DIE ZEIT

Washington hält sich zurück

In Washington ist die Anregung Bundeskanzler Willy Brandts zu einem westlichen "Gipfeltreffen" lauwarm aufgenommen worden. Der Vorschlag hätte vorher ausgelotet werden müssen, statt vorzeitig publik gemacht zu werden, um eine stärkere Resonanz zu finden.

Kraftprobe für die Opposition

Der Moskau-Besuch hat die internationale Reputation des Kanzlers erhöht und die Stabilität seiner Regierung gefestigt. Die Opposition ist mit ihrem erbitterten Widerstand gegen den Vertrag über Gewaltverzicht und Anerkennung der Grenzen vollkommen aufgelaufen; der noch vor wenigen Wochen in einigen Köpfen von Politikern der CDU und CSU spukende Gedanke, die Regierung im Handstreich zu stürzen, hinterläßt selbst in der Opposition nur noch einen schälen Nachgeschmack.

Kleinlicher Zwist

Als gäbe es nicht genügend Ansatzpunkte für die prinzipielle Auseinandersetzung um die Ostpolitik – jetzt wird die Situation auch noch durch kleinlichen Zwist verschärft.

21. August

Als vor zwei Jahren, am 21. August 1968, russische Panzer in Prag die Ideen und Reformen freiheitlicher Kommunisten niederwalzten, da glaubten wir, dieses Ereignis sei für immer in das Bewußtsein aller Menschen eingebrannt.

Ende des Wettlaufs?

Die zu Ende gegangenen Wiener Geheimverhandlungen der beiden Weltmächte über eine Begrenzung ihrer strategischen Kernwaffen (SALT) lassen die Amerikaner auf den baldigen Abschluß eines ersten Abkommens hoffen.

Halb Briefträger, halb Schiedsrichter

Als bekannt wurde, daß Gunnar Jarring seine Nahostmission wieder aufnehmen werde, stöberten Stockholmer Journalisten den schwedischen Diplomaten in seinem Ferienhaus auf.

ZEITSPIEGEL

Die Bayernpartei hat den Landtagswahlkampf eröffnet. Vor dem "Bayernbund" in München forderte Landtagskandidat Alto Schweiger eine "echte bayerische Selbstdarstellung".

Prags neue Zwingherren

Der bedeutendste Wirtschaftsreformer Prags klagt an: Der Kommunismus Moskauer Prägung läßt alles Leben erstarren

Gibt es noch Unzucht?

Die Reformer des Strafrechts haben sich jetzt ein besonders heikles Thema vorgenommen: die Sexualdelikte und die Straftaten gegen Ehe und Familie.

Kein Nein – nur Widerspruch

Innenpolitisches Störfeuer begleitete die von Staatssekretär Bahr in Moskau geführten deutsch-sowjetischen Verhandlungen. CSU-Vorsitzender Franz Josef Strauß und CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender Rainer Barzel bezogen wiederholt kritische Stellung zu diesen Entspannungsbemühungen.

Wolfgang Ebert:: Friedensangst

"Wenn Sie mich fragen: der Nahe Osten. Dabei hatten wir auf den besonders große Hoffnungen gesetzt. Man nannte ihn ein Pulverfaß.

Wer dirigiert die Post?

Die Bundespost soll ein selbständiges Unternehmen unter Regierungsaufsicht werden, das nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt wird.

Belfast vor der Wende

Im nächsten Jahr feiert die Ulster Unionist Party ein einzigartiges Jubiläum: Sie ist in Nordirland ein halbes Jahrhundert an der Macht.

Die jüngste Sex-Partei: Alle sind dafür

Von Lippenbekenntnissen in Sachen Sex hat St. Paulis Strip-tease-König René Durand endgültig genug – nun sollen andere Organe in Aktion treten, und zwar auf Parteiebene: Der gescheiterte Chef des "Erotic-Theaters" auf der Großen Freiheit gründete die "Sexual-liberale Aktion", Deutschlands zweiten Lustbund nach der "Deutschen Sex-Partei".

Mißton im Sender

Die Rundfunkanstalten des Südwestens haben sich auf ein neues gemeinsames Sendezeichen geeinigt: "Da streiten sich die Leut’ herum, den lieben langen Tag, der eine heißt den andern dumm.

Schwierige Vorverhandlungen über Nahost

Die israelisch-arabische Waffenruhe ist bereits mehrfach gebrochen worden. Während ein israelischer Luftangriff auf Stellungen der jordanischen Armee am Jordan, von denen aus nach israelischer Darstellung Guerillaaktionen unterstützt wurden, vom israelischen Oberkommando bekanntgegeben wurde, herrscht bislang noch keine Klarheit über die angebliche Verletzung der Waffenruhe durch Ägypten.

USA versenkten Raketen

Ein Expertenteam der amerikanischen Marine hat am Dienstag, 450 Kilometer östlich von Kap Kennedy, den ausgedienten Frachter "Lebaron Rüssel Briggs" mit 12 540 Nervengasraketen an Bord versenkt.

Dokumente der ZEIT

"Der Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik begrüßt den erfolgreichen Verlauf der Verhandlungen der Regierungen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und der Bundesrepublik Deutschland und den zwischen den beiden Staaten am 12.

SALT: Anlaß zu Optimismus

Mit einem gemeinsamen Kommuniqué und einer anschließenden öffentlichen Schlußzeremonie im Marmorsaal des Wiener Belvedere beendeten die amerikanische und sowjetische Delegation am Wochenende die zweite Runde der Gespräche über eine Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT).

Nordirland: Hoffnung auf Ruhe

Die schweren Regenfälle haben in Nordirland im wahrsten Sinne des Wortes zu einer Abkühlung der Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten geführt und zugleich bewirkt, daß die Bevölkerung die zur Hilfe eingesetzten Truppen jetzt mit freundlicheren Augen betrachtet.

Uruguay: Suche geht weiter

Die Regierung von Uruguay hat sich in Washington für eine Sondersitzung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) eingesetzt, auf der gemeinsame Schritte gegen politische Entführungen in Lateinamerika beraten werden sollen.

"Tag der Heimat": Geld gesperrt

Um die traditionelle Vertriebenenveranstaltung "Tag der Heimat" ist es zwischen dem Berliner Landesverband der Vertriebenen und Berlins Regierendem Bürgermeister Schütz zu einer heftigen Kontroverse gekommen.

Bonn informiert Verbündete

Die Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Vertrages in Moskau ist von den meisten Staaten des Westens und des Ostblocks als positiver Schritt zur Festigung des Friedens gutgeheißen worden.

Bitte zahlen zu dürfen

Für mich ist es vordringlich", erklärte Minister Leussink im Dezember bei einem seiner ersten Auftritte vor dem Bundestag, "daß wir im neuen Jahr anfangen können zu arbeiten und daß wir durch juristische Überlegungen und verfassungsrechtliche Überlegungen mindestens nicht daran gehindert werden, etwas zu tun.

Über das gesunde Fühlen

Fernando Arrabal, der im französischen Exil lebende spanische Dramatiker, hat ein Buch veröffentlicht, das traumatische Visionen sexueller Ängste, Lüste und Pervertierungen enthält; Sonette, die eine schwüle, spanische Metaphorik aus Selbsterniedrigung und Selbstvergottung schlagen; Gemälde, die – nach Entwürfen von Arrabal ausgeführt – an die herausfordernden Selbstdarstellungen und die allegorischen Traumlandschaften des frühen Dali erinnern; schließlich und endlich enthält das Buch vor allem Aufnahmen von Arrabal: Arrabal, der sein erigiertes Glied immer wieder dem Betrachter entgegenhält – Aufnahmen, deren Reihung oft an Andy Warhol geschulte Serieneffekte hervorrufen will, Bilder, die obszön-direkt sind, weit entfernt von jeglichem "Jasmin"- oder Kolle-Glamour, wo man ja stets den Eindruck gewinnt, die sexuelle Praxis hänge unmittelbar mit Nivea-Creme-Reklamen, mit "Schöner-wohnen"-Interieurs zusammen, sei vor allem eine Erfindung der werbenden "It’s a wonderful Life"-Farbphotographie.

Aufklärung – nicht über Haschisch

Wort und Begriff "Aufklärung" sind heruntergekommen seit den Tagen Diderots und Lessings. Die Vokabel "Scheißaufklärung" ist überfällig im Wortschatz der liberalen Beschimpfer.

Harpprechts Text:: Unter der Gürtellinie

Wir haben das häßlichste Buch des Jahres anzuzeigen. Es ist zwar in Silberfolie gebunden, reich illustriert und vom Verlag mit einem Verpflichtungsschein versehen, der dem Bezieher die Versicherung abfordert, er habe das 21.

ZEITMOSAIK

Mit Bach, Beethoven, Mozart und anderen klassischen Genossen geht es abwärts auf dem amerikanischen Schallplattenmarkt: Von einem Marktanteil von 12 Prozent im Jahre 1960 rutschten sie, von den Beatles, den Stones und anderen Pop-Musikanten hart bedrängt, auf 5 Prozent im Jahre 1969.

,,Zimmer-Luft" oder Äther für alle?

In der ZEIT vom 24. Juli 1970 hat Dieter E. Zimmer sich mit der Genesis und den Konsequenzen einer unter den Linken kursierenden Idee beschäftigt: mit den Chancen und Möglichkeiten, die Arbeitsteilung auf dem Gebiet der elektronischen Massenkommunikationsmittel aufzuheben.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Hey, baby, jump over here / When you do the ooby-dooby / I gotta be near. Verse wie diese definierten Ende der fünfziger Jahre den selbstverständlichen Narzißmus und die Begeisterung der Transistor-Kultur mit ihren zahllosen Modetänzen wie Swim, Watusi, Hullygully.

Fernsehen: Ein Un-Gespräch

Ja, es war richtig, daß die ARD am Abend des 12. August, sieben Stunden nach der Unterzeichnung des Vertrags mit der Sowjetunion, den Hofbericht aus dem Haus Öetker auf den späteren Abend verschob, den national gesonnenen Konzernherrn (und so bescheiden dabei; man stelle sich vor, der Mann wohnt in einem Gärtnerhaus und ißt in der Küche) erst zu vorgerückter Stunde sein Loblied auf die Ordnung (welche, war leicht zu erraten) anstimmen ließ und statt des Schwanks aus Bielefeld zunächst eine Diskussion über den Vertrag und seine möglichen Folgen zur Darbietung brachte.

Kunstkalender

Peter Ackermann, der sich vor allem mit dem Thema Architektur beschäftigt, hat abwechselnd bei den Jungen Berliner Realisten und bei den Berliner Phantasten ausgestellt, als Hospitant, er gehört nämlich weder zu den Realisten, auch wenn er einmal das Brandenburger Tor als Motiv wählt, noch zu den Phantasten.

Ein Profi des kritischen Geschäfts

So erfreulich die Fontane-Renaissance in beiden Teilen Deutschlands auch ist, so sicher scheint es mir, daß jetzt – wie fast immer bei derartigen Wiedergutmachungsaktionen – das Pendel nach der anderen Seite ausschlägt: Der, den man noch gestern verkannt oder bagatellisiert hat, wird heute allzu leichtfertig verherrlicht.

Janssens zweiter Auftritt

Horst Janssen hat keine Eile, läßt sich nicht drängen, weder im Positiven noch im Negativen beeinflussen, kann es verkraften, einerseits ein Genie und andererseits ein stark überschätztes norddeutsches Lokaltalent genannt zu werden, weiß genau, was los ist im Kunstbetrieb, aber noch besser, was er selber kann und will und wann die Zeit reif ist für seinen Auftritt.

KRITIK IN KÜRZE

"Der Seemann, der die See verriet", Roman von Yukio Mishima. Noboru, ein dreizehnjähriger Knabe, beobachtet durch ein Guckloch im Wandschrank, wie seine schöne Mama, die Witwe Fusako, es mit einem sympathischen Seeoffizier namens Ryuji treibt.

Serbische Nebenhimmel

Vasko Popa, geboren 1922 im serbischen Banat, heute Lektor in einem großen Belgrader Verlag, ist inzwischen weit über die Grenzen Jugoslawiens hinaus bekannt geworden.

Die pädagogische Herausforderung

Gegenüber dem geläufigen Vorurteil sei betont: Erziehung ohne Autorität ist möglich... Durch das höchst bemerkenswerte Experiment der Kinderläden hat sich gezeigt, daß unsere gesamte gesellschaftliche und pädagogische Autoritätsauffassung eine antiquierte Ideologie darstellt .

Wie frei ist die Presse?

Die Bonner Politiker haben bisher kein Gesetz in Sachen Pressekonzentration zustande gebracht. Ihr Alibi ist nicht schlecht: Das Problem sei noch nicht genügend erforscht, heißt es.

Zum Tod von Bernd-Alois Zimmermann: Der explosive Asket

Die romantischen Legenden, die sich um Mozarts Requiem und seinen Tod ranken, möchte man nur ungern auffrischen, am allerwenigsten im Zusammenhang mit dem Ableben eines Komponisten, der seine philosophischen Überlegungen stets mit mathematischen Begriffen absicherte, dem kein Gefühlsausbruch unterlief, der nicht von einem intellektuellen Impuls gesteuert war.

FILMTIPS

Im Fernsehen: "Mr. und Mrs. Smith" (1941), von Alfred Hitchcock. Nachdem sie erfahren haben, daß ihre Ehe eines Formfehlers wegen ungültig ist, beschließen Mr.

Müssen alle Mieter zittern?

Demonstrationen beweisen: Die Entwicklung am Wohnungsmarkt wurde zum "größten öffentlichen Ärgernis

So schnell rollt der Rubel nicht...

Die Euphorie an der Börse dauerte nur wenige Tage. Die Kurse der Aktien führender deutscher Maschinenbauunternehmen, in Erwartung großer Ostaufträge "hochgejubelt", sind inzwischen wieder auf den Stand vor der Unterzeichnung des deutsch-russischen Vertrages zurückgefallen.

Heinz Michaels:: Nicht gefragt und doch gefeuert

In Krefeld werden etwa 2000 Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren. Beim dortigen Arbeitsamt sind jedoch 10 000 offene Stellen registriert; fünf neue Arbeitsplätze für jeden, der von der Phrix nun einen blauen Brief bekommen wird.

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