"Elisabethanische Lautenlieder"; Julian Bream (Laute) und Peter Pears (Tenor); RCA LSC-3131, 25,– DM

Was ist denn Liebe anderes als Schmerzen? Eine Frage, die die Gedicht-Dichter und die Schlager-Dichter damals, um 1600 herum, besonders heftig bewegt hat. "Soll ich klagen?" fragt der eine, "Kann sie verzeihen?" der andere; dritte Frage: "Wer ist es wohl, der in dieser dunklen Nacht vor meinem Fenster klagt?" Es gibt Erwägungen: "Wenn Laura lächelt" und den sanften Imperativ "Weine nicht mehr". Wen wundert’s, daß manche dieser Lautenlieder die Hit-Listen der Notendrucker anführten? Eins der vier Lautenliederbücher John Dowlands zum Beispiel mußte viermal neu aufgelegt werden. Dowland war freilich der berühmteste Komponist seiner Zeit in England; in Dänemark strich er als Lautenist das Gehalt eines Staatsministers ein, zu Hause mußte der reiselustige Mann es hinnehmen, daß man seinen Lebenswandel anstößig fand. Gleichwohl liebte man seine einfachen, fließenden Melodien und den geschmeidigen Kontrapunkt dazu; Man weiß heute noch relativ viel von ihm – mehr als von seinen nicht viel schlechteren Zeitgenossen Thomas Ford (1580–1648, zwei Lieder), von Philip Rosseter (1568–1623, drei Lieder), mehr sogar als von dem bedeutenden Madrigalisten und Theoretiker Thomas Morley (1577–1602, drei Lieder), der Shakespeares Hausgenosse war und mit ihm gegen dieselbe Steuerveranlagung protestierte. Und wie wird nun diese Musik hier auf dieser Platte dargeboten? Nun ja, sehr delikat, sehr musikalisch, sehr schön – mir scheint, Bream und Pears lassen diese "Ayres" ein bißchen zu schön geraten, sicherlich viel zu hygienisch einwandfrei, wo doch die Komponisten selber ausdrücklich Freiheiten suggerierten. Thomas Campion, ein Zeitgenosse, notiert: "Immerhin können wir täglich die Beobachtung machen, daß beim Erklingen einer Gesangsstimme über einem Instrument die Herumstehenden ganz aus sich heraus eine Mittelstimme beisteuern werden – und die muß heraus, ganz gleich, ob sie richtig oder falsch klingt, ob sie die ganze Harmonie zerstört oder nicht." Bei Bream und Pears stand niemand herum. Manfred Sack