Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, das unsichere Passagiergeschäft durch Beteiligung auf anderen Sektoren auszugleichen, sind zwei amerikanische Luftfahrtgesellschaften auf das Schiff gekommen.

Trans World Airlines (TWA) und eines der großen amerikanischen Charter-Unternehmen, Overseas National Airways (ONA), wollen ihr Glück mit Kreuzfahrten versuchen. Neben der Hilton-International-Hotelkette besitzt TWA jetzt auch eine Mehrheitsbeteiligung (85 Prozent) an der Sun Line (Athen), die je nach Saison im Mittelmeer oder in der Karibischen See Kreuzfahrten anbietet.

Die Overseas National Airways ging einen anderen Weg. Sie bestellte in Holland zwei „Luxus-Cruise Liner“ mit je 17 000 BRT. Doch nicht unter der Flagge des Airlines werden die Musikdampfer in See stechen: Die ONA gründete zusammen mit der renommierten britischen Cunard-Reederei eine Kreuzfahrt-Reederei, an der beide Gesellschaften mit jeweils 50 Prozent beteiligt sind. Das erste Schiff soll bereits im Januar 1971 zur Jungfernfahrt nach Westindien auslaufen.

Freilich ist noch nicht geklärt, ob diese maritimen Interessen der beiden Luftverkehrsgesellschaften auch von der amerikanischen Luftfahrtbehörde gebilligt werden. Der Plan der ONA wird zur Zeit von einem „Investigator“ der Behörde geprüft.

Aber nicht nur Luftverkehrsgesellschaften suchen die Zusammenarbeit mit der ehemaligen Konkurrenz. Nachdem die Luftlinien den Wettkampf um Transatlantik-Kunden gewonnen hatten, suchten die Reedereien neue Einsatzgebiete für ihre Flotten. Der Einsatz auf Kreuzfahrten lohnte sich für die Reeder.

Ein Problem konnten sie allein nicht lösen: Die Hin- und Rückfahrt vom regnerischen Kontinent zu den sonnigen Urlaubsgegenden nahm zuviel Zeit in Anspruch. Einen Ausweg bot die Zusammenarbeit mit Luftlinien.

So arbeitet die Deutsche Atlantik Linie schon seit sieben Jahren mit der SAS zusammen. Ähnlich arbeiten die Deutsche Lufthansa und der Norddeutsche Lloyd zusammen. An Kapitalverbindungen ist jedoch kein Interesse, weder bei den Reedern noch bei den Luftfahrtgesellschaften.

Die Peninsular & Oriental (P&O) Reederei aus England, plant jetzt gemeinsam mit der United States Freight Company, einem amerikanischen Speditionsunternehmen, eine Gesellschaft für Air/Sea-Kreuzfahrten. Die Schiffe werden an touristisch interessanten Häfen stationiert, beispielsweise in Amsterdam für Nordlandfahrten oder in Genua für Mittelmeer-Reisen, und mit dem Flugzeug werden aus allen Richtungen die Passagiere herbeigebracht. Endziel ist ein weltweites Kreuzfahrtennetz mit Stützpunkten in Südafrika und Asien. kde