Mut im Kampf für eine ungerechte Sache ist schlimmer als Feigheit.

Wladimir Goloborodjko

Theatertreffen 1970

Bejubelt wurden Kortners "Clavigo" und Peter Steins "Tasso": Goethe siegte in Berlin. Die Wiener Aufführung von Wolfgang Bauers "Change dagegen und die Stuttgarter Palitzsch-Inszenierung von "Diese Geschichte von Ihnen" drohten in einem Buh-Konzert unterzugehen. Weiter für Berlin durch das Votum einer zehnköpfigen Kritiker-Jury präsentiert wurden und werden: Johannes Schaafs Münchner Inszenierung der Shakespeare-Komödie "Was Ihr wollt" und Basels Hans-Bauer-Inszenierung von Becketts "Warten auf Godot". Berlin selbst ist gleich mit drei Aufführungen vertreten: mit Hans Hollmanns Version der "Kabale und Liebe", mit den "Kannibalen" von Tabori in der Werkstatt des Schiller-Theaters und mit Becketts Inszenierung seines "Letzten Bandes".

Im Zeichen des Pilzes

Der heilige Pilz und das Kreuz" heißt ein Buch, das in der vergangenen Woche in England erschien und einigen Aufruhr erregte. Auf 349 Seiten versucht John MarcoAllegro, gewesener Dozent an der theologischen Fakultät der Universität Manchester, nachzuweisen, daß die Bibel leider doch nicht recht hat, beziehungsweise das mißverstandenste Buch ist, das es je gab. Moses, Abraham und Jesus, so will es Allegro wissen, haben nie wirklich existiert, sind vielmehr nur verschiedene Kodenamen für das sumerische Wort für Pilz, welches wiederum auf einen alten Fruchtbarkeitsglauben hinweist. John Allegro, der seine Anti-Bibel bei einem so renommierten Verlagshaus wie Hodder & Stoughton unterbringen konnte, sieht optimistisch in die Pilz-Zukunft: "Die Kirche kann mit Verfolgung fertig werden. Aber ob sie es verträgt, rücksichtslos lächerlich gemacht zu werden, bleibt abzuwarten – Es mit der ganzen Kirche allein aufzunehmen, das ist für einen Individualisten wie mich nicht ohne Reiz. Man denkt sich: Zur Hölle mit ihnen." O unbewältigte Vergangenheit!

Ohr am Volk