DIE ZEIT

Tauziehen in der Opposition

Der Vertragsabschluß in Moskau hat die innenpolitische Situation in der Bundesrepublik verändert. Schon lange nicht mehr spürte man im Regierungslager so viel Optimismus; dort ist man mit dem Ergebnis der Verhandlungen hoch zufrieden.

Särge in der See

Überall redet man von der Bedrohung unserer Umwelt, am lautstärksten in Amerika. Doch, kaum hatte der US-Präsident Richard Nixon den Kongreß vor Katastrophen durch menschliche Kurzsichtigkeit gewarnt, da ist die amerikanische Armee dabei, eine solche Katastrophe zu provozieren.

Indiskretionen

Am selben Tage, an dem die deutsche Delegation nach Moskau abflog, veröffentlichten die Welt, die Bild-Zeitung und weitere Springer-Organe den Vertragstext.

Ein Anfang in Moskau

Es könnte sein, daß die Ära, in der Politik vorwiegend darin bestand, die rechte Qualität und die ausreichende Quantität an Waffen zu schmieden, nun vorüber ist.

ZEITSPIEGEL

"Die allgemeine Regel, daß man bei Gesprächen mit einem Höheren möglichst nicht beide Hände bis zu den Ellenbogen in den Hosentaschen vergraben, mit den Füßen scharren oder sich ungeniert am Kopf kratzen soll, wird beim Militär umgemünzt in die starre Form des Strammstehens.

Gottesmann, Reaktionär und Kraftprotz

Paisley liegt bei Glasgow. Der Bischof von Paisley ist katholisch, und der Abgeordnete des Wahlkreises ist ein Sozialist. Es hat sich einiges geändert in Schottland, seit die Vorfahren des Reverend Ian Paisley nach Irland übersetzten und dort mithalfen, das Zeitalter der Glaubenskriege zu verewigen.

Das Unbegreifliche blieb ohne Erklärung

Am Ende von Lebach stand ein Urteil, das die Öffentlichkeit zufriedenstellte: Mit der Entscheidung auf lebenslangen Freiheitsentzug ist hierzulande alle Strafgewalt ausgeschöpft.

Am Anfang: das Bahr-Papier

Die Bundesrepublik Deutschland und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken betrachten es als wichtiges Ziel ihrer Politik, den internationalen Frieden aufrechtzuerhalten und die Entspannung zu erreichen.

Fünfzehn Jahre nach Adenauer flog wieder ein Bonner Regierungschef nach Moskau. Gelingt diesmal die Anknüpfung?: Was der Kanzler unterzeichnete

Mit dem Moskauer Vertrag beginnt ein neues Kapitel der deutsch-russischen Beziehungen, Das Vertragswerk ist möglich geworden, weil beide Seiten gleichzeitig von ihren früheren Maximalzielen abrückten: von dem Beharren auf unverzüglicher Überwindung des Status quo die Westdeutschen, von dem Verlangen nach seiner sofortigen, uneingeschränkten und unwiderruflichen Anerkennung die Russen.

Am Ende: der Vertrag mit Moskau

"Die hohen vertragschließenden Parteien in dem Bestreben, zur Festigung des Friedens und der Sicherheit in Europa und in der Welt beizutragen, in der Überzeugung, daß die friedliche Zusammenarbeit zwischen den Staaten auf der Grundlage der Ziele und Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen den sehnlichen Wünschen der Völker und den allgemeinen Interessen des internationalen Friedens entspricht, in Würdigung der Tatsache, daß die früher von ihnen verwirklichten vereinbarten Maßnahmen, insbesondere der Abschluß des Abkommens vom 13.

Das Ei des Colombo

Fast philosophisch distanziert, doch zugleich entschlossen, das verwickelte Knäuel der italienischen Innenpolitik durch pragmatische Handgriffe etwas zu entwirren, hat sich Emilio Colombo, der 31.

Ostberlin schaltete spät

Der Abschluß der Moskauer Verhandlungen scheint Ostberlin verunsichert zu haben. Zwischen Paraphierung des Vertrags – durch Außenminister Scheel am vergangenen Freitag – und seiner Unterzeichnung – durch den Kanzler am Mittwoch dieser Woche – enthielt sich die DDR-Presse jeden Kommentars über die Moskauer Ereignisse.

Note an die Westmächte

Der Bundesminister des Auswärtigen hat im Zusammenhang mit den Verhandlungen den Standpunkt der Bundesregierung hinsichtlich der Rechte und Verantwortlichkeiten der vier Mächte in bezug auf Deutschland als Ganzes und Berlin dargelegt.

Brief zur deutschen Einheit

Im Zusammenhang mit der heutigen Unterzeichnung des Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken beehrt sich die Regierung der Bundesrepublik Deutschland festzustellen, daß dieser Vertrag nicht im Widerspruch zu dem politischen Ziel der Bundesrepublik Deutschland steht, auf einen Zustand des Friedens in Europa hinzuwirken, in dem das deutsche Volk in freier Selbstbestimmung seine Einheit wiedererlangt.

Eine Reise für die Zukunft

Philipp von Bismarck, Sprecher der Pommerschen Landsmannschaft, Bundestagsabgeordneter der CDU und Mitglied des Fraktionsvorstandes, Vorstandsmitglied der Kali-Chemie AG und des Deutschen Industrie- und Handelstages, berichtet für die ZEIT über seine Gespräche in Polen und sein Wiedersehen mit der pommerschen Heimat Er machte die Reise zusammen mit seinem Fraktionskollegen Ernst Müller-Hermann.

London will die Flagge zeigen

Die Tory-Regierung genießt derzeit einen Extrabonus ihres Wahlsieges im Juni: die dreimonatige Sitzungspause beider Häuser des Parlaments.

Ein erster Durchbruch

Im größeren Zusammenhang gesehen, kann die zwischen Israel, Jordanien und Ägypten zustande gekommene Waffenruhe vielleicht sogar jenen Durchbruch darstellen, der die USA dem von Präsident Nixon proklamierten Ziel für das Ost-West-Verhältnis näher bringt: nach einer Epoche der Konfrontation jetzt eine Ära der Verhandlungen.

Wolfgang Ebert:: Urlaubsstrategie

Dieser Urlaub ist sowieso beim Teufel", soll Kossygin gesagt haben, als man ihn fragte, warum er Brandt am liebsten etwas länger in Moskau behalten hätte – was ja Brandt wiederum aus Rücksicht auf das sowjetische Urlaubsbedürfnis ablehnte, wobei er wohl auch an seinen eigenen, schon reichlich verpfuschten Urlaub gedacht haben mag.

Washington: Schmidt bei Laird

Der Besuch von Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt bei seinem amerikanischen Amtskollegen Melvin Laird, der anfangs geheimgehalten wurde und auch später nur von spärlichen Informationen begleitet war, hat erneute Aufmerksamkeit auf das Problem der Stationierungskosten für die US-Streitkräfte in Europa gelenkt.

Dokumente der ZEIT

Von Anfang an haben wir die Bemühungen um die schnellere und vollständigere Vereinigung des freien Europa und die um Ausgleich mit den Staaten Mittel- und Osteuropas als Einheit angesehen.

Uruguay: Geisel ermordet

Die Ermordung des Ende Juli von den Tupamaros in Montevideo entführten nordamerikanischen Polizeiberaters Daniel Mitrione hat zur einer Verschärfung der innenpolitischen Situation in Uruguay geführt.

Vertrag von historischer Tragweite

Als ein Ereignis von historischer Tragweite ist in der Bundesrepublik und in vielen Ländern der Welt die Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Vertrages bewertet worden, zu der Bundeskanzler Brandt und Bundesaußenminister Scheel am Dienstag nach Moskau reisten.

Neues Stützpunktabkommen unterzeichnet

Unter Protesten der Opposition beider Länder unterzeichneten die Außenminister Spaniens und der USA, Lopez Bravo und Rogers, Ende vergangener Woche einen Vertrag, der den Amerikanern die Benutzung dreier Luftstützpunkte – Torrejon bei Madrid, Saragossa und Moron (zur Zeit außer Betrieb) – sowie der Marinebasis Rota für zunächst fünf Jahre zusichert.

Die Lehren aus Krieg und Frieden

Beim Lesen eines Romans, der vor mehr als hundert Jahren erschien, vergißt man leicht, daß er, als er erschien, schon in die Kategorie "historischer Roman" gehörte.

Doktor dringend gesucht

Doktortitel machen manchmal Leute, vor allem aber machen sie Wissenschaftler: Aus dem Reservoir der Doktoranden rekrutiert sich der wissenschaftliche Nachwuchs der Hochschulen.

Lehrstück über eine Revolution

Es wäre besser gewesen, meinte Premierminister Chaban-Delmas, man hätte noch ein, zwei Jahre gewartet. Und sprach von einem Film, der vor über fünf Jahren gedreht wurde, dessen Handlung dreizehn Jahre zurückliegt und der jetzt, acht Jahre nach Ende des Algerienkrieges, einen Skandal in Paris entfachte.

Kunstkalender

Erst muß man sich von dem Schock erholen, daß diese Gouachen wirklich von Calder stammen und nicht von irgendeinem Namensvetter; dann denkt man: das Hobby eines Bildhauers, der so hoch steht, daß er auf sein Image nicht mehr die geringste Rücksicht zu nehmen braucht.

ZEITMOSAIK

Die Abschaffung des lange bekämpften Schulbuchparagraphen rückt in Sicht: Die Fraktionen der SPD und der FDP brachten jetzt eine Novelle zum Urheberrechtsgesetz in den Bundestag ein.

Ganghofer-Gedenken in Berchtesgaden:: O du mein Alpenglühen!

Überwältigt vom Anblick einer romantisch zerklüfteten Schlucht, steigt in dem sentimentalisch naturbegeisterten Städter auf Seite 21 unten das bekanntermaßen überwältigende Gefühl des Erhabenen empor, das sich dann auf Seite 22 oben mit einem "Ausruf der Überraschung" Luft macht: Ludwig Ganghofer hat hier – im "Jäger von Fall" (zitiert nach der Taschenbuchausgabe bei Droemer/Knaur) – an Hand der Figur Benno Harlanders das Klischeeverhalten des gebirgsseligen Touristen treffend charakterisiert.

FILMTIPS

"Ein Mann, den sie ‚Pferd‘ nannten", von Elliot Silverstein. Ein Weißer fällt in die Hände von Indianern, die ihn zuerst als Lasttier gebrauchen.

Getreu den Idealen der Nation

Als "Geschenk der nationalen Regierung" an die griechische Jugend veröffentlichte ein Athener Schulbuchverlag 1969 ein Lehrbuch mit dem Titel "Agogi tou polítou", zu deutsch: "Die Erziehung des Bürgers.

Fernsehen: Mord und Mythos

Es ging um My Lai: Gezeigt wurden die Auswirkungen eines Massakers (Auswirkungen auf den amerikanischen Seelenhaushalt), das am 16.

Eins mit seinen Gegnern?

Vor rund zwei Jahren erhielt ich einen Brief aus Perm, einer Gebietshauptstadt der Sowjetunion, die westlich des mittleren Urals an der Kama liegt und 1939 eine Viertelmillion Einwohner hatte.

KRITIK IN KÜRZE

"Der andere Teil Deutschlands in Schulbüchern der DDR und der BRD" von Horst Siebert. Während in den Staatsbürgerkunde-Büchern der DDR die BRD als Schrecksymbol des Kapitalismus Sympathien für das dortige System erwecken soll und mag, ruft hierzulande die undifferenzierte Gleichsetzung von Nazismus und DDR-Sozialismus wohl nur noch bei Zwergschülern gläubiges Schaudern hervor.

Unglück im Leben, Unglück im Tod

Wenig kann einen so ärgern wie geschluderte Ausgaben. Selbst das mißlungenste Originalwerk noch hat seine Daseinsberechtigung.

Wie sterben wir morgen?

Die 37 in diesem Buch zitierten Künstler reden nicht von oder zeichnen und collagieren nicht Architektur, wie wir sie verstehen, das Haus, das Gebäude hier, soundso viel Stock hoch, Mietpreis, Müllabfuhr eingeschlossen.

Eine (deutsche) Bank, zwei Geschichten

Der Verfasser, angesehener Bank- und Wirtschaftshistoriker sowie Archivar eines erst in Anfängen wieder vorhandenen Archives der Bank, schrieb sie "im Auftrage des Vorstandes der Deutschen Bank".

Die Auto-Heiligen: Meiden Sie den Süseler Baum

Das Bedürfnis nach neuen Schutzheiligen war in diesem Sommer besonders groß. Nachdem der heilige Christopherus aus dem Kalender der Heiligen auf Grund eines vatikanischen Machtwortes gestrichen wurde, saßen die Autofahrer recht verloren hinter dem Steuer.

Nicht an Ausländer

Bei uns Deutschen liegt das eben so in unserem Wesen", erkannte die späterblondete "Tierfreunde"-Präsidentin in Frankfurt, Frau Raab, "wir sind hier eben doch gesetzestreuer, genauer und haben das richtige Verhältnis zum Tier.

Aus der DDR: Agitprop in Cecilienhof

Tausende von Besuchern strömen Sonntag für Sonntag ins Potsdamer Schloß Cecilienhof, den ehemaligen Landsitz des letzten Hohenzollern-Kronprinzen, wo am 17.

Schwarzer Himmel

An vier Tagen, am 18. und 25. August, am 1. und am 8. September, soll der Himmel über der am meisten befahrenen Autobahn zwischen Merklingen und Ulm schwarz sein.

Lübecks Intendant und die Kritik: Gänsefüßchen für Journalisten

Karl Vibach, Lübecks Intendant, hält unliebsame Kritiker für ein "Phänomen", dem er keinerlei Realität zubilligen möchte. Er hat, wenn schon sonst nichts, aus den letzten Jahren die Erfahrung gezogen, daß sich unbequeme Sachverhalte durch nichts besser aus der Welt schaffen als durch Philosophie – indem man ihren Realitätsgehalt semantisch und damit an der ontologischen Wurzel in Zweifel zieht.

Abroad • Del extranjero • De l’étranger : Grass verärgert London

Die Londoner Kritik ist dieser Tage in eine für sie ungewohnte Verlegenheit versetzt. Es geschieht zum Beispiel nicht oft, daß Londons prominentester Rezensent, Harold Hobson, mit seinem Kollegen Jack Sutherland übereinstimmt: Hobson schreibt für die konservative Sunday Times die dem Zeitungskonzern des Multimillionärs Lord Thompson angehört, und Sutherland bespricht Kulturelles für das einzige kommunistische Organ Englands, den Morning Star, der sich wie sein Vorgänger, der Daily Worker, nur mit Mühe über Wasser hält.

SCHALLPLATTEN

Als um die Jahrtausendwende die abendländische Kunstmusik ihren entscheidenden Schritt von der Ein- zur Mehrstimmigkeit tat, lag das Zentrum der damaligen Avantgarde in Paris.

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