Die vatikanische Finanzverwaltung atmet auf. In dem amerikanischen "Equity Fund" hat sie einen Käufer für ihre seit Jahren verlustreiche Spaghetti-Produktion gefunden. Ob der Heilige Stuhl dabei draufzahlte oder ob die US-Manager noch Dollars für die "Molini e Pastifici Pantanella" gaben, wird Geheimnis der päpstlichen Schatzkammer bleiben.

Die Gesellschaft hatte nach Verlusten von über zehn Millionen Mark für 1968 im vergangenen Jahr bereits wieder 60 Prozent des Grundkapitals verwirtschaftet. Man mußte die wenigen freien Aktionäre mit einem Verlust von 1,4 Milliarden Lire (über acht Millionen Mark) konfrontieren.

Verwaltungspräsident Marcantonio Pacelli – ein Neffe Pius XII. – wird mit der Niederlegung seines Mandates bei den päpstlichen Spaghetti-Werken nicht nur seine Karriere als Industrieboß beenden. Gleichzeitig zieht er als Sachwalter des Vatikans auch den Schlußstrich im Hauptbuch des päpstlichen Industriebesitzes.

Die vatikanische Güterverwaltung hat sich in den letzten Monaten mit dem Verkauf der "Ceramica Pozzi", der "Generale Immobiliare" und der "Condotte d’Aqua" von den Resten des unmittelbar päpstlich gelenkten Wirtschaftsbesitzes getrennt. Vom Kapital der "Ceramica Pozzi" waren zuletzt 80 Prozent in die Tresore der "Generale Immobiliare" geraten.

Nunmehr ging die Immobiliare samt Pozzi an die US-Firma "Gulf and Western Industries". Neuer Eigentümer der "Condotte d’Aqua" ist die französische Bank "Paris Bas" zusammen mit dem sizilianischen Börsenmakler Sindona.

Die vatikanische Zeitung "Observatore Romano" hat diese Entwicklung indirekt bestätigt. Kaum waren die Transaktionen abgeschlossen, erklärte das Blatt, der Vatikan besitze höchstens eine halbe Milliarde Mark Anlagevermögen und verfüge in keiner in- oder ausländischen Gesellschaft über eine Beteiligungsmehrheit.

Im Gegensatz zu Pozzi und Pantanella brachte der Verkauf der beiden anderen Unternehmen dem Heiligen Stuhl einiges ein. Den Gegenwert für seinen Industrie-Ausverkauf dürfte der Vatikan unauffälliger als bisher anlegen. fg