DIE ZEIT

Handgranaten für die "FDGo"

Der Weg für das sogenannte Berliner Handgranatengesetz ist frei. Am Wochenende entschieden sich mit großer Mehrheit die Delegierten des Landesparteitags der SPD (140 gegen 46) für das umstrittene Gesetz.

Der Handstreich

Sabina Lietzmann, die New Yorker Korrespondentin des Blattes, schickte ein Protesttelegramm, in dem sie gegen die "Politbüro-Methoden" protestierte.

Auf Biegen und Brechen in Bonn

In Bonn gehen Gerüchte um, wonach die Union ein konstruktives Mißtrauensvotum, auf gut deutsch: den Kanzlersturz plane. Und ebenso erzählen Eingeweihte, die SPD werde auf eine Neuwahl des Bundestages hinsteuern, wenn sich ihre Ostpolitik parlamentarisch nicht durchsetzen lasse.

Mini-Union

Alle halben Jahre eine Konferenz zur außenpolitischen Konsultation – mit diesem Beschluß der EWG-Außenminister ist wenig Staat zu machen.

Resignation

Ralf Dahrendorf, von dessen politischem Wirken sich viele Liberale viel erhofft hatten, verläßt Bonn. Er gibt seinen Platz als Parlamentarischer Staatssekretär im Auswärtigen Amt auf und wird EWG-Kommissar in Brüssel.

ZEITSPIEGEL

Der Kabinettsausschuß für innerdeutsche Beziehungen will der Bonner Beamtenschaft Formulierungshilfe leisten. Er bereitet Richtlinien vor, mit denen Begriffe wie "Deutsche Ostgebiete, zur Zeit unter fremder Verwaltung" oder "SBZ", die zwei Jahrzehnte lang im amtlichen Sprachgebrauch die Regel waren, durch Bezeichnungen wie "Oder-Neiße-Gebiete" oder "DDR" offiziell abgelöst werden sollen.

Muff auf "Morgenwolke"

Eine Note schlechter als Wilson: Die fünf Karrieren des Tory-Führers Edward Heath

Wolfgang Ebert:: "Möglichst keinen Sieg!"

Offiziell hat sich die Bundesregierung nicht – zur Fußballweltmeisterschaft in Mexiko geäußert. Inoffiziell aber verfolgt man die Spiele – wegen der möglichen politischen Konsequenzen – mit verhaltener Spannung.

Die Schatten der 50er Jahre

Je häufiger im Bundestag über die Ostpolitik der sozial-liberalen Koalition gesprochen wird, je näher konkrete Entscheidungen rücken, desto mehr gleicht die Debatte einem Streit unter Theologen: Sie ist ebenso eifernd wie unfruchtbar.

Tödliche Alternative

Nach allem, was in den letzten Tagen über dasAusmaß des sowjetischen Aufmarsches in Ägypten bekanntgeworden ist, muß Israel um seine militärische Überlegenheit fürchten.

Römische Signale für Moskau

Die Minister-Konferenz des westlichen Bündnisses während der letzten Maitage im römischen Palazzo dei Congressi endete für zwei ihrer Teilnehmer mit einer nicht alltäglichen persönlichen Genugtuung: für Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt und seinen britischen Kollegen Denis Healey.

Nordrhein-Westfalen: Alles starrt auf die FDP

Nur mit Schrecken denken Düsseldorfs Sozialdemokraten an die Landtagswahl vom Juli 1958. Ein nahezu verzweifelter SPD-Ministerpräsident, Fritz Steinhoff, mußte damals die Regierungsbühne räumen, auf der die CDU nachrückte.

Niedersachsen: Der weinende Dritte

Im ehemaligen Welfenland findet – ebenso wie in Nordrhein-Westfalen und im Saarland – von nun an jeweils neun Monate nach der Bundestagswahl eine Art "Nachwahl" statt.

Protokoll ohne Pomp

Andrej Gromyko begann seinen fünftägigen Besuch in Paris mit der Erklärung, daß die Freundschaft zu Frankreich ein fester Bestandteil der sowjetischen Politik sei.

"Fegt ihn weg, den roten Dreck!"

Der Bundeskanzler hat den Fehdehandschuh aufgenommen, der ihm vom Bund der Vertriebenen hingeworfen worden ist. Willy Brandt hat nicht gezögert, die Reden, die Franz Josef Strauß und der Verbandspräsident Czaja (CDU) auf der Bonner Vertriebenenkundgebung gehalten haben, "unverantwortlich" zu nennen.

Saarland: Operateure aus Bonn

Der neueste Werbeslogan der saarländischen Landeshauptstadt lautet: "Nutzen Sie Saarbrücken als Operationsbasis." Was Wirtschaftler aus dem EWG-Raum anlocken soll, haben sich vorerst die Bonner zu Herzen genommen: Am 14.

Die Jungfrauen von Orleans

Wie aus Mini-Mode Mädchenhandel wurde – Ein Lehrstück für das Verhältnis des Normalbürgers zum Verbrechen

Das Foul an Bobby Moore

Der Ärger begann schon im Sommer 1966, als die Fußballweltmeisterschaft in England ausgetragen wurde. Die Mannschaft des Gastgeberlandes rang die Argentinier nieder, wenn auch mit Mühe.

Pariser Querschuß

Daß der Himmel über den sechs EWG-Ländern nicht nur voller Geigen hängt, weiß man trotz der Fortschritte, die gerade in letzter Zeit gemacht wurden.

Sprengstoff oder Viehsalz?

Es ist kaum anzunehmen, daß er es sich von jetzt an verbitten wird, weiterhin als "Bomben-Burger" oder, verniedlicht, als "Bumser-Burger" tituliert zu werden.

Kampf um Baden-Baden: Reifeprüfung

Nach achtzehn Jahren Südweststaat sind am kommenden Sonntag 2,52 Millionen Badener zur Abstimmung über die Zukunft ihres Landes und damit auch Baden-Württembergs aufgerufen.

Recht in unserer Zeit: Verordnete Trauer

Als Theodor Heuss am 12. Dezember 1963 starb, durfte in der Bundesrepublik sechs Tage lang nicht getanzt werden. Das war nicht etwa ein Wunsch des Verstorbenen, sondern ein Einfall von Bundesinnenminister Höcherl: Er bat die Innenminister und Innensenatoren der Länder um Tanzverbote bis einschließlich 17.

Kongreß der Kriegsdienstverweigerer: Nicht Speerspitze

Wird das satzungstreue Gewissen eines organisierten deutschen Kriegsdienstverweigerers zu stark belastet, wenn er aus Protest dem griechischen Botschafter in Bonn ins Gesicht spuckt? Kölner Kriegsdienstverweigerern lastete diese Frage schwer auf der Seele.

Gemogel im VDS

Wie immer man den 22. Kongreß des Verbands Deutscher Studentenschaften auch beurteilen mag, an verschwiegener Geheimhaltung war dieses Meeting wohl kaum zu übertreffen.

Franz Barsig und die Linken

Deine Chance ist Berlin." An diesen Slogan, der westdeutsche Arbeitnehmer nach Berlin bringen soll, mögen einige Sozialdemokraten gedacht haben, als sie ihren ehemaligen Parteisprecher, den Deutschlandfunk-Chefredakteur Franz Barsig, vor zwei Jahren als Intendanten zum Sender Freies Berlin holten.

Auszug aus der Enge

In einer Genfer Zeitung erschien kurz nach der stürmischen Tagung des vorher um zweiundzwanzig sehr namhafte "Dissidenten" verringerten Schweizerischen Schriftsteller-Vereins (SSV), die am 23.

Vorstandsehrung

Der Vorstand der "Deutschen Gesellschaft für Photographie" hat soeben beschlossen, dem Geschäftsführenden Vorstand der "Deutschen Gesellschaft für Photographie", L.

Kein Comeback

So verschieden ihre Positionen auch waren: alle Gesprächspartner waren sich darin einig, daß die gestellte Frage Comeback für Stalin zu verneinen sei.

Die CDU und Palitzsch

Peter Palitzsch stehe, so meinte die Düsseldorfer CDU, "nicht auf dem Boden unseres Rechtsstaates", denn er wolle, wie er selbst bekannt habe, "die Gesellschaft verändern".

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Gerd Zacher hat sich bislang vornehmlich unter den Kennern des isolierten Sektors Neue Musik einen Namen gemacht. Seine Konzerte in Hamburg-Wellingsbüttel wie bei den Avantgarde-Spezialveranstaltungen machten ihn als Interpreten der großen Tontrauben-Musiken von Ligeti, Otto, Yun oder Kagel berühmt, er komponierte selber und inspirierte die anderen.

Neue Musik als Blumenkind

Die Bremer Christuskirche ist so neu und so zeitgemäß wie die ganze Vorstadt Neue Vahr, in deren Mitte sie steht. Sie besitzt auf geräumiger Empore eine große Orgel und hinter dem Altar ein kleines Mosaik, hat draußen ihren hohen, schlanken, frei stehenden Glockenturm und drinnen schlichte Bronzeleuchter: die schmucke Modernität, in der Kirche sich heute empfindet.

Van Kagel

Sein Familienname schon tut nichts mehr zur Sache. Von ihm selber ist nur noch wenig zu erkennen: ein Mann in Seidenstrümpfen und Schnallenschuhen, mit Spitzenmanschetten und dunklen Handschuhen.

Der Brief aus dem Exil

Der Verleger G. B. Fischer beendet das Rätselraten um Thomas Manns angebliche Absicht, aus der Emigration nach Deutschland zurückzukehren

Fernsehen: Dialektik und Schweinchen

Das ist alles ganz richtig, so etwas gibt es tatsächlich: den singenden Transvestiten zum Beispiel, das am Starnberger See gelegene Hotel mit dem Gartenlokal, den kleinen Schwulen und den großen Boß, den Herrn und Meister im Salon, und in der Küche das Muttchen.

ZEITMOSAIK

Man muß der Menschheit so lange mit "Paradoxen" auf den Schädel hämmern, bis sie merkt, daß es die einzigen Wahrheiten sind, und daß witzige Antithesen bloß dann entstehen, wenn eine frühreife Wahrheit mit dem Blödsinn der Zeit zusammenprallt.

Angst vor dem Frieden

Aber erst eine befriedete Menschheit, die gelernt hat, im Einklang mit ihren biologischen Grundbedürfnissen zu leben, und sich darum nicht mehr wundern muß, daß die vergewaltigte Natur sich rächt, wird sich gestatten dürfen, theoretische Verirrungen zu belächeln, deren blinde Geschäftigkeit sie dann richtig zu bemessen weiß: als Flucht vor der Praxis.

Unser Seller-Teller Mai 1970

DDR: Andrejew, "Die sieben Gehenkten"; Steinberg, "Der Schimmel mit den blauen Augen"; Lenin, "Biographie"; Autorenkollektiv, "Lehrbuch der Automatisierungstechnik"; "Kleine Enzyklopädie: Die deutsche Sprache", Band 1 und 2 (laut Literaturbeilage des Neuen Deutschland 5/70].

US-Dornröschen wird erlöst

Warum die Romane von Henry James, auch die frühen, relativ einfachen, immer noch und wieder faszinieren – diese Frage stellt sich, sobald man die Bezauberung abschüttelt, der man bei der Lektüre erliegt.

Heimkehr des verlorenen Sohnes?

Manche Bücher neuerer Art unterscheiden sich von manchen Büchern älterer Art vor allem dadurch, daß sie anders angekündigt werden.

Zynismus und Melancholie

Wer vor länger als einer Generation festgestellt hat, Nietzsche habe sich gründlich geirrt, als er von der Vereinigung von Geist und Macht träumte ("Das ist vorbei.

KRITIK IN KÜRZE

"Sonderbare Geschichten" von Otto Julius Bierbaum. Gut, daß er wieder entdeckt wird, der Autor des "Prinz Kuckuck (leider noch nicht wieder gedruckt) und des "aus der Froschperspektive" erzählten Boheme-Romans "Stilpe" (bei dtv zu haben).

Kunstkalender

Zehn Meter lang und drei Meter hoch sind die Bilder, die der Chilene Roberto Sebastian Antonio Matta Echaurren, kurz Matta genannt, seit 1964 gemalt hat.

"Kunst und Politik" in Karlsruhe: Engagement allein tut’s nicht

Endlich nun hat eine der mittelgroßen deutschen Kunstinstitutionen sich des Themas angenommen. Der Badische Kunstverein in Karlsruhe und sein couragierter Leiter Bussmann präsentieren "Kunst und Politik", die erste überlokale und internationale Ausstellung zu diesem Thema in der Bundesrepublik.

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