Washington, im August

Am Sitz der Vereinten Nationen in New York haben drei Wochen nach der Ausrufung des Waffenstillstands die Verhandlungen über eine Nahost-Regelung begonnen. Doch, schon jetzt steht fest: Sie werden genauso schwierig sein wie die Versuche, in Vietnam zum Frieden zu kommen.

Schon der Start der Gespräche war nur durch einen Kompromiß möglich geworden: Die Israelis verlangten erst direkte Beratungen mit den Arabern, geführt durch die Außenminister, fanden sich aber schließlich doch bereit, fürs erste auf Botschafterebene, mit dem UN-Vermittler Jarring als Kontaktstelle, zu beraten. So hatten es Ägypten und Jordanien gefordert; Israel gab nach langem Zögern nach. Zunächst einmal, so scheint es, ist die unmittelbare Kriegsgefahr gebannt.

Viel Zeit freilich bleibt Jarring nicht mehr. Die Verhandlungen stehen unter dem Druck der Neunzig-Tage-Frist für die Feuereinstellung. Da jeder der Beteiligten weiß, daß in den noch verbleibenden zehn Wochen kein Friedensvertrag geschlossen werden kann, geht es zunächst um eine unbegrenzte Verlängerung des Waffenstillstandes – etwa in der Form, daß er in Kraft bleibt, solange verhandelt wird, und daß solange verhandelt wird, wie er andauert.

Jarring wird dann versuchen müssen, daß sich Israelis und Araber äri einen Tisch setzen, um die wichtigsten Streitfragen zu lösen:

  • den Rückzug der israelischen Truppen aus den besetzten Gebieten und die Grenzziehung,
  • die friedensvertragliche Regelung mit der uneingeschränkten Anerkennung Israels und seiner gesicherten Existenz durch die arabischen Nachbarn und
  • die Lösung des Flüchtlingsproblems, etwa, durch die Bildung eines palästinensischen Pufferstaates.

Eine Nahost-Regelung erfordert jedoch noch mehr: die Verständigung der beiden Großmächte darüber, wie sie im Fall einer Befriedung ihren Einfluß in diesem Gebiet gegeneinander abgrenzen wollen. Dabei geht es vor allem um den Abzug der sowjetischen "Berater" aus Ägypten und um den Umfang der amerikanischen Waffenlieferungen an Israel.