DIE ZEIT

Flucht hinter den Mond?

Neil Armstrong, der erste Mensch, der seinen Fuß auf die Oberfläche des Mondes setzte, ist enttäuscht. Die Welt hat ihm und seinen Apollo-11-Kameraden am 20.

Europäischer Anlauf

Wohl keine internationale Konferenz des Westens in jüngerer Zeit hat eine so durchschlagende Wirkung hinterlassen wie das Haager Gipfeltreffen der sechs EWG-Regierungschefs im vergangenen Dezember, und Bundeskanzler Brandt hatte einen ansehnlichen Anteil an dem Erfolg.

Der springende Punkt: Berlin

Walter Scheel ist wirklich nicht zu beneiden. Da tritt er am Sonntag die Reise nach Moskau an, wo die Verhandlungen schwierig genug sein werden, und nun steckt ihm daheim jeder noch eine besondere Auflage ins Gepäck.

"MiG-Kitzeln" als Luftsport

Fliegen macht Spaß. Der Deutsche Aero-Club registriert mehr als 40 000 begeisterte Luft-Sportler, und sie alle schwärmen von dem himmelstürmenden Erlebnis über den Wolken.

Ständische Demokratie

Mit Zweidrittelmehrheit forderte der Frankfurter SPD-Unterbezirksparteitag im Februar die Versetzung von Polizeipräsident Littmann in den Wartestand.

ZEITSPIEGEL

"Freie Mitarbeiter" der Washingtoner Polizei drücken wieder Schulbänke und besuchen Vorlesungen: Ihr höchster Chef, Polizeipräsident Jerry V.

PARIS:: Sowohl als auch

Frankreichs Zustimmung zur deutschen Ostpolitik und zur Moskau-Reise Scheels ist Anfang Juli in Bonn durch Staatspräsident Pompidou ausgesprochen worden.

LONDON:: Verständnis und Beistand

Die deutsche Ostpolitik interessiert außer einigen Experten im Foreign Office kaum jemanden sonst in England. Der neue Außenminister, Sir Alec Douglas-Home, hält sich in der Deutschlandfrage ans bewährte Alte.

WASHINGTON:: Ja – klar, aber zögernd

Auch in Washington hat Außenminister Scheel Rückendeckung für seinen bevorstehenden Gang nach Moskau erlangt. In einer Erklärung des State Department hieß es, die Vereinigten Staaten begrüßten die Bemühungen der Bundesrepublik um eine Normalisierung der Beziehungen mit dem Osten.

Chinesische Signale

Peking ließ vor einigen Monaten den französischen Botschafter Manac’h wissen, daß der Besuch einer "hochgestellten Persönlichkeit der Regierung" erwünscht sei.

Motor und Bremse

Fast unmerklich und von der Öffentlichkeit wenig beachtet ist in der FDP-Fraktion ein Mann, der in den letzten Jahren fast als abgeschrieben galt, wieder in eine politische Schlüsselstellung gerückt: Ernst Achenbach, der Vorsitzende des FDP-Arbeitskreises für Außen-, Deutschland- und Sicherheitspolitik.

Donner und Dampf

Die "politischen Pensionäre", wie Walter Scheel die Mitglieder und Anhänger der "National-liberalen Aktion" genannt hat, sind nicht willens, sich aufs Altenteil setzen zu lassen.

SED-Genossen klappern nach

Wer in der DDR ist B. Meier? Zur Ostseewoche 1970 in Rostock wurde ein Ausspruch dieser Persönlichkeit auf einer Schrifttafel zur Schau gestellt: "Die völkerrechtliche Anerkennung der DDR ist die einzige Alternative zur Lösung der gesamtdeutschen Frage und zur Erhaltung des Friedens in Europa.

Gerüchte aus dem Kreml

Monatelang kursierten in Moskau Gerüchte über bevorstehende Änderungen in der Kremlführung. Die westlichen Beobachter suchten im täglichen Kommen und Gehen der Politbüromitglieder nach Aufschlüssen.

Ellbogen reicht nicht mehr

Auch die Politiker müssen der Wissenschaft Tribut zollen. Die alte politische Standardausrüstung reicht dem Abgeordneten nicht mehr – ein gutes Gewissen, ein offenes Ohr fürs Volk, gesunder Menschenverstand und kräftige Ellbogen.

Wolfgang Ebert:: Die schweigende Mehrheit

Ist es schon fast unmöglich, ihre Mitglieder auch nur zu erkennen – manch einer, der sich schweigsam gibt, hat’s nur im Hals und von seinem Arzt Sprechverbot –, so ist es naturgemäß schwierig, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Schüsse auf Professor Klug

Ulrich Klug, Strafrechtslehrer in Köln, hat sich in den letzten Jahren in theoretischen Äußerungen und als Verteidiger vor Gericht als einer der engagiertesten Vorkämpfer der Liberalisierung des Strafrechts profiliert.

Man geht ins Abaton

Werner Grassmann ist ein bekannter Hamburger Filmemacher, der das scheintote Kino wieder zu neuem Leben erwecken möchte. Der Besucherschwund in den Kinos der Bundesrepublik, beweist Grassmann, sei nicht darauf zurückzuführen, daß die Menschen nicht mehr ins Kino gehen wollen, sondern darauf, daß sie in den Kinos nicht das zu sehen bekommen, was sie sehen wollen.

Offenes Haus – offene Schubladen

Zu Sechst bewohnen sie seit ein paar Wochen zwei Stockwerke in Bonns Hausdorffstraße 137: fünf Mitglieder der SPD-Bundestagsfrak-’ tion und ein Nicht-Abgeordneter.

Komische Katzen

Hinter dem Alexanderplatz, in den neuen Anlagen zwischen Rathaus und Marienkirche, kann man jetzt richtig schön Spazierengehen, obwohl noch mancher Sandberg und Bauzaun im Wege ist.

Foul von Franz

Sagen wir es rundheraus: Das Verhältnis zwischen der Hauptstadt des Freistaats Bayern und der freien Hansestadt Bremen ist getrübt.

Der Chef ist befangen

Als Benno Dietz, Vorsitzender des Contergan-Gerichts in Alsdorf, am frühen Morgen des 14. Juli 1970 in seiner Aachener Wohnung die Brötchen und die Ortszeitung an der Haustür an sich nahm, fiel sein Blick auf die Schlagzeile "Contergan-Richter verhandelte heimlich mit Grünenthal-Anwalt".

Dokumente der ZEIT

"Die Ergebnisse des Januar-Plenums des ZK der KPC von 1968 waren nicht zufällig und schon gar nicht eine Palastrevolution, sondern vielmehr der gesetzmäßige Höhepunkt eines langen Prozesses, durch den der Parteiorganismus eine alte Krankheit bekämpfte, nämlich die Abkehr vom Leninismus, die in der Politik der Parteiführung unter Novotny immer deutlicher geworden war.

Reise ohne die Opposition

Am kommenden Sonntag wird Bundesaußenminister Scheel mit 30 Mitarbeitern in Moskau erwartet, um am nächsten Tag mit seinem sowjetischen Kollegen Gromyko über einen Gewaltverzichtsvertrag zu verhandeln.

Entwicklungshilfe: Bonn ist Zweiter

Drei Jahre hintereinander konnte die Bundesrepublik ihre Entwicklungshilfe quantitativ und qualitativ so steigern, daß sie im Vorjahr – wie der Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Eppler, vor der Presse mitteilte – den zweiten Platz hinter den USA einnahm und sogar relativ, gemessen am Bruttosozialprodukt, führend war.

Tschechoslowakei: Attacke auf Dubcek

Der Widerstand der Bevölkerung gegen den neuen orthodoxen Kurs der tschechoslowakischen Kommunisten ist nicht erloschen. Dafür zeugt ein eineinhalb Seiten langer offizieller Artikel im tschechischen KP-Organ "Rude Pravo" (siehe auch Dokumente der Zeit) und dem slowakischen KP-Organ "Pravda", der eingestandenermaßen die immer noch "lebendige Legende" um Alexander Dub-ček durch "Darstellung der historischen Wahrheit" zerstören will.

Indochina: Rogers vorsichtig

Nach Ansicht des amerikanischen Außenministers Rogers gibt es augenblicklich keine Anzeichen für eine friedliche Beendigung des Indochina-Konflikts.

Großbritannien: Streit um Waffen

Der britische Außenminister Douglas-Home hat Anfang der Woche im Unterhaus die erwartete Wiederaufnahme der britischen Waffenverkäufe an Südafrika bekanntgegeben.

Raubdrucke unter Genossen

Dies ist, vereinfacht, der Sachverhalt: Mitte März beschließt ein "Spartakus-Kollektiv", von einem 400-Seiten-Bericht "Die Septemberstreiks 1969" des Instituts für Marxistische Studien und Forschungen (IMSF) einen Raubdruck herstellen zu lassen und zu vertreiben.

Der Aufstand gegen die Macher

Es handelt sich da um eine kurrente Idee, und sie hat Tradition: die Idee, daß auch im Bereich der Kommunikation jener Riß heilbar ist und geheilt werden muß, der die Menschheit wechselnd teilt in Unternehmer und Unternommene, Macher und die, mit denen etwas gemacht wird, Produzenten und Konsumenten, aktive Autoren und passive Empfänger, kurz: Herren und Knechte.

FILMTIPS

"Antonio das Mortes", von Glauber Rocha. "Flesh", von Paul Morrissey. "Der gewöhnliche Faschismus" (1965), von Michail Romm.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Die Ike-&-Tina-Turner-Revue ist nicht eine jener zahlreichen "Soul"-Bands, die ihr Niveau neuerdings mehr und mehr dem musikalischen Geschmack des weißen Mittelstandspublikums anpassen und um des kommerziellen Erfolges willen selbst die banalsten Klischees keimfreier Popmusik nicht mehr verschmähen.

Kunstkalender

Zeichnungen und Druckgraphik aus den letzten fünf Jahren, 354 Nummern verzeichnet Spielmanns Katalog. Nie hat Kokoschka den Wunsch verspürt, sich mit dem eigenen Werk, mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Keine Wohltat für Professoren

Eher kommt ein Kamel durchs Nadelöhr als ein Hochschulgesetz zum Wohlgefallen aller Interessentengruppen. Minister Leussink versucht es mit taktischem Geschick.

ZEITMOSAIK

Unser Mitarbeiter Horst Krüger hat für sein schriftstellerisches Gesamtwerk, insbesondere für seine Bücher "Das zerbrochene Haus" und "Deutsche Augenblicke" den Thomas-Dehler-Preis 1970 erhalten.

Ein Stiller im Lande

Ich lernte den Dichter Gustav Wesen auf einer Abendgesellschaft von Herrn Dr. h. c. Friedrich Rasp kennen, einem feinsinnigen h.

Südamerikanische Autoren geben Antwort

Aus vielerlei Gründen bat man bei uns lange gezögert, die lateinamerikanische Literatur zur Kenntnis, zu nehmen. Es schien manchmal, als ob die Spanier, die den Druck von Romanen in ihren amerikanischen Kolonien verboten, in den Verlegern ihre Nachfolger gefunden hätten.

KRITIK IN KÜRZE

"Ein Yankee in der Mark", Wanderungen nach Fontane, von Joachim Seyppel. Heines Harzreise, Fontanes Wanderungen, daran schließt dieses west-östliche Reisebuch an, "keine Landschaflsinventare, keine Baedekerbestandsaufnahmen; denn das Ganze ist doch sicherlich mehr als die Summe seiner Teile, im Detail erfaßt, ohne in diesem steckenzubleiben Aber warum ist der Nachvollzug von Spreeland-Fahrten, obgleich mit Akribie und zuweilen stilistisch fast brillant notiert, so ungleich spannungsloser und langweiliger als etwa Horst Mönnichs rein aufs Subjektive gestellter Bericht "Einreisegenehmigung"? Nur, weil sich die Vergleiche wiederholen, die Fontane-Anspielungen ermüden? Es ist ja sehr viel Gegenwart eingefangen und jüngste Vergangenheit.

Aufzeichnungen eines Wortkopfes

Selbstanzeigen sind, wie alle Äußerungen von Autoren zu ihren Werken, naturgemäß subjektiv..................................

Geliebter Castro

Für die meisten Bundesbürger ist Kuba kein Land, sondern ein politischer Begriff. Es gibt viele Bücher über die kubanische Revolution und ihre Bedeutung für Lateinamerika, aber wie der kubanische Alltag aussieht, wie die Kubaner heute leben, das weiß kaum jemand in der Bundesrepublik.

Zuckerbrot und Peitsche

Der Bundestagsabgeordnete Hans Dichgans gilt als unabhängiger Geist. Vor Wochen brachte er als Ergebnis einer Polenreise nach Hause, daß sich jenseits der Oder-Neiße-Grenze Polen aufhalten.

Fern sehen: Sachsen und Hippies

Als am Dienstag vergangener Woche Pilzkopf und Pop-Maid statt des "Mein schönes kurzes Leben" betitelten Spielfilms das Weihnachtsmärchen "Maria und Joseph im Hippieland" boten, ganz leise, wissen Sie, aber zugleich unterkühlt, so wie früher Carl Raddatz das machte, im Käutnerschen Stil: "In jenen Tagen", da lagen sie auch beieinand; als sie da spielten, so innig und herb, dem Geschmack des Herrn Pfarrers entsprechend, dem ein Beichtkind von Brechtscher Verfremdung erzählt hat – immer Ruth Schaumann, damit kommt man nicht mehr an heutzutage – als das Mütterlein weinte (aber nur wenig, eher im Hemingway-Stil: ganz verhalten) und das Pärchen, das sanfte unter den Tripperlein Flipperlein um sich herum, zum Meer hinausfuhr, bei Mondschein und Beat – schläfrig natürlich, slow motion, Trance und Trip – hinaus ans große graue Meer, wo dann, unfaßlich für uns, das Unglück passierte, als die Geschichte zu Ende und Maria wieder allein war, allein mit ihrem Gesang und den Herren der Kulturindustrie, denn Mischa, den Träumer, den hatten die Flammen verzehrt, als die schneegrauen Straßen versanken und die Scheibenwischer endlich doch nicht mehr wischten .

"Let It Be" – der letzte Beatles-Film: Ungewollt ein Schwanengesang

Am Anfang denkt man, das könnte ein schöner Film werden. Grobkörnige Bilder, von sechzehn auf fünfunddreißig Millimeter umkopiert, blasse Jugendstilfarben an den Wänden im Hintergrund des Studios, grün, violett; gelb, rot; dazu ein paar kräftigere Farbakzente durch die Kleidung der vier Beatles an ihren Instrumenten.

Wissenschaftszentrum: Keine Schwipp-Universität

Was in Berlin mit dem Wissenschaftszentrum passiert ist, verdient allerlei Namen, nur den der Wissenschaftlichkeit nicht. Der schieren Konfusion, die anscheinend zwangsläufig um sich greift, sobald sich die Wissenschaft mit der Politik einläßt, versuchte der Wissenschaftsrat jetzt mit seiner Beurteilung der Pläne ein vorläufiges Ende zu setzen.

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