Jetzt, da die Zahl der entdeckten Pulsare – jener Objekte am Himmel, die rhythmisch pulsierend Radiostrahlen aussenden – auf 50 angestiegen ist, wird es möglich, einfache statistische Analysen verschiedener Pulsareigenschaften vorzunehmen. Das haben drei Wissenschaftler des Astronomischen Zentralinstituts in Potsdam getan. Die Doktoren P. Notni, H. Oleak und K. H. Schmidt fanden heraus, daß die Frequenzen, mit denen die Pulsare pulsieren, in bestimmter Weise mit der Position am Himmel korreliert sind. Die Pulsare nämlich, deren Pulsperioden kürzer sind als eine Sekunde, stehen vorwiegend in der Milchstraße, während die gemächlicher pulsierenden Exemplare über den ganzen Himmel verteilt sind.

Die DDR-Forscher geben in einem Bericht in der Zeitschrift "Astrophysical Letters" (Vol. 6, Seite 61) zwei mögliche Erklärungen für diese merkwürdige Verteilung der bis heute noch rätselhaften kosmischen Objekte. Die erste Möglichkeit: Die Frequenz, mit der die Pulsar pulsiert, hängt von der Energie ab, die dem Himmelskörper zur Abstrahlung der Radiostrahlung zur Verfügung steht. Schwächere Pulsare würden demnach längere Pulsperioden haben als stärkere Vertreter dieser Objektklasse. Wenn man nun noch von der Voraussetzung ausgeht, daß sich die Pulsare alle in unserer Galaxis befinden, dann können von den schwach und darum mit langsamem Rhythmus strahlenden Pulsaren auf der Erde nur die Signale derjenigen empfangen werden, die sich in der Nähe unseres Sonnensystems befinden. Von der Erde aus gesehen können diese Objekte überall am Himmel stehen. Hingegen gelangen von den weiter entfernten Pulsaren nur die Signale derjenigen zur Erde, deren Strahlung besonders stark und deren Pulsfrequenz infolgedessen kurz ist. Weit entfernte Objekte unserer Galaxis aber stehen von der Erde aus gesehen in der Milchstraße.

Die alternative Theorie ist mehr ad hoc: Daß, es zwei Sorten von Pulsaren gibt, solche mit kurzen Perioden in der Galaxis und langperiodische an anderen Orten des Alls, könnte daran liegen, daß die Objekte der beiden Sorten auf verschiedene Weise entstanden sind oder unterschiedliches Alter besitzen. Die erste Pulsar wurde 1967 von Jocelin Bell am Radioobservatorium Jodrell Bank in England entdeckt. Nach einer Theorie des amerikanischen Astronomen Thomas Gold könnten diese Objekte Neutronensterne – Sterne im Endstadium ihres Daseins – sein. Würde eine der beiden Hypothesen der Potsdamer Forscher bestätigt, dann ergäben sich hieraus neue Aspekte für die Deutung des Pulsar-Phänomens. N. S.