Die Regierung von Uruguay hat sich in Washington für eine Sondersitzung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) eingesetzt, auf der gemeinsame Schritte gegen politische Entführungen in Lateinamerika beraten werden sollen. Die kompromißlose Haltung Präsident Pacheco Arecos, der Verhandlungen mit den Tupamaros, den uruguayischen Stadtguerilleros, rigoros verweigert, wird unter den lateinamerikanischen Ländern nur von Brasilien und Bolivien abgelehnt, die bei Entführungen die Bedingungen der Terroristen erfüllt hatten.

Die Regierung in Montevideo räumte nach der Ermordung des amerikanischen Polizeiberaters Dan Mitrione dem Präsidenten eine Sondervollmacht für 20 Tage ein, um uneingeschränkt die bisher ergebnislose Suche nach dem ebenfalls entführten brasilianischen Konsul Dias Gomide und dem amerikanischen Agrarexperten Claude Fly durchzuführen. Dabei nahmen die 14 000 Soldaten bisher etwa 60 Verdächtige fest, von denen 26 nachweisbar Verbindungen zu den Tupamaros hatten. Umstritten ist die Echtheit eines Kommuniqués, nach dem der Regierung ein Ultimatum über die Freilassung der 183 politischen Gefangenen im Austausch gegen den brasilianischen Konsul gestellt wurde. Falls das Ultimatum nicht eingehalten wird, drohen die Tupamaros mit seiner Hinrichtung. Dagegen meldete eine argentinische Zeitung, das Revolutionsgericht der Tupamaros habe beschlossen, die beiden Entführten mit der Begründung freizulassen, der Konsul habe persönlich eine „reine Weste“, und Fly nütze der uruguayischen Landwirtschaft.

Uruguay will, wie gestern in Montevideo verlautete, bei der Bundesregierung gegen kritische Äußerungen des deutschen Botschafters in Brasilien, von Holleben, zur starren Haltung der uruguayischen Regierung protestieren.