Mit Berthold Beitz kommt ein zweiter starker Mann an die des Essener Konzerns

Von Heinz-Günter Kemmer

Der eine residiert, im Essener Süden, der andere hat sein Büro im Norden der Ruhrmetropole. Eine ganze Stadt trennt sie – aber sie kommen nicht aneinander vorbei: Berthold Beitz und Günter Vogelsang. Seit Hermann Josef Abs sein Mandat als Aufsichtsratsvorsitzender der Fried. Krupp GmbH niedergelegt und damit den; Weg für Berthold Beitz, den ehemaligen Generalbevollmächtigten Alfried Krupps, freigemacht hat, verfolgt das Revier mit Spannung, welchen Kurs die beiden Männer steuern werden. Und es gibt nicht wenige, die fest davon überzeugt sind, daß der – Vorstands vorsitzende und der Aufsichtsratsvorsitzende der Fried. Krupp GmbH auf Kollisionskurs gehen werden.

Eben deshalb sind einige Leute dem Bankier Abs gram, der mit seinem Rücktritt den Aufstieg des Berthold Beitz zum Aufsichtsratsvorsitzenden ermöglicht hat. Sie übersehen jedoch, daß Beitz diesen Stuhl auch ohne Hilfestellung hätte erklimmen können. Schließlich ist er Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung. Und diese wiederum ist alleinige Eigentümerin des Kapitals der Fried. Krupp GmbH.

In der Gesellschafterversammlung der GmbH hat deshalb nur ein Mann Stimmrecht: Berthold Beitz. Zumindest theoretisch hätte ihn niemand daran hindern können, solange einen neuen Aufsichtsrat zu wählen, bis sich in diesem Gremium eine Mehrheit für seinen Vorsitz gefunden hätte.

Dabei hätte es nicht einmal aller Stimmen auf der Anteilseignerseite bedurft – sein gutes Verhältnis zu den Arbeitnehmervertretungen hätte ihm deren Stimmen gesichert. Aber diese Machtprobe war nicht nötig. Derselbe Hermann Josef Abs, der vor gut drei Jahren zu denen gehörte, die auf die Entmachtung des Generalbevollmächtigten drängten, hat ihm jetzt die Bahn freigemacht.

Gewiß, Berthold Beitz ist nur Vorsitzender des Aufsichtsrats, die Geschäftsführung jedoch liegt beim Vorstand. Aber wer den agilen Manager kennt, der kann sich nur schwer vorstellen, daß er allen Versuchungen widerstehen wird, in die Geschäfte des Unternehmens einzugreifen. Dann allerdings wird es krachen – der Vorstandsvorsitzende Günter Vogelsang ist nicht der Typ, der sich so etwas gefallen läßt.