DIE ZEIT

Kanzler und Papst

Steif und würdevoll, wie es das päpstliche Hofzeremoniell verlangt, schritt Willy Brandt – angetan mit den Insignien des Pius-Ordens – durch die Prunkgemächer des Vatikans.

Doch ein Rohrkrepierer?

Erst im Herbst werden wir vielleicht erfahren, ob Willy Brandts Behauptung, führende CDU-Politiker hätten Industrielle ermuntert, vor den Landtagswahlen am 14.

Bilanz der CDU

Zufrieden mit sich selbst sind die Abgeordneten der CDU/CSU in die Ferien gefahren. Der Ausgang der Landtagswahlen vom 14. Juni hat der Opposition Auftrieb gegeben; daß ihre unausgesetzte Kritik an den Resultaten der Sondierungen Bahrs in Moskau auf die Regierung zumindest zeitweise nicht ohne Wirkung blieb, ist befriedigend für sie; auch gelang es den Christlichen Demokraten, das Zaudern in der Konjunkturpolitik zu immer neuen Attacken gegen das Kabinett Brandt auszunutzen.

"Zwangsjacke"

Man kann dem Urteil des stellvertretenden Vorsitzenden der FDP in Berlin nur beipflichten: Die umstrittene Äußerung Willy Brandts in seiner Berliner Rede ist in der Tat "fatal".

ZEITSPIEGEL

Alle sieben Mitglieder des Schweizer Bundesrates – der erst vor kurzem bei einer Meinungsumfrage des Gallup-Institutes als die am besten funktionierende Regierung der Welt gelobt wurde – werden sich vom 20.

Pauken, Fahnen, Karabiner

Der Trommlerpöbel der Shankell Road hatte seinen großen Tag. Die doppelseitig geschlagenen Bauchpauken dröhnten zweimal drei Stunden lang durch Belfast – morgens auf dem Weg nach Finaghy, dem Freiluft-Zeremonienplatz im Süden der Hauptstadt, und abends von dort zurück.

Europas Sterne stehen günstig

Großbritannien ist der erste von vier Beitrittskandidaten, mit dem die EWG am kommenden Dienstag in Brüssel die konkreten Aufnahmeverhandlungen eröffnet; Norwegen, Dänemark und Irland folgen im Herbst.

Berliner Scharmützel

Eine unklare Äußerung des Bundeskanzlers in Berlin, eine emotionale Reaktion des Justizsenators Hoppe (FDP) und bissige Kommentare der Sozialdemokraten haben im Berliner Senat den Koalitionsfrieden, wenn auch nicht die Koalition selbst gefährdet.

Warum gibt es in Bonn keine außenpolitische Gemeinsamkeit mehr? Warum nimmt die Polarisierung zu? Erhard Eppler, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, antwortet: Weil die CDU die Konsequenzen ihrer eigenen Politik scheut Die Sozialdemokraten müssen heute mit dem Erbe Konrad Adenauers fertig werden.: Adenauers einäugige Nachfahren

Dabei haben die Besonnenen in der Union mindestens ebensoviel Angst vor einem Erfolg wie vor einem Mißerfolg ihrer Operation: Man stelle sich einen Kanzler Kiesinger vor, der 1971 noch einmal pathetisch erklären könnte, er wolle die Verständigung und das Gespräch mit jenem Phänomen, also dem anderen Teil Deutschlands, einem Gebilde, das es als Staat gar nicht gibt! Ein internationales Hohngelächter wäre ihm sicher, und nicht nur ihm.

Wolfgang Ebert:: Die Bohr-Notiz

Die Sache wird in Bonn streng geheimgehalten. Nur ein auserwählter Kreis von 137 Personen wurde ins Vertrauen gezogen. Und die halten dicht.

Warum Helmut Schmidt?

Als Urlaubspräsent bekam die SPD in der vorigen Woche noch ein paar Gerüchte mit auf den Weg – Spekulationen, die sich vor allem um die Person des Verteidigungsministers Helmut Schmidt ranken.

Nächstes Jahr in Helsinki?

Der Vorschlag einer Sicherheitskonferenz über Europa beansprucht noch nicht das vordringliche Interesse der amerikanischen Diplomatie.

Rumänien ist hart geblieben

Noch war die Tinte unter dem neuen sowjetisch-rumänischen Freundschaftsvertrag nicht trocken, da rief Staatschef Ceausescu schon die Nationalversammlung zu ihrer letzten Sommersitzung – nicht etwa, um den Vertrag zu ratifizieren, was laut Artikel 13 in "kürzester Zeit" erfolgen soll, sondern um zu demonstrieren, daß es damit noch gute Weile hat.

Importiert aus England: Pubs für Snobs

Wer essen will, setzt sich auf eine Bank in der Reihe von Nischen, die sich an der Wand entlangzieht. Die Bänke sind, wie die Barstühle, mit dunkelgrünem Leder bezogen, das mit Knöpfen feste Polster überspannt.

Gefährliche Ostsee?

Bis zur letzten "Panorama"-Sendung war am Ostseestrand die Welt noch in Ordnung. Das Wetter war seit Tagen hochsommerlich, und die zahlreichen Pensions- und Hotelinhaber durften auf ausverkaufte Häuser in der Hochsaison hoffen.

Folterkammer auf dem Bauernhof

Auf den Prozeß freu i mi scho, sagte der Bauer Thomas Mayr im siegessicheren bajuwarischen Mir-san-mir-Tonfall, nachdem ihm das Gericht in der Kreishauptstadt Traunstein die Anklageschrift übermittelt hatte.

Tendenz-Betriebe

Das Johanniterheim in Köln erfreute sich bereits vor Monaten peinlicher Publicity, als die Geschäftsführerin von den studentischen Heiminsassen eines "undemokratischen, selbstherrlichen und autoritären Regiments" beschuldigt wurde.

Musterprozeß: Kalte Schulter

Was zunächst als eine interne Familienangelegenheit Stuttgarter Journalisten anfing – und deshalb mit branchenunüblicher Zurückhaltung behandelt wurde – ist zum Gerichtsverfahren mit dem Aktenzeichen 17.

Aus Gerichtsakten: Durch 70 Löcher

Die Verteidiger S. in Köln baten, die beim Amtsgericht Villingen liegenden Akten ihres Mandanten einsehen zu dürfen. Villinger, sandte die Akten an das Amtsgericht Köln, wo die Verteidiger sich ihren Wunsch erfüllten.

Recht in unserer Zeit: Gefunden: Unzucht

Unglaublich und auch wahr: ein deutsches Schöffengericht verurteilt eine Frau wegen "schwerer Kuppelei" zu sechs Monaten Gefängnis mit dreijähriger Bewährungsfrist.

Hamburger Rundfunkrat: Funktionäre unter sich

Der letzte Satz im Paragraphen 8 (2) des Staatsvertrages über den Norddeutschen Rundfunk lautet: "Von den Mitgliedern des Rundfunkrates aus dem Land Niedersachsen sollen höchstens vier, aus dem Land Schleswig-Holstein und aus der Freien und Hansestadt Hamburg je zwei Mitglieder dem Bundestag, einem Landtag oder der Bürgerschaft angehören.

Leussinks Bundeshochschulgesetz ist vorsichtig: Ein weiter Rahmen

An dem Entwurf für ein Hochschulrahmengesetz des Bundes, den das Wissenschaftsministerium jetzt veröffentlichte, sticht vor allem eines hervor: Im Hause Leussinks wird in der Kompetenz des Bundes, "allgemeine Grundsätze" für das Hochschulwesen zu erlassen, kein Skelett gesehen, sondern nur ein Strohhalm.

Vergnügen am Freilichttheater

Diesen Sommer bestimmt, aber kaum weniger in den Jahren zuvor, dürfte Dinkelsbühl unter den mit Freilichtbühnen gesegneten Orten Deutschlands und besonders des schwäbisch-fränkischen Raumes seinen Besuchern das meiste Vergnügen bereiten.

Kunstkalender

Die Ausstellung hatte in Mailand Premiere, und sie ist so umfangreich, daß sie in der Orangerie in Herrenhausen untergebracht werden mußte.

Der lyrische Toreador

Federico García Lorca ist dem deutschen Publikum durch sporadische Aufführungen seiner Theaterstücke und durch eine vage Vorstellung von heißer Zigeunerlyrik bekannt.

Bildung made in Germany

Vieles exportiert die Bundesrepublik, seit neuestem auch politische Bildung – wer hätte das gedacht! Am deutschen Wesen ..., nein, darüber sind sich alle einig, das taugt nicht mehr für den Export, aber "deutsche Bildung", politische Unterweisung, staatsbürgerliche Verhaltensregeln, das kann, soll ein Modell sein zumindest für die sogenannten Entwicklungsländer.

Aufklärung made in England

Das politische System Großbritanniens und der politische Sinn seiner Bürger, der durch den überraschenden Machtwechsel von Wilson zu Heath wieder einmal demonstriert wurde, war von jeher das Ideal westdeutscher Bildungstheoretiker.

Fernsehen: La cause du peuple

Fröhlich sah er aus, gelassen und entschlossen, wie er da auf den Straßen La cause du peuple verteilte und den Bistrositzern zu verdeutlichen suchte, daß die Sache des Volkes endlich die Sache des Volkes werden müßte: Kein alter, ein wenig lächerlicher Mann, der den Zug nicht verpassen will, sondern eher ein Nachfahre Diderots, der auf den Straßen von Paris aufklärerische Praxis vorexerziert.

Zwei Realitäten

Das Zusammentreffen war rein zufällig. Des Morgens, vor Frühschoppen oder Sonntagskonzert ("Wir möchten Sie noch darauf hinweisen, daß Papst Paul VI.

Mit ernster schwarzer Ironie

Dieser Film ist die Geschichte eines Jungen namens Mischa... Die Themamelodie in Klaus Lemkes Film stammt aus dem McCartney-Beatle-Lied "Teddyboy": "This is the story of a boy named Ted.

FILMTIPS

"Antonio das Wortes", von Glauber Rocha. "Flesh", von Andy Warhol. "Der gewöhnliche Faschismus" (1965), von Michail Komm. Reprisen: "Jesse James" (1939), von Henry King.

Was der Fiskus einmal hat...

Kaum wurde in Bonn über Steuererhöhungen gesprochen, da wurde auch schon die Begehrlichkeit der Länderfinanzminister geweckt.

Möllers gewagte Spekulation

Der kurze Warnstreik von 1000 Ford-Arbeitern gegen die Steuererhöhungen hat gewirkt: Die Gewerkschaftsführer sind nervös geworden.

Italien: Ewige Pleite am Tiber

Die Römer feiern das hundertjährige Jubiläum ihrer Stadt als Metropole Italiens, obwohl sie keinen Grund zum Feiern haben: Rom ist praktisch pleite.

NAMEN

Udo Herndl (genannt "Hertie-Knacker") diente der Berliner Justiz und der deutschen Versicherungswirtschaft als Versuchskaninchen.

Schweden zahlen am meisten

Sehr unterschiedlich belasten die Staaten ihre Bürger mit Abgaben. Dabei ist es nur natürlich, daß in Ländern, in denen der Staat große Gemeinschaftsaufgaben übernommen hat, die Bürger entsprechend mehr zur Kasse gebeten werden, Schweden mit seinem vorbildlichen Sozialsystem führt die Liste an.

ZEITRAFFER

Die US-Regierung hat dem Kongreß einen Plan zur Sanierung der amerikanischen Eisenbahngesellschaften vorgelegt. Als erste Maßnahme soll der Kongreß einen 750-Millionen-Dollar-Kredit genehmigen, damit weitere Zusammenbrüche vermieden werden und bei der Penn Centrat der Betrieb weitergeführt werden kann.

Wohnungsbau: Die neue Neue Heimat

Die Unternehmensgruppe Neue Heimat (NH), Deutschlands größtes Wohnungs- und Städtebauunternehmen, hat sich dem "Zug der Zeit" angepaßt und lebt nun in Form einer Großfamilie.

Deutsche Werften: Top-Manager verlassen die Schiffe

Vier leitende Männer des deutschen Großschiffbaus haben einen "ehrenvollen Abschied" erhalten. Bei Blohm & Voss AG, Hamburg, wechselt das bisherige Vorstandsmitglied Freiherr von Werthern in den Aufsichtsrat der Gesellschaft, Vorstandsmitglied Joseph H.

Konjunkturprognose: Der meiste Mist

Wenn Bonns Konjunkturpolitiker wieder einmal vor der Frage stehen "Handeln oder Nichthandeln?", dürfen sie auf höchst wissenschaftliche Erkenntnisse zurückgreifen.

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