DIE ZEIT

Ungewählt‚ doch viel umworben

Manche nennen ihn den neuen Senkrechtstarter der FDP. Vor zwei Jahren war der Professor Ulrich Klug noch nicht einmal Mitglied, nach der dreifachen Landtagswahl dieses Sommers hatte er aber schon die freie Auswahl zwischen zwei Staatssekretariaten – ungewählt, doch viel umworben.

ZEITSPIEGEL

"Wer Härte fordert gegen den Umsturz der Ordnung, muß das gleiche Maß von Härte bereit sein einzusetzen bei ihrer Reform. Die Waage der Justitia ist nur dann ausbalanciert, wenn in beiden Schalen das gleiche Gewicht an Entschlossenheit liegt.

Uhrmacher mit dem Holzhammer

Auf dem Nürnberger CSU-Parteitag kreierte Franz Josef Strauß einen neuen Bayern-Look: Diesmal war es nicht die Obereglfinger Blaskapelle, die den christsozialen Mannsbildern den Bayerischen Defiliermarsch blies, diesmal zitterte kein Gamsbart auf Berchtesgadener Trachtenhüten – diesmal machte man auf Kultur und Moderne.

Die Bürde der Waffen

Zweihundert Milliarden Mark werden in der Welt jährlich für die Rüstung ausgegeben. Dies sei der "nutzloseste Aspekt" des Fortschrittes von Wissenschaft und Technik, sagte UN-Generalsekretär U Thant bei der Gründungsfeier der Vereinten Nationen in Genf.

Ringen um Berlin

Berlin ist in den Mittelpunkt der ostpolitischen Diskussion gerückt. Falsche und halbwahre Berichte, vorsichtige und unvorsichtige Dementis haben ebenso Verwirrung gestiftet wie gegensätzliche Ansichten darüber, welche Rolle Berlin in den Gesprächen und Verhandlungen spielen solle.

Wolfgang Ebert:: Teure Freundschaft

Selbst wenn aus weiteren sensationellen Veröffentlichungen der Bahr-Notizen hervorginge, daß diese Regierung im Begriff ist, den Kölner Dom an die Russen zu verschachern und Stein für Stein nach Kiew abtransportieren zu lassen, der sowjetischen Flotte einen Bodensee-Hafen zu schenken und unser Verteidigungssystem auf den Gebrauch von Pfeil und Bogen zu beschränken – Uwe Zipfel würde all das in Kauf nehmen, denn er ist ein enger Freund der Regierung.

Auf Dur gestimmt

Auch als es um die Weiterentwicklung des europäischen Zusammenschlusses ging, hat die Ostpolitik bei den jüngsten Konsultationen zwischen Bundeskanzler Brandt und dem französischen Staatspräsidenten Pompidou die Akzente gesetzt.

Entspannung im Sport

Nach einer Pause von elf Jahren ist in Halle das gesamtdeutsche Sportgespräch angepfiffen worden. In der ersten Runde hat es weder Sieger noch Besiegte gegeben; es gab keine Beschimpfungen, es würden keine unerfüllbaren Forderungen gestellt.

Was dürfen die Sowjets?

Auswärtiges Amt: Die Artikel 53 und 107 der Charta der Vereinten Nationen stellen keine selbständige Rechtsgrundlage für die Androhung oder Anwendung von Gewalt gegenüber der Bundesrepublik dar.

Waffen für Vorster

Großbritannien hat die Verteidigungsmaßnahmen zu treffen, die für sein Überleben unerläßlich sind." Dieser Satz stammt nicht aus einer ehrwürdigen Churchill-Rede in bangen Kriegstagen.

Angst vor dem Computer

Viele Abgeordnete des deutschen Bundestages beschleicht ein unheimliches Gefühl, wenn sie daran denken, daß sie bald mittels Computer abstimmen müssen.

Bündnis ohne Zähne

Die 1954 in den Wehen des französischen Indochinakrieges geborene Südostasiatische Paktorganisation (Seato) gehört zu jenen Allianzen, die nicht recht leben können, aber auch nicht sterben wollen.

Der Krieg fängt jetzt erst an

Nixon hat die Expedition nach Kambodscha pünktlich beendet, aber der wirkliche Krieg beginnt erst jetzt. Ob sie es wollen oder nicht: Die Amerikaner sind jetzt in Kambodscha genauso tief in den Bürgerkrieg verstrickt wie in Laos.

Moskauer Manöver

Die wahren Absichten des Kreml waren noch nie leicht zu erraten, und dies gilt ganz besonders für die sowjetische Nahostpolitik.

Die Amerikaner - eine ratlose Nation

Die Europäer stellen heute mehr zweifelnde Fragen über Amerika als je zuvor in der Nachkriegszeit. Beinahe unmerklich sind die Vereinigten Staaten in den Augen vieler ihrer Freunde zum "unsicheren Faktor" geworden.

Rumänien: Eisige Freunde

Einen kühlen Empfang bereiteten die Rumänen der sowjetischen Partei- und Regierungsdelegation, die Anfang der Woche zur Unterzeichnung eines seit zwei Jahren überfälligen neuen rumänischsowjetischen Freundschafts- und Beistandspaktes in Bukarest eintraf.

Vorwürfe gegen Saigon

Ohne greifbares Ergebnis endete Anfang der Woche die eintägige Saigoner Konferenz der Außenminister der sechs Länder – USA, Südvietnam, Südkorea, Australien, Neuseeland und Thailand –, die militärisch im Indochinakrieg engagiert sind.

"Das Vaterland retten"

Bundespolitische Akzente dominierten am vergangenen Wochenende eindeutig den Parteitag der CSU in Nürnberg. Am schärfsten artikulierte sich der Widerstand der Delegierten in einer Resolution gegen die Verhandlungen mit der Sowjetunion, die Baron Guttenberg eingebracht hatte.

Konjunkturpolitik: Bonn handelt

Zehnprozentige Steuervorauszahlungen sollen als konjunkturdämpfende Maßnahme die bereits von der Bundesregierung verfügte zeitweilige Aussetzung der degressiven Abschreibungen ergänzen.

Heath kündigt Gewerkschaftsreform an

Harte Auseinandersetzungen für die kommenden Monate kündigten die ersten Debatten des englischen Unterhauses über die Regierungserklärung der neuen konservativen Regierung an, die Königin Elizabeth II.

Nahost: Sowjets am Suez

Die militärische und politische Entwicklung im Nahostkonflikt hat sich in den letzten Tagen wieder zugespitzt. Besorgnis löste im Westen die Behauptung des israelischen Generalstabschefs Chaim Bar Lev aus, daß die Sowjets direkt in die ägyptisch-israelischen Kampfhandlungen am Suezkanal eingegriffen hätten.

Dokumente der ZEIT

Aus der "Schwarzen Unabhängigkeitserklärung", die vom "Nationalausschuß schwarzer Geistlicher" zum amerikanischen Nationalfeiertag am 4.

Thomas von der Vring:: Die kritische Universität ist Partei

2. Der Staat wird notwendigerweise die formelle Rechtsaufsicht über die Universität behalten müssen. Um aber optimale Flexibilität der Universität zu gewährleisten, ist es sinnvoll, daß der Staat seine Rechtssetzung bezüglich der Universität weitestgehend auf allgemeine Rahmenbestimmungen beschränkt.

11x Hochschulgesetze

Die Verdrossenheit des Bundesbürgers und Zeitungslesers ist so eindeutig wie nur möglich: Wenn es dieser SPD-FDP-Bundesregierung nicht gelingt, die "westdeutsche Universität" wenigstens zu einem Subjekt zu machen, welches durch die Hinzufügung von Prädikat und Objekt sinnvolle Aussagen erlaubt – dann können sie geradesogut wieder CDU/CSU wählen (und wäre das für die Wirtschaft nicht besser?).

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Die paar Jahre Beat haben genügt. Es erinnere sie an ihre Jugend, sagen die einen, und sie sind noch keine dreißig – es sei zu anstrengend, sagen die anderen, und sie gehören gleichermaßen in das Jahrzehnt drüber oder drunter.

Freiburg ich muß dich lassen

Diese Stadt, das ist sicher, sollte man eigentlich rühmen, man sollte von ihr nur in gehobenen Tönen sprechen: baedekerhaft, sozusagen in Moll.

Das Kino der Rockmusik

Rockmusik war längst ein integrierter Handlungsfaktor in Filmen, bevor der Regisseur Michelangelo Antonioni auf die Idee kam, in "Blow Up" die britische Pop-Gruppe The Yardbirds als typische Vertreter des "Swinging London" vorzustellen – als Musiker, deren Instrumente für die Fans den Charakter von Fetischen haben.

Reichtum – leicht gemacht

Reichtum, bis vor einer Weile die Summe dessen, was Menschen, die man die Reichen nannte, besaßen – Reichtum ist heute etwas für das Millionenpublikum, leicht für den zu haben, der nur den richtigen Blick in die richtigen Zeitungen und Zeitschriften tut.

ZEITMOSAIK

Die Kirche sei zu reich, erklärte Günter Grass bei einem Diskussionsabend, zu dem ihn seine katholische Kirchengemeinde in Berlin-Wilmersdorf gebeten hatte.

Ein Ferment der Zersetzung

Bei manchen Schriftstellern ist das Talent in der Gallenblase lokalisiert. Zu ihnen gehört Stefan Heym. Ob er sich in Büchern oder in Zeitungsartikeln äußert, seine größte Wirkung erzielt Heym immer dann, wenn er als Provokateur daherkommt.

KRITIK IN KÜRZE

"Jugenddeutsch von A bis Z" – Wörterbuch der deutschen Umgangssprache VI, von Heinz Küpper. Auch bei diesem neuen Küpper-Band wieder muß man zweierlei tun.

Gat und gat ist nicht dasselbe

Als so wirkungsmächtig erwies sich dieses Schema von John Locke, daß man unter dem Einfluß Condillacs in Frankreich fast eine Sprachreform vorgenommen hätte.

Konfuzius und Kommunismus

Nicht nur Historiker können schwerlich der Versuchung widerstehen, plausible Kausalzusammenhänge zwischen dem heiligen und dem bolschewistischen Rußland zu sehen.

Warum wird man Gastarbeiter?

Feststellungen dieser Art machen mißtrauisch; findet man sie im Schlußwort eines Buches, das ein soziales Problem ausschließlich sozialpsychologisch zu betrachten vorgibt, scheint das Mißtrauen noch angebrachter, um so mehr, als gewisse sozialpolitische Empfehlungen der Verfasser ihren psychologischen Erkenntnissen zuwiderlaufen.

Eigentor

Der Versuch einer "Analyse der soziologischen, sozial- und individualpsychologischen Funktionen des Fußballsports" – so die Zusammenfassung auf dem Klappentext – ist schon im Ansatz falsch.

Fernsehen: Für das deutsche Vaterland

Das war so, am ersten Juli um 20.18 Uhr: Moderator Löwenthal erschien auf dem Bildschirm und artikulierte eine Erklärung des Inhalts, daß man zur Publikation des Bahrschen Papiers sowohl den Herrn Bundesaußenminister als auch den Baron von Guttenberg habe anhören wollen.

Gefährlicher Plüsch-Tiger

Der Bürgermeister im "kleinen Palast" kann nicht schreiben. Der Postbeamte ist eine Bakschisch-Kreatur und unterschlägt Briefe.

FILMTIPS

Reprise: "Cheyenne" (1964), von John Ford. Von den 170 Minuten des Originals durften deutsche Zuschauer vor fünf Jahren immerhin noch 157 sehen – sie sind (empfindliche Bild- und Tonsprünge markieren die Schnitte) beim Neustart auf 110 reduziert worden.

Chronik des Zauderns

Bundeskanzler Willy Brandt kündigt in seiner Regierungserklärung Steuersenkungen, an: "Der Arbeitnehmerfreibetrag soll verdoppelt werden.

Rothschild geht unter die Leute

Millionen Franc auf 1 Milliarde Franc gestiegen, während das Kapital der Gesellschaft seit 1968 von 220,8 auf 536,6 Millionen Franc aufgestockt wurde.

Kein Rezept für bessere Kurse

Über die Auswirkungen von Steuererhöhungen ist man in den Börsensälen geteilter Meinung. Die Optimisten meinen, daß mit ihrer Einführung das letzte Restriktionspulver verschossen wäre und infolgedessen die Serie der psychologischen Belastungen abgeschlossen sein müßte.

Düpiert

Vor wenigen Jahren war es ein großer Fortschritt, daß Arbeitnehmern der Lohn auf ein Konto überwiesen wurde, statt daß man ihnen allwöchentlich die Lohntüte in die Hand drückte.

Ungezogen

Selten mußte sich ein Unternehmen von seinen Anteilseignern das ins Stammbuch schreiben lassen, was Berufsopponent Kurt Fiebich dem Vorstand der Texaco-Tochter Deutsche Erdöl-AG auf der Hauptversammlung vorwarf: "Die DEA ist eine der unerfreulichsten deutschen Gesellschaften mit einem der aktionärsfeindlichsten Vorstände, auf den die rauhen Methoden aus Texas offensichtlich abgefärbt haben.

Unziemlich

Die Magdeburger Feuerversicherungs-Gesellschaft hat seit geraumer Zeit Ärger mit einigen Aktionären. Da die unzufriedenen Aktienbesitzer vermuten, daß sich die Großaktionäre dieser Versicherung über ihre Geschäftsverbindungen Sondervorteile verschaffen, kam es zu einer außerordentlichen Hauptversammlung, in der die Einsetzung eines Sonderprüfers von der Opposition beantragt wurde.

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