Südamerikas fortschrittlichster Regierungschef ist ein General, der durch einen Militärputsch gegen eine demokratische Regierung an die Macht kam. Es ist Perus Juan Velasco Alvarado. Er regiert seit Oktober 1968, und er beweist, daß Militärs nicht konservativ sein müssen.

General Velasco hat jetzt eingeleitet, was er selbst als den "neuen Pfad zwischen Kommunismus und Kapitalismus" bezeichnet. Den Amerikanern, die sich vom peruanischen Drang nach Selbständigkeit am stärksten betroffen fühlen, gilt der "neue Pfad" als die radikalste Veränderung im lateinamerikanischen Raum seit der kubanischen Revolution.

Die radikale Veränderung ist eine gemäßigte Wirtschaftsreform, die vielleicht einmal zum Modell für andere Länder Südamerikas werden wird. Die radikalen Teile des neuen Industriegesetzes:

  • Die peruanische Regierung übernimmt im Laufe von zehn Jahren die Kapitalmehrheit (zwei Drittel) an allen Unternehmen der Grundstoffindustrie (Stahl, Eisen, Düngemittel, Chemie, Zement, Papier) und der Metallweiterverarbeitung.
  • In allen anderen Industrien müssen Ausländer innerhalb bestimmter Fristen 51 Prozent des Kapitals an Peruaner verkaufen.
  • In allen Industrieunternehmen müssen zehn Prozent des Jahresgewinnes (vor Steuern) an die Arbeitnehmer verteilt werden; weitere 15 Prozent des Jahresgewinnes müssen reinvestiert oder in Form einer Kapitalbeteiligung an einen Arbeitnehmerfonds abgeführt werden. Diese Regelung gilt so lange, bis der Fonds 50 Prozent Kapitalbeteiligung am Unternehmen erreicht hat.
  • Mindestens zwei Prozent des Jahresgewinnes müssen für industrielle Forschung und Entwicklung ausgegeben werden.
  • In allen Unternehmen muß mindestens ein Vertreter der Arbeitnehmer in die Geschäftsführung aufgenommen werden.
  • Bei Neugründungen müssen Peruaner mit mindestens 25 Prozent am Kapital beteiligt sein. Innerhalb einer vertraglich festgelegten Frist muß der Anteil auf 51 Prozent steigen.

Das peruanische Programm enthält auch eine Reihe von Bestimmungen, die deutlich zeigen, daß Peru die ausländischen Investoren nicht vergrämen will. So wird allen Unternehmen, die in Staatsbesitz übergehen sollen, zugesichert, daß sie für ihre Investitionen voll entschädigt werden und zusätzlich Anspruch auf "angemessenen Gewinn" haben. Darüber hinaus werden in- und ausländische Investoren in bestimmten Industriebereichen mit Steuer- und Kreditvergünstigungen bedacht.

Die für ausländische Unternehmen wichtigsten Bereiche wurden von den neuen Gesetzen ausgenommen: Bergbau und Erdölwirtschaft. Im Bergbau ist Kupfer neben Zink und Blei der begehrteste peruanische Rohstoff. Das Ziel der Peruaner ist, mit Hilfe der Ausländer zum größten Kupferproduzenten der Welt (vor Chile) aufzurücken.

Im Bergbau haben sich die Peruaner dagegen abgesichert, daß die Ausbeutung der Bodenschätze dem Land nichts einbringt: Die Konzessionen werden nur befristet vergeben. Wenn das ausländische Unternehmen seine Investitionen plus einem angemessenen Gewinn verdient hat, fällt die Konzession an die Regierung in Lima zurück. Darüber hinaus ist die Raffinierung des Kupfers im Inland ein Regierungsmonopol.