Wer Nazi war, bestimmt Hans Habe, Ausgerechnet in der Welt am Sonntag zitiert er, nachdem er aus einem Büchlein zitiert hatte, das Harry Buckwitz im Zweiten Weltkrieg im Auftrag des deutschen Kolonialbundes schrieb, ob denn der Verwaltungsrat des Zürcher Schauspielhauses dieses Buch gekannt habe, als er Buckwitz zum Intendanten berief.

Das Buch enthält in der Tat schlimme Sätze: Jubel auf den Führer, das damals beliebte scheppernde Pathos „Heute gehört uns Deutschland“ und antisemitische Auslassungen („penetrant jüdisch schmierige Art“).

Daß solche Sätze mehr als unerfreulich sind und die Angelegenheit für Buckwitz selbst dann nicht viel besser wird, wenn manches dem Autor, wie er nach dem Krieg geltend machte, von den Nazis hineinredigiert wurde, braucht nicht betont zu werden. Wer, wie ich, in der glücklichen Lage war, damals den Federhalter nur zu Alphabetübungen in der Volksschule führen zu müssen, sollte heute, mehr als fünfundzwanzig Jahre danach, zumindest in Rechnung setzen, daß Harry Buckwitz sich als Intendant in München und Frankfurt, ob „umerzogen“ oder nicht, in einer Weise für ein demokratisches Theater eingesetzt hat, daß niemand, der mit ihm zusammenarbeitete, seine Fairneß und seine Aufgeschlossenheit anzweifelte.

Das wohl ist auch der Grund dafür, daß sich Frisch, Dürrenmatt und Hochhuth, von Habe zur Aufkündigung der Zusammenarbeit mit Buckwitz aufgefordert, zu einer weiteren Zusammenarbeit entschlossen. Allerdings, daß dabei in der Zürcher Debatte das Rechtfertigungswort vom „Halbjuden“ Buckwitz auftauchte, stellt einen umgekehrten „Arisierungsprozeß“ dar und wäre entbehrlich gewesen.

Wenn Hans Habe in der Vergangenheit von Buckwitz herumstöbert, so sehe ich darin den unguten Vorsatz, einen Mann nicht wegen seiner nazistischen Vergangenheit, sondern gerade wegen seiner linksliberalen Gegenwart abzuschießen.

Die moralische Entrüstung steht Habe und seinem Medium schlecht zu Gesicht. Denn wenn er in der Welt am Sonntag entsetzt fragt, wie Zürich sich mit einem Mann einrichten könne, der ein braunes Buch geschrieben oder zumindest mit seinem Namen gedeckt hat, so muß man ihn ebenso entsetzt fragen, wie er das in einer Zeitung tun kann, wo er seine Kolumnentätigkeit zum Beispiel mit Herrn von Studnitz teilen muß, der 1941 einen Artikel mit dem schönen Titel „Jude Roosevelt als Stratege“ schrieb, in dem vom „jüdischen Fälschertrick“, von „jüdischem Geschrei“ und von „jüdischer Angst“ die Rede ist. Auch zeichnet im gleichen Organ Hicks die Karikaturen, der einst Deutschlands Feinde im Sinne Hitlers so strichelte, wie man sich damals „Untermenschen“ vorzustellen hatte.

Daß Habe, dessen journalistische Tendenzen und Mittel der letzten Jahre zu kennzeichnen man leider unter Vermeidung von Beleidigungsauseinandersetzungen nicht in der Lage ist, daß Habe da nicht so empfindlich ist, mag daran liegen, daß sich die Kolumnisten der WamS jetzt auch nicht so demokratisch „verstellen“, wie Habe es Buckwitz unterstellt.