Die Bundesregierung hat ihre Haltung zum Bau des Staudammes Cabora Bassa in Portugiesisch-Mozambique in einem Brief erläutert, den der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Heinz Kühn in der sambesischen Hauptstadt Lusaka Staatspräsident Kaunda überreichte. Kühn befindet sich auf einer dreiwöchigen Reise durch Südostasien und Afrika und will während seines Aufenthalts in Sambia auch mit Führern der Oppositionsbewegung gegen Portugal sprechen.

Inhalt des von Kühn überbrachten Briefes dürfte eine Erläuterung des Beschlusses vom 30. Juli sein, mit dem die Bundesregierung den an Cabora Bassa beteiligten deutschen Firmen eine Hermes-Bürgschaft zusicherte. Von deutscher Seite gehören dem internationalen Konsortium Zamco die Firmen AEG, BBC-Mannheim, Hochtief, Siemens und Voith an, die 1969 einen Vertrag mit Portugal unterzeichneten. Sie werden sich mit einem Zwischenkredit von 286 Millionen Mark neben Mozambique, Portugal, Frankreich und Südafrika an der Finanzierung des bisher größten Staudamms in Afrika beteiligen. Der Sambesi wird an seiner engsten Stelle auf 250 Kilometer Länge aufgestaut. Die Staumauer wird bei 30 Meter Breite etwa 170 Meter hoch werden. Nachdem Endausbau 1979 rechnet man mit einer Stromerzeugung von täglich 40 000 MW-Stunden.

Mit Hilfe des Staudamm-Stromes sollen 15 000 qkm Land bewässert und umfangreiche Sumpfgebiete trockengelegt werden. Ferner könnten die in jüngster Zeit entdeckten Lagerstätten seltener Metalle in unmittelbarer Nähe des Dammes ausgebeutet werden. Den größten Gewinn wird vorerst Südafrika haben. Schon in der ersten Ausbaustufe ist eine 1400 Kilometer lange Gleichstrom-Höchstspannungsleitung in den Norden Südafrikas geplant, um die dortige Industrie weiter auszubauen.

Da Portugal mit hohen Löhnen und Sozialleistungen eine große Zahl weißer Siedler – Enthusiasten sprechen von einer Million – in das Staudammgebiet ziehen will, befürchten die schwarzafrikanischen Staaten eine Stärkung der aus Rhodesien, Angola und Mozambique gebildeten Pufferzone des rassistischen Südafrika gegen das schwarze Afrika. Schweden und Italien hatten nach heftigen Protesten ihre Staatsbürgschaften zurückgezogen, während die Bundesregierung trotz politischer Bedenken daran festhielt, dieses Geschäft auf "rein kommerzieller Basis" mit einer Bürgschaft abzusichern.