DIE ZEIT

Die CDU denkt um

Mitte dieser Woche sah es so aus, als könnten die Moskauer Verhandlungen des Bundesaußenministers jeden Tag eine Unterbrechung sinnvoll erscheinen lassen – oder ziemlich unverhofft zu einer Einigung führen.

An die ZEIT-Leser

Wie das aussehen soll, zeigen Ihnen die Muster auf zwei Seiten dieser Ausgabe (S. 8 und 9). Wären dies alles "herkömmliche" Anzeigen, würden sie 16 Seiten der ZEIT füllen, ein Paket, das Ihnen, den ZEIT-Lesern, kostbare Zeit nehmen würde.

Die Kehrseite des Fortschritts

Giftige Smog-Wolken hingen über vielen Großstädten der Welt, vor allem über New York. Sydney in Australien lag unter einer Decke von Abgasen; am vorigen Sonnabend roch die Stadt nach faulen Eiern.

Cabora Bassa

Die Bundesregierung sieht zwar keine Notwendigkeit, die Bürgschaften für die deutschen Kredite zum Bau des Cabora-Bassa-Staudammes in Mozambique zurückzuziehen – aber sie hält es doch für unerläßlich, in Zukunft Projekte solcher Größenordnung nicht nur unter ökonomischen, sondern auch unter politischen Gesichtspunkten zu prüfen.

Zwischen allen Stühlen

Er sitzt, wie er selbst einmal sagte, in einem "großen weißen Haus auf Stelzen". Um diese Stelzen brandet der Verkehr der Kölner Innenstadt.

ZEITSPIEGEL

Kurt Georg Kiesinger ist nicht länger von gastronomischem Wert. Das "Kanzlerfrühstück à la Kiesinger das ein Hotel im hessischen Gersfeld anbot, ist auf der Speisekarte gestrichen und wieder als das deklariert worden, was es von Anfang an war: als Bauernfrühstück, bestehend aus Rührei, Bauernwurst und Brot aus der Rhön.

Die Wettermänner im Untergrund

In Kansas City wurden im Juli zwei Studenten festgenommen, von denen einer eine selbstgemachte Bombe bei sich trug. In Manhattan explodierten seit dem vergangenen Herbst mehrfach Sprengkörper in den Wolkenkratzer-Trutzburgen von Banken, Erdölfirmen und Versicherungsgesellschaften, eine sogar im New Yorker Polizeipräsidium.

Sie sagen "Ja" zu ihrem Staat

Drei Wochen bin ich kreuz und quer durch die DDR gefahren – auf der Suche nach den ostdeutschen "Realitäten". Ich habe festgestellt, daß dieses Land weder das ist, was sich noch immer viele im Westen darunter vorstellen, noch das, was der Propaganda-Apparat des Ulbricht-Regimes sich selbst und aller Welt einzureden versucht.

Mao als Vorbild

Verteidigungsminister Debré hat in den letzten Tagen mehrfach den dritten Fünfjahresplan für die französische Verteidigung erläutert.

Sturm im Pentagon

In den Korridoren des amerikanischen Verteidigungsministeriums verteilen die Amtsboten Akten und die Post auf Fahrrädern. Zu Fuß würden sie zuviel Zeit für die langen Strecken brauchen.

Wolf gang Ebert:: Zeiträuber

Kanzler Brandt war neulich 37 Minuten und 12 Sekunden länger beim Papst als im Protokoll vorgesehen; dadurch zur Höchstleistung angespornt, konnte Scheel seine Nixon-Protokollzeit um elfeinhalb Minuten verlängern.

Noch kein Friede

Es mutet schon fast wie ein Wunder an, aber der Schein trügt nicht: Die nahöstliche Szene hat sich grundsätzlich gewandelt. Bleibt auch ein respektabler Rest an Skepsis und berechtigter Vorsicht, so ist doch zweierlei bemerkenswert: zum einen, daß sich die Hauptkontrahenten des Konfliktes entschlossen haben, zu reden statt zu schießen, indem sie die Friedensinitiative des amerikanischen Außenministers Rogers generell akzeptierten; zum anderen, daß sie sich bei diesem Entschluß über ihre Kritiker und Widersacher im eigenen Lager hinwegsetzen.

Moskaus Motive

Vieles ist auch nach zehntägigen Verhandlungen zwischen den Außenministern Walter Scheel und Andrej Gromyko noch ganz ungewiß, über eine Frage jedoch besteht unter den westlichen Beobachtern in Moskau kaum noch ein Zweifel: Die Russen sind wirklich am Zustandekommen eines Vertrages mit Bonn interessiert.

Mini oder Maxi?: Front der bloßen Beine

Marie-Louise Hoppe ist 25 Jahre alt, verheiratet und von Beruf Sekretärin. Über ihre unverhüllten Beine möchte sie die deutsche Modeindustrie stolpern lassen.

Geprellt, gefoppt und verschaukelt

Sie fühlen sich geprellt, gefoppt, verschaukelt, die Bewohner des Münchner Stadtteiles Lehel, sie sind aufgebracht gegen "die Stadt", denn sie fürchten, daß ihnen, wie ein Architekt es ausdrückt, "das Haus unter dem Fernsehsessel abgebrochen wird".

Schonzeit vorbei

Sollte die Bremer Universität eines Tages wirklich Wirklichkeit werden, so richtig mit Fenstern und Türen und Hörsälen, dann kann dies nach dem Stand der Dinge von Anfang August 1970 nur als ein glücklicher Zufall gelten.

Irland: Heißer Sommer

Die Hoffnungen auf einen ruhigen Sommer in Nordirland haben sich nicht erfüllt. Das vergangene Wochenende brachte nach einer kurzen Ruhepause seit den Orange-Umzügen vom 12.

Dokumente der ZEIT

"In diesen Tagen sind es 25 Jahre her, seit in Potsdam die historischen Beschlüsse gefaßt wurden, die den gewaltigen Befreiungskampf der Völker der alliierten Mächte und aller krönten, die ihren Beitrag zur Niederlage des deutschen Faschismus geleistet hatten.

Verhandlungen in der "Schlußphase"

Die Moskauer Verhandlungen zwischen den Außenministern Scheel und Gromyko befinden sich nach den Worten des stellvertretenden Regierungssprechers von Wechmar in ihrer "Schlußphase".

Spanien: Welle von Protesten

Die Schüsse von Granada, wo Polizisten Ende des vergangenen Monats drei demonstrierende Bauarbeiter erschossen, haben in Spanien eine Welle von Protesten, Streiks und regierungsfeindlichen Aktionen ausgelöst.

Italien: Ende der Krise?

Ein Ende der italienischen Regierungskrise ist abzusehen. Der amtierende christlich-demokratische Schatzminister Colombo, der nach den Scheitern seines Parteifreundes Giulio Andreotti von Staatspräsident Saragat mit der Regierungsbildung beauftragt worden war, äußerte sich sehr optimistisch zu der Möglichkeit, eine neue Regierung der Linken Mitte zustande zu bringen.

Athen will "neue Presse"

"Das neue politische Leben kann nicht mit der alten Presse herbeigeführt werden!" Mit diesen Worten kündigte der Athener Regierungssprecher Georg Georgalas neue Richtlinien für die griechischen Zeitungen an, denen er eine ganze Reihe schwerwiegender Fehler vorhielt: angefangen von Halbwahrheiten, Irrtümern, Falschmeldungen, "Beharren im Geiste der Jahre vor 1967" bis zu bewußten Verdrehungen und Verleumdungen.

Rauch-Zeichen

In seinem Aufsatz "Der "Partisanenkampf" schrieb Lenin 1906: "Die Frage der Anwendbarkeit eines bestimmten Kampfmittels zu bejahen oder zu verneinen versuchen, ohne eingehend die konkrete Situation der gegebenen Bewegung auf der gegebenen Stufe ihrer Entwicklung zu untersuchen, heißt den Boden des Marxismus völlig verlassen.

Die Prügelknaben schlagen zurück

Für das abenteuerlichste akademische Ereignis dieses Sommers haben nicht die Studenten und nicht die Politiker gesorgt, sondern die Professoren: Aus eigenem Antrieb haben sie ihr Podest verlassen, die Studenten ins zweite Glied verwiesen und den Politikern ins Gedächtnis zurückgerufen: "Ohne uns, gegen uns wird es keine gültige und bleibende Lösung geben.

Kunstkalender

Helmut Leppien hat der Kunsthalle das benachbarte Forum angegliedert, ein kleines Haus für aktuelle Darbietungen, wenn im großen Haus "Die Römer am Rhein" oder "Herbst des Mittelalters" gegeben werden.

SCHALLPLATTEN

Eddie Cochran blieb immer eine legendäre Figur für die Rockmusiker der zweiten Generation. Es gibt kaum eine bedeutende Gruppe der sechziger Jahre, die nicht irgendwann einmal von ihm beeinflußt worden wäre, und manche sind ohne ihn überhaupt undenkbar.

Fernsehen: Kampf der Interessen

Nein, sehr überzeugend sprachen sie nicht, die Herren Hennis und Scheuch, die – im Streitdisput mit ihren Widersachern von der Vring und Friedeburg – die Universität von heute eher emphatisch als argumentreich an der Universität von gestern und vorgestern maßen .

Immer Meer...

Das Meer, das gute, alte, von dem wir dank der Werbung wissen, daß es eine Riesenwaschkraft hat (es ist nämlich bioaktiv), dieses Meer, zu dem man, laut Salzreklame, "Ja" sagen soll, wie zu einer errötenden Braut, das Meer also war vier Wochen lang die Hauptattraktion des stern, indem es sich, fast einen Monat lang, über die Titelseiten kräuselte.

ZEITMOSAIK

Als erste Aktivität zum 500. Geburtstag Albrecht Dürers 1971 stellte der Münchner Heinz Moos Verlag vergangene Woche in der Nürnberger Buchhandlung und Galerie Edelmann fünfzehn Blätter eines Festkalenders vor: "Druckgrafik 71 – Hommage à Dürer".

Nekrologe in eigener Sache

Auch morbide Einfälle können höchst lebendige Folgen haben, das stellte sich heraus, als der Verlag Bärmeier & Nikel deutsche Literaten aller Art um Nachrufe auf sich selber bat.

Erinnerungen an Deutschland

A. S. Neill, der Grand Old Man der antiautoritären Erziehung, dessen (auf der folgenden Seite besprochenes) Buch zur Zeit in Deutschland ein Bestseller ist, hat seine ersten pädagogischen Erfahrungen in Deutschland gesammelt – hier erzählt er auf unprätentiöse Weise davon.

ZU EMPFEHLEN

Zwischen Kardinal Retz und François René de Chateaubriand steht als großer Memoirenschreiber der Herzog von Saint-Simon, der in hohem Alter jene vielbändige Chronik schrieb, die den französischen Romanciers von Balzac bis Proust als Vorbild und Inspiration gedient hat.

Was man nicht immer kann...

Es ist allemal gut und schön und nützlich, wenn sich die Quintessenz eines schöngeistigen Buchs in einem Satz, in einer einfach faßbaren Lebensweisheit zusammenfassen läßt.

KRITIK IN KÜRZE

"Groupie", Roman von Jenny Fabian und Jonny Byrne. Endlich hat der brave Bürger wieder Gelegenheit, seine Nase in den Underground zu stecken und den Duft der "duften", "irgendwie irren" "wahnsinnigen" "Pop-Szene" zu inhalieren: Jenny und Jonny machen es ihm möglich.

Unser Seller-Teller Juli 1970

England; Tomalin/Hall, "The Strange Voyage of Donald Crowhurst"; Stewart, "The Crystal Cave"; Charrière, "Papillon"; Bellow, "Mr.

Blaues Tuch und goldene Tradition

Die erste Konferenz mit den militärischen Abteilungsleitern des Bundesverteidigungsministeriums, 1956, begann Adenauer mit der Bemerkung: "Det muß ich Ihnen sagen, Herr Heusinger, de Uniformen von de Bundeswehr müssen attraktiver werden.

Das Ende der dicken Schiffe

Der Satz steht in einem Buch-, in das er nicht hineingehört; er lautet: "Die Staaten des westlichen Verteidigungsbündnisses sind immer weniger bereit, die notwendigen Kosten einer angemessenen Verteidigung ihrer Lebensinteressen zu tragen.

Bildungspolitische Woche in Bonn:: Leussink legt Tempo vor

Die Kritiker beginnen Hans Leussink und seinem Hause einiges abzubitten. Vergleicht man die Skepsis, mit der das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft und sein Chef noch im Frühjahr bedacht wurden, mit den Kommentaren, die nach der Konstituierung der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung am 29.

FILMTIPS

Sommerprogramme: Im Sommer geht man nicht ins Kino, weil die Verleiher und Kinoleiter seit undenklichen Zeiten glauben, daß man im Sommer nicht ins Kino geht, und deshalb nur Plotten herausbringen.

Zum Beispiel: Mieten

Mit nichts kann sich wohl ein Politiker gegenwärtig so leicht Popularität verschaffen wie mit lauten Schlachtrufen gegen "Bodenspekulation und Mietwucher".

Anschlag auf ein Monopol

Wenn die Bergarbeiter in Sudbury streiken, geraten westliche Industrienationen in Not. Denn die kanadischen Bergleute legen eine Einrichtung lahm, die auf den internationalen Rohstoffmärkten einzigartig ist: das Nickel-Monopol der kanadischen Firmen "International Nickel" (INCO), den großen Marktführer, und "Falconbridge", den kleinen Mitläufer.

Wortbruch

Die Bundesregierung in Bonn hat offensichtlich nicht nur einzelne schwache Stunden, in denen sie verspricht, was sie nicht halten kann.

REPORT AUS BONN

"Wie immer, das meiste ist Dichtung", meinte Herbert Ehrenberg, Ministerialdirektor und wirtschaftspolitischer Berater im Kanzleramt, über Berichte von Familienstreitigkeiten zwischen ihm und Kanzleramtsminister Horst Ehmke einerseits und Wirtschaftsminister Karl Schiller andererseits: "Auch das Verhältnis zwischen Ehmke und mir ist so herzlich wie immer.

Wißbegierig

Das berüchtigte goldene Bett, von einem schwarzen Potentaten aus Entwicklungsgeldern gekauft, ist erfreulicherweise eine Ausnahme.

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