Neun Jahre nach seinem Auftreten in Celebes hat der El-Tor genannte Erreger der Cholera Südosteuropa erreicht und im Nahen Osten sowie in der russischen Schwarzmeerküste eine bislang unbekannte. Zahl von Todesopfern gefordert. Obwohl die westliche Welt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf erklärte, vor einer Epidemie auf Grund ausreichender sanitärer Einrichtungen sicher ist, haben zahlreiche Staaten Vorbeugungsmaßnahmen ergriffen. Dazu gehören Schutzimpfungen und eine Quarantäne von fünf oder sechs Tagen. So müssen sich 30 000 türkische Gastarbeiter, die ihren Urlaub in der Heimat verbrachten, vor der Rückkehr in die Bundesrepublik einer Schutzimpfung unterziehen.

Die mit Brechdurchfällen, Bauch- und Muskelkrämpfen, hohem Flüssigkeitsverlust und oft mit Untertemperatur verbundene Krankheit tritt besonders in Gebieten mit unterernährter Bevölkerung und unzureichenden hygienischen Verhältnissen auf, da die Cholera hauptsächlich durch Wasser übertragen wird, das von Fäkalien Erkrankter verunreinigt ist. Israel und seine Nachbarländer mußten Impfungen in Flüchtlings- und Gefangenenlagern vornehmen. Eine frühzeitige Hilfe wurde – wie etva in Libyen – erschwert, da einige Länder im Nahen Osten die Krankheit entweder nicht erkannt oder geleugnet haben. Während in Rußland die Epidemie abklingt und die Balkanländer vereinzelte Fälle rechtzeitig isolieren können, breitet sich die Cholera in einzelnen afrikanischen Ländern aus.

Dort war der El-Tor-Erreger bereits 1964 und 1965 im Osten des Kontinents aufgetreten. Jetzt meldet Portugiesisch-Guinea Fälle von Cholera.