung mit den Staaten Osteuropas herbeiführen solle. Bundesinnenminister Genscher, der auch für die Vertriebenen zuständig ist, versicherte ihnen, es solle nichts hinter ihrem Rücken entschieden werden. Als Bundesernährungsminister Ertl auf dem Sudetendeutschen Tag in München das gleiche Versprechen abgab, erntete er Gelächter.

Die schärfsten Angriffe gegen die Ostpolitik richtete der Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, der CSU-Abgeordnete Walter Becher: "In Raten werden uns Formeln und Versionen vorgesetzt, die am Ende das aufgeben, wozu man sich gestern noch bekannte."

Der SPD-Vorstand wies die Angriffe der Vertriebenen-Funktionäre zurück! "Sie sollten endlich begreifen, daß die Politik der Oberländer und Kather vorbei ist." Schließlich sei Brandt bemüht, "eine Lösung der offenen humanitären Probleme zu erleichtern". Die Oberschlesier hatten zuvor darauf aufmerksam gemacht, daß noch 800 000 Deutsche in den polnisch verwalteten Ostgebieten des Reiches "mit primitivsten Unterdrückungsmethoden" festgehalten würden.