DIE ZEIT

Bildung für alle

Es ist das erste Mal, daß sich der Bund so aktiv und so massiv einer Sache annimmt, die vor nicht allzu langer Zeit noch zu den heiligsten Kühen des Föderalismus gehörte.

Die Grenzen der Polemik

Wer in diesen Tagen nach vierwöchiger Abwesenheit wieder nach Deutschland zurückkehrt, traut seinen Augen und Ohren nicht: Die Polarisierung der politischen Meinungen, die Vergiftung der Atmosphäre haben einen Grad erreicht, den man noch vor kurzem für unmöglich gehalten hätte.

Routinemeldung

In unserer an Superlativen so reichen Zeit wurden die beiden Katastrophen als Routinemeldungen registriert: 50 000 Tote in Peru, ein Hochwasser von biblischen Ausmaßen in Rumänien.

Argentinien im Strudel

Am Montag dieser Woche umzingelten Panzer den Präsidentenpalast in Buenos Aires. Zwölf Stunden lang weigerte sich der Diktator General Juan Carlos Onganía, das Ultimatum der Generalität anzunehmen, die ihn zu einem liberaleren Kurs zwingen wollte.

Opfer eines Politbüro-Systems

In Frankfurt kann man es immer noch nicht fassen. Jürgen Tern, der über ein Jahrzehnt lang die Linie der Frankfurter Allgemeinen – "Zeitung für Deutschland" – mit seinen Leitartikeln zu den wichtigen politischen Fragen der Zeit bestimmt hat und einer ihrer Herausgeber war, wurde wenige Tage vor seinem 61.

ZEITSPIEGEL

Über tausend Jungen und Mädchen, die im israelisch besetzten Gaza-Streifen lebten, sind kürzlich über den Suez-Kanal nach Ägypten übergewechselt.

Denkzettel oder Signal

Nimmt man jedes Wort der Parteiführer nur halbwegs für bare Münze, dann steht am kommenden Sonntag so gut wie alles in der Bundesrepublik zur Disposition.

Wie werden sie wählen?

Die Anspielungen Willy Brandts und Herbert Wehners auf die Möglichkeit von Neuwahlen mögen in erster Linie dazu gedacht sein, die außenpolitischen Wirkungen abzufangen, die von den Kassandrarufen der Opposition ausgehen können, daß die anvisierten Vereinbarungen mit Moskau und Warschau im Bundestag keine Mehrheit finden würden, Sie mögen ebenso dazu bestimmt sein, unsichere Kantonisten in der FDP bei der Stange zu halten, der Neuwahlen gegenwärtig kaum willkommen sein können, aber von solchen taktischen Motiven abgesehen, steckt hinter diesen Anspielungen auch eine gehörige Portion Zuversicht: Die langfristigen Trends in der Wählerschaft begünstigen die SPD.

Zum Irren gestempelt

In Moskau ist es zu einem scharfen Zusammenprall zwischen dem Regime und jenen Teilen der Intelligenz gekommen, die auf eine Demokratisierung drängen.

Ost-Berliner Beschimpfungen

Im innerdeutschen Handel hat die DDR derzeit beträchtliche Vorteile, die nach einer völkerrechtlichen Anerkennung fortfallen würden, weil sie auf der Rechtsansicht beruhen, daß die DDR für die Bundesrepublik kein Ausland ist.

Wolfgang Ebert:: Im Dutzend billiger

"Wir dachten: Aha, Landesebene, und fragten: Soll’s für Nordrhein-Westfalen, für Niedersachsen oder für die Saar sein? Und wollten ihr da was auf dem Sektor Verkehr oder auf dem Sektor Luftverschmutzung anbieten.

Gewöhnung an den Dialog

Es fällt leichter, geduldig zu sein, wenn man weiß, was zu erwarten ist. Da die Bundesregierung den Polen mit ihrem Drei-Punkte-Vorschlag Ende April zu verstehen gegeben hatte, daß es ihr mit der Grenzregelung ernst sei, stand die vierte Runde der Sondierungsgespräche diese Woche in Bonn ganz im Zeichen zuversichtlicher Gelassenheit.

Wilson in Siegesstimmung

Der Wahlleiter von Bexley, einer der östlichen Ausuferungen der Hauptstadt London, ist Kummer gewöhnt. Dies ist der Wahlkreis des Oppositionsführers.

Ab nach Kiel

Tatsächlich hat sich Stoltenberg erst kurz vor dem Tag, an dem die schleswig-holsteinischen CDU-Notabeln die förmliche Entscheidung fällten, endgültig entschlossen, das Ministerpräsidentenamt in Kiel anzustreben.

Magier des Geldes

Auf seinem Schreibtisch stand eingerahmt ein Kalenderspruch: "Gottes sind Wogen und Wind / Segel aber und Steuer / daß Ihr den Hafen gewinnt / sind Euer," Hjalmar Schacht, einer der großen Bankiers unseres Zeitalters, der im Alter von 93 Jahren aus dem Leben gerissen wurde, hat diesen Spruch allzeit beherzigt.

Ab nach Brüssel

Dahrendorf Schon jetzt hat diese Bundesregierung ein außenpolitisches Zeichen gesetzt, das sich nicht mehr wegwischen läßt: Die Bundesrepublik kann nicht nur nach Westen, sondern auch nach Osten Politik machen.

Zwischen Bonn und Moskau

Valentin Bereshkow, heute Journalist und Schriftsteller, war bis zum 22. Juni 1941, dem Tag, an dem Hitlers Truppen in die Sowjetunion einmarschierten, I.

Gäste auf Dauer

Die Schweizer haben sich für ihre Fremden entschieden. Mit einer Mehrheit von hunderttausend Stimmen verwarfen sie in einem Volksentscheid die Initiative des Nationalrats James Schwarzenbach, die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte zu reduzieren.

Zwischenhoch in Italien

Italien hat am Sonntag und Montag fünfzehn von zwanzig Regionalparlamenten gewählt; außerdem fanden in 19 der 20 Regionen des Landes Provinzial- und Gemeindeneuwahlen statt.

Nixon buhlt um die Rechten

Die Popularitätskurve Präsident Nixons verläuft ungefähr wie die Kurve der Aktienkurse an der Börse von Wallstreet. Die allgemeine Tendenz ist abfallend, aber hin und wieder tritt eine kräftige Erholung ein.

"Im Vertrauen auf die Gewehre"

Den gemäßigten arabischen Regierungen machen die Palästina-Partisanen mehr zu schaffen als Israel, dem gemeinsamen Feind. Was ihnen in den drei Jahren nach dem Krieg vom Juni 1967 nicht gelang, der Aufbau einer Untergrundorganisation in den von Israel besetzten Gebieten, brachten sie in Jordanien und im Libanon zuwege: Die Regierungen dieser schwachen arabischen Staaten sind, wie die jüngsten Vorfälle erneut demonstrieren, den palästinensischen Fedayin-Gruppen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Die Zerfleischung der Münchner SPD

Schon wird davon gesprochen, daß ebenso wie Karlsruhe auch München der SPD verlorengehen könne." Dieser Satz steht in einer Erklärung jenes Mannes, der vor vier Jahren mit sensationellen 78 Prozent in München gewählt wurde – Oberbürgermeister Dr.

Volksentscheid: Nicht geschieden

Die Bevölkerung des alten, von dem Länderschmied Napoleon zusammengeschweißten Landes Baden hat ihrer demokratischen Tradition alle Ehre erwiesen.

Antwort an die Bischöfe: Nicht verbindlich

Im schwarzen Paderborn machen 162 katholische Priester ihrem Bischof und der CDU Ärger. Das Hirtenwort der fünf nordrhein-westfälischen Bischöfe, das den zehn Millionen Katholiken des Landes vorschreibt, sie "dürfen" nur solche Landtagskandidaten wählen, "die bewiesen haben, daß sie in ihrem Handeln christliche Grundsätze vertreten", nennen die Geistlichen "unverhohlen Propaganda für eine bestimmte politische Partei".

Noch "gesamtdeutsch"?: Abgelehnt

Nachdem der dänische König Waldemar IV. Atterding der bewaffneten Schar der bevorrechtigten deutschen Kaufmannsgilde für auswärtigen Handel, als Hanse bekannt, zu oft den Sund für ihre Kauffahrteischiffe gesperrt hatte, mußte er sich 1370 im Frieden von Stralsund den Hanseaten unterwerfen.

Parlament der Lehrer

Es wird wohl dabei bleiben, daß das Hessische Landesparlament in seiner Zusammensetzung als Spiegelbild der Bevölkerungsstruktur eine Idealvorstellung bleiben wird.

"Rechts der VEB Knast"

Grenzübergang Invalidenstraße. Die Pässe werden kontrolliert. Der Bus rollt zur Baracke der "berlin-information". Ein Ostberliner Stadtführer steigt zu.

Peru: Epidemien drohen

Die Zahl der Todesopfer der Erdbebenkatastrophe in Peru ist immer noch ungewiß. Es wird geschätzt, daß bei den Erdbeben und den nachfolgenden Überschwemmungen mindestens 50 000 Menschen umgekommen sind.

Jordanien: Kämpfe in Amman

Das seit dem Wochenende bis zum äußersten gespannte Verhältnis zwischen den jordanischen Streitkräften und den palästinensischen Guerillas war Anfang der Woche von schweren Kämpfen in der Hauptstadt Amman und einem Attentatsversuch auf König Hussein gekennzeichnet.

Mehrheit gegen Baden

Mit einer unerwartet großen Mehrheit hat sich am Sonntag die Bevölkerung Badens für den Erhalt des 1952 gebildeten Südweststaates Baden-Württemberg und gegen eine Wiederherstellung des Landes Baden ausgesprochen.

Wahlerfolg der Linken Mitte

Aus den Wahlen für die Parlamente in den fünfzehn neugeschaffenen Regionen Italiens ist die Mitte-Links-Koalition des Ministerpräsidenten Mariano Rumor gestärkt hervorgegangen.

Dokumente der ZEIT

"Bundeskanzler Brandt beurteilte dieser Tage die Ausfälle von Vertretern der CDU/CSU-Opposition gegen seine Regierung als Generaloffensive der Rechten.

Harry Buckwitz und die Welt am Sonntag

Wer Nazi war, bestimmt Hans Habe, Ausgerechnet in der Welt am Sonntag zitiert er, nachdem er aus einem Büchlein zitiert hatte, das Harry Buckwitz im Zweiten Weltkrieg im Auftrag des deutschen Kolonialbundes schrieb, ob denn der Verwaltungsrat des Zürcher Schauspielhauses dieses Buch gekannt habe, als er Buckwitz zum Intendanten berief.

O Kozo Mio

Kozo Mio, 1924 in Nagoya geboren, Meisterschüler der Kunstakademie von Kyoto, ist in Japan längst kein Unbekannter mehr. Pop, Buddhismus und Ukiyo-e treffen sich in seinen Bildern.

Nackt auf dem Teppich

Es war ein herrlicher Juni-Tag. Ein voller Mond schob sich am Abend über den East River, und ein kühler Wind trieb mich auf die Straße.

Bern: Kunstkalender

Auf der Berner Auktion wird Picasso sogar noch umfangreicher angeboten als in München bei Ketterer. Der Sonderkatalog enthält 271 Nummern, darunter auch einige der frühesten und teuersten Blätter, "Le Repas frugal" soll den Rekordpreis von 200 000 Francs bringen, das "Frauenprofil" von 1905 50 000 Francs; es folgen 50 Radierungen aus der "Suite Vollard" und auch schon einige Blätter aus der Serie von 1968, die gerade erst in den Handel kommen, die Preise liegen zwischen 8000 und 20 000 Francs.

ZEITMOSAIK

Die unabsehbare Weiterentwicklung wissenschaftlichen Erkenntnisse und Erfindungen, politischer und sozialer Apparate könnte einen Punkt erreichen, an dem alles umschlägt und die Menschheit bereit wäre, lieber die primitivsten Entbehrungen als weiter die Last der modernen Zivilisation zu ertragen.

Momentaufnahme mit Unschärfen

Das Nebeneinander von Verschiedenartigem innerhalb der Kunst eines engbegrenzten Zeitraumes so darzustellen, daß die Totale nicht verwackelt und gleichzeitig die Nahaufnahmen genügend Tiefenschärfe besitzen, ist eine ebenso reizvolle wie schwierige Aufgabe, die im Falle eines Gelingens wichtige Perspektiven sichtbar machen kann: Gerade bei der "historischen" Aufarbeitung der Kunst unseres Jahrhunderts stehen Präsentationen von Einzeloeuvres oder allenfalls einzelner Richtungen im Vordergrund, die Einordnung in den Zusammenhang des gesamten Kunstgeschehens zwar virtuell zur Voraussetzung haben, diesen aber meist nicht explizit verdeutlichen.

Die Invasoren der Schweinebucht

Ich habe gesehen, wie die Agenten des CIA auf dem Flughafen von Mexiko alle Passagiere photographierten, die nach Habana reisten; ich habe entlang der kubanischen Küste die Silhouette der amerikanischen Kriegsschiffe gesehen; ich habe in der Schweinebucht die Spuren der amerikanischen Invasion gesehen; ich habe die Narben gesehen, die eine imperialistische Wirtschaft auf Seele und Körper eines Volkes hinterließ; ich habe die Wirkung einer Blockade gesehen, die die Kubaner zwingt, jeden Löffel aus der Tschechei und jede Kanne Benzin aus der Sowjetunion zu importieren, weil die Vereinigten Staaten seit sieben Jahren versuchen, sie auszuhungern und so zur Kapitulation zu zwingen.

Das Theater der Revolution

Ohne Kenntnis von Erving Goffmans "Wir alle spielen Theater" und Ralf Dahrendorfs "Homo sociologicus" beschrieb Robert Musil in seiner Prosaepopöe menschliches Rollenverhalten: ".

KRITIK IN KÜRZE

"Ein Spielzeug strenger Himmel" – Lyrik, Aphorismen, Prosa von Peter Hille, Auswahl und Vorwort von Jürgen P. Wallmann. "Wieder ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gebracht" werden soll hier das Werk eines Dichters, den ein wohlmeinender Zeitgenosse einen "Quatschkopf, ein geniales Rührei, eine – Seele" nannte.

Die neunte Weltmeisterschaft: Zwischen Hosianna und Kreuziget-ihn: Fußball-Samba im Feuerofen

Der Architekt Pedro Ramirez Vazquez war vor zwei Jahren Präsident des Organisationskomitees der XIX. Olympischen Spiele. Er hat das Anthropologische Museum im Chapultepec-Park seiner Heimatstadt gebaut – wahrscheinlich das am meisten beeindruckende Bauwerk dieser Art –, er konstruierte eine Reihe der Ministeriumspaläste Mexikos, und er erhielt international anerkannte Preise für eine Schule aus Fertigbauteilen, die zu Hunderten im Lande verteilt steht.

"Kathedrale des Fußballs"

In zweierlei Hinsicht sind die Gastgeber der IX. Fußballweltmeisterschaft empfindlich: Kritik am Klima und an der Ernährung können sie nicht vertragen.

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